Feuerwehr

Gewerkschaft wittert Klüngelei bei Berufsfeuerwehr

Stehen in der Kritik: David von der Lieth (zweiter von links) und Helga Stulgies.

Stehen in der Kritik: David von der Lieth (zweiter von links) und Helga Stulgies.

Foto: Stadt

Düsseldorf.  Hinter den Kulissen der Berufsfeuerwehr brodelt es: Die NRW-Feuerwehrgewerkschaft kritisiert die Besetzung des neuen Chefpostens in Düsseldorf.

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Bei der Düsseldorfer Berufsfeuerwehr brodelt es derzeit mächtig. Hinter den Kulissen sollen schmutzige Machtkämpfe um den Chefposten ausgetragen werden. Das geht zumindest aus Aussagen und einem Schreiben der Deutschen Feuerwehr-Gewerkschaft NRW hervor. Denn für die entsteht der „Eindruck, dass bei der Besetzung des Chefpostens ‘geklüngelt’ wurde“. So heißt es in einem Brandbrief des NRW-Gewerkschaftsvorstands.

Besetzung des Chefpostens stieß bei Vielen auf Unmut

Die Geschichte hinter den internen Geschehnissen ist verworren: Nachdem der ehemalige Feuerwehrchef Peter Albers vergangenes Jahr in Ruhestand ging, standen drei Kandidaten zur Auswahl: der langjährige Vize-Feuerwehrchef Christian Schlich, Ulrich Cimolino, der Leiter der Abteilung Technik, und der 36-jährige David von der Lieth. Letzterer ist seit knapp zehn Jahren bei der Düsseldorfer Feuerwehr und arbeitete zuletzt an einer „feuerwehrspezifischen Variante“ des Verwaltungssparprogramms 2020. Im März 2017 hatte Feuerwehrdezernentin Helga Stulgies bei einer Personalversammlung von der Lieth als neuen Amtsleiter angekündigt. Doch das schien – trotz der guten Qualifikation von der Lieths – bei vielen auf Unmut zu stoßen.

„Die beiden Mitbewerber reichten Klage gegen die Entscheidung ein, die Stadt stoppte daraufhin das Bewerbungsverfahren“, sagt Andreas Jedamzik, stellvertretender Landesgruppenvorsitzender bei der Feuerwehr-Gewerkschaft. Seitdem verhärtet sich bei den Gewerkschaftern die Vermutung, von der Lieth solle um jeden Preis in das Amt kommen. „Mitbewerber Schlich wurde frühpensioniert, der anderer Kläger, Cimolino, wurde innerhalb der Feuerwehr umgesetzt, die Leitung seiner Abteilung wurde ihm entzogen. So wurde der Weg für von der Lieth freigemacht“, sagt Jedamzik.

Ausschreibung soll nicht öffentlich stattgefunden haben

Die Entwicklung der Personalbesetzung sei seitdem „alarmierend“. Denn gestern rief das Büro des Oberbürgermeisters Thomas Geisels bei der Deutschen Feuerwehr-Gewerkschaft an. „Man hat uns mitgeteilt, dass man froh sei, mit David von der Lieth einen geeigneten Nachfolger für die Amtsleitung gefunden zu haben“, heißt es von der Gewerkschaft. Dabei soll es bislang keine weitere Ausschreibung auf die Stelle gegeben haben – zumindest keine Ausschreibung, die offiziell mitgeteilt wurde. Die Unterlagen einer Ausschreibung vom 15. August auf das Amt zum Feuerwehr-Chef liegen unserer Redaktion vor.

Doch: „Die Ausschreibung wurde bislang nirgendwo öffentlicht gemacht. Weder bei der Feuerwehr noch bei der Verwaltung, sie wurde von der Lieth einfach auf den Schreibtisch gelegt“, heißt es seitens der Gewerkschaft. Dabei müsse auf eine so verantwortungsvolle Position eine interne und externe Ausschreibung stattfinden, „nicht nur landes-, sondern auch bundesweit“, gibt Jedamzik zu Bedenken.

Einen Grund soll es für die vieldiskutierte Personalbesetzung auch geben: „Von der Lieth und Frau Stulgies kennen sich gut. Es ist schon verwunderlich, dass jemand nach gerade mal zehn Jahren Berufsfeuerwehr nun zum Chef gemacht werden soll“, sagt Jedamzik. Man habe persönlich nichts gegen von der Lieth, „doch eine ordentliche Ausschreibung ist notwendig“, so die Vorsitzenden der Gewerkschaft.

Staatsanwaltschaft ermittelt bei Löschboot-Tour

Neben der vorenthaltenen Ausschreibung sieht die Gewerkschaft weitere Mängel in der neuen Personalbesetzung. Im April war bekannt geworden, dass ein Feuerlöschboot der Düsseldorfer Feuerwehr für private Zwecke genutzt worden war: „Herr von der Lieth war, laut unseren Informationen, bei einem der Vorfälle am Löschboot oberster Führungsdienst. Er muss die Aktion mitbekommen haben“, so Jedamzik. Derzeit werde in dem Fall von der Staatsanwaltschaft noch ermittelt, „es wäre deshalb fatal, jetzt schon den Chefposten zu besetzen.“

Kurios in diesem Zusammenhang: Die Personalratssitzung der Feuerwehr wurde auf kommenden Montag vorverlegt, „wahrscheinlich, um von der Lieth direkt in der kurz darauf folgenden Ratssitzung zu bestätigen“, so Jedamzik.

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