Tierschutz

Gibt es bald keine Pferde mehr im Düsseldorfer Karneval?

Pferde im Karnevalsumzug wie hier vorgestern in Düsseldorf sind ein gewohntes Bild. Ginge es nach Tierschutzorganisationen und -parteien würde sich das bald ändern.

Foto: Romy Arroyo Fernandez

Pferde im Karnevalsumzug wie hier vorgestern in Düsseldorf sind ein gewohntes Bild. Ginge es nach Tierschutzorganisationen und -parteien würde sich das bald ändern. Foto: Romy Arroyo Fernandez

Düsseldorf.   Nachdem im Kölner Rosenmontagszug Tiere durchgegangen sind und Menschen verletzten, wird auch in Düsseldorf über Pferde im Karneval diskutiert.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

„Ein Zug ohne Pferde ist Mist.“ Das war für NRW-Innenminister Herbert Reul nach dem Vorfall im Kölner Rosenmontagszug schnell klar. Pferde waren durchgegangen, nachdem sie möglicherweise mit Flaschen beworfen wurden und fünf Menschen verletzten hatten. Auch in Düsseldorf löste der Kölner Unfall, wieder einmal, eine Diskussion über Tiere im Karneval aus. Allerdings nicht so eindeutig wie es Herbert Reul sieht.

Allen voran die Fraktion Tierschutz/ Freie Wähler, die nun wiederholt einen Antrag in der nächsten Ratssitzung für ein Verbot stellen will. Einen ersten gab es 2016. Doch damals habe die Politik darauf „genervt“ reagiert, so Geschäftsführer Torsten Lemmer. Sollte der Antrag wieder abgelehnt werden und komme es hier zu einem Pferde-Unfall, „soll jeder wissen wer die verletzten Menschen und Tiere zu verantworten hat“, so Lemmer.

70 Pferde beim Düsseldorfer Zoch

Für NRZ-Kolumnist und Tierarzt Dr. Johannes Grübl gibt es zwei Betrachtungsweisen. Die Pferde, die an den Umzügen teilnehmen, wurden vorher daran gewöhnt. Vor allem Kalt- und Halbblüter werden gerne genommen, da sie „ein ruhigeres Gemüt“ haben. Aus tierärztlicher Sicht hingegen muss Grübl ganz klar sagen, dass es für die Tiere besser wäre, „zuhause zu bleiben“. Zumal Karneval früher eine deutlich ruhigere und kleinere Angelegenheit war.

Insgesamt 70 Pferde waren beim Zoch dabei, so Hans-Jürgen Tüllmann, Geschäftsführer des Comitee Düsseldorfer Carneval. Er selbst sieht die Lage entspannt. „Man muss in Köln erstmal analysieren, was da genau passiert ist, aber wir haben unsere Regularien und die werden eingehalten“, so Tüllmann. Alle Pferde werden im Vorfeld gecheckt, Tierärzte sind immer dabei, zudem hätten alle Reiter einen Reiterpass. Dass die Tierschützer auf die Barrikaden gehen, nervt Tüllmann. „Manche sitzen zuhause in ihrem Sessel und müssen alles kaputt reden.“

Reiter und Tiere sind aneinander gewöhnt

Der Amazonenkorps Düsseldorf, selbst mit elf Pferden vertreten, sieht ebenfalls keinen Grund zur Besorgnis, wie die 1. Vorsitzende Astrid Brauckhoff sagt. Die Pferde werden ausschließlich bei Umzügen und Kutschfahrten eingesetzt. Zudem habe jeder Reiter seit Jahren dasselbe Pferd. „Es ist noch nie was passiert“, so Brauckhoff.

Die KG Gerresheimer Bürgerwehr 1956 hat im vergangenen Jahr die leidvolle Erfahrung mit Pferdeunfällen gemacht. Bei einem Schützenumzug hatte ein ausschlagendes Pferd eine Begleiterin verletzt. Diese habe sich zuvor falsch verhalten. Für Präsident Stephan Friedel kein Grund auf die Tiere zu verzichten, da – wie bei dem Amazonenkorps – Reiter und Tiere aneinander gewöhnt sind. Dennoch gesteht er, dass man nie vor Zwischenfällen gefeit ist und er froh sei, wenn der Zoch vorbei ist. Bei widrigen Wetterverhältnissen seien die Pferde auch schon mal nicht mitgekommen.

Historische Wagen schöner mit Pferden

Friedel ist nun gespannt, ob der Kölner Vorfall Auswirkungen auf Düsseldorf hat. „Sollte dort entschieden werden, auf Pferde zu verzichten, hat das sicher auch Folgen hier.“ Er selbst hofft jedoch, dass die Tiere dem Karneval erhalten bleiben. „Pferde gehören dazu, gerade bei historischen Wagen. Die wirken mit Trecker davor nicht.“

Die Tierschutzorganisation Peta spricht sich hingegen seit Jahren für das Verbot aus. „So etwas ist Stress für die Pferde. Da treffen Betrunkene auf sensible Tiere“, so Peter Höffken, Fachreferent für Tiere in der Unterhaltungsbranche. Allein im letzten Jahr habe es 50 Pferdezwischenfälle in Deutschland gegeben. Höffken findet es jedoch schwierig, ein politisches Einlenken zu erreichen, da „viele mit dem Karneval verzahnt sind“.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Auch interessant
Leserkommentare (1) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik