Nationalsozialismus

Gilges gilt als erstes Rassenopfer der Nazis in Düsseldorf

Hilarius Gilges

Hilarius Gilges

Foto: oh

Düsseldorf.   Tabakhändler Hilarius Gilges von der Ratinger Straße in Düsseldorf wurde am 20. Juni 1933 ermordet.

Hilarius Gilges, so hieß er, der absolute Liebling der Altstadt-Kinder im Bereich der Ratinger Straße. Von den Kindern wurde er auch liebevoll „Larry“ genannt, wenn sie ihn an seinem Standplatz an der Ecke Mühlengasse/Ratinger Straße begegneten. Dort hatte er sich einen kleinen Handel mit Tabak eingerichtet. Um seine Familie ernähren zu können, beaufsichtigte er dazu noch die Fahrräder der Erwerbslosen, die zu Hunderten das Arbeitsamt bevölkerten. Dabei bekam er oft Unterstützung von den Kindern, heißt es in Heinrich Riemenschneiders Beitrag zur Ratinger Straße.

Stepptanzeinlagen für die Kinder

Larry, der Sohn eines Deutsch-Amerikaners, wusste sich zu revanchieren. So bedankte er sich bei den Kindern mit Stepptanzeinlagen, die er meisterhaft beherrschte. So machte sich das große Kaufhaus Tietz (heute Kaufhof) sein Können zunutze, indem er in den Schaufenstern mit seinen Stepptänzen Reklame für Herrenbekleidung machte.

Mit dem Machtantritt der Nazis wurde Hilarius Gilges sofort von der Ratinger Straße verbannt. Ein Schrei des Entsetzens ging durch die Altstadt, als die Ermordung Gilges durch die Nazis am 20. Juni 1933 bekannt wurde.

Zahlreiche Stich- und Schusswunden an Gilges’ Körper

An diesem Tag erschienen nach Aussagen der Ehefrau von Gilges und der Hausnachbarin Josefine Stump im Wohnhaus an der Ritterstraße 36 sechs lederbemantelte SA- und SS-Männer, die den verzweifelt schreienden Hilarius Gilges unter Anwendung brutalster Gewalt zur nahe gelegenen Rheinbrücke schleppten. In den dort auf der Rheinwerft lagernden Sand- und Kiesbergen wurde Gilges gefunden. Sein Körper wies Stich- und Schusswunden auf. In seinen Lungen befand sich Sand, und die Arme hingen ausgekugelt am Körper.

Der Ideologie der Nationalsozialisten und ihrem Rassenwahn zufolge wurde Gilges ermordet, weil er in der Agitprop-Gruppe „Nordwest ran“ mitgewirkt hatte, aber vor allem, weil er als dunkelhäutiger Mensch mit einer deutschen Frau verheiratet war und mit ihr zwei Kinder hatte.

Skulpturen sind Gilges gewidmet

Der 24-jährige Gilges muss als das erste Rassenopfer der Nazis in Düsseldorf angesehen werden. Der Bildhauer Bert Gerresheim hat in der von ihm geschaffenen Skulptur des heiligen Nepomuk, die auf der Brückenabfahrt der Oberkasseler Brücke steht, den Namen von Gilges verewigt.

Die Bildhauerin Hannelore Köhler hat ein Relief von Gilges geschaffen, dass an der Tonhallenpassage an ihn erinnert. Auch ein kleiner Hain an der Ritterstraße/Ecke Eiskellerberg ist ihm gewidmet.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben