Gesundheit

Gute Bilanz für Gesundheitsprojekt für Wohnungslose

Ralf Angermund (Janssen Deutschland), Antonia Frey (Diakonie), Reinhold Knopp (Hoschule Düsseldorf) und Kai Lingenfelder (Diakonie) sind mit dem Projekt zufrieden.

Ralf Angermund (Janssen Deutschland), Antonia Frey (Diakonie), Reinhold Knopp (Hoschule Düsseldorf) und Kai Lingenfelder (Diakonie) sind mit dem Projekt zufrieden.

Foto: Katharina Gilles

Düsseldorf.  Das Projekt „gesundheit.zeit.raum“ für Wohnungslose besteht seit drei Jahren in Düsseldorf. Vor allem „soziale Gesundheit“ ist Menschen wichtig.

Wer auf der Straße lebt, hat oft anderes zu tun und andere Sorgen, als sich um seine Gesundheit zu kümmern. Darum hat die Diakonie Düsseldorf vor drei Jahren mit dem forschenden Pharmaunternehmen Janssen und dem Johnson und Johnson Corporate Citizenship Trust das große Gesundheitsprojekt „gesund.zeit.raum“ für Wohnungslose ins Leben gerufen.

Das Thema sei schon seit Ende der 90er Jahre auf der Agenda bei der Diakonie, in so einem Umfang konnte es jedoch vorher noch nicht angegangen werden, so Antonia Frey, Abteilungsleiterin Beratung und soziale Integration bei der Diakonie.

Pharmaunternehmen unterstützt Projekt mit sechsstelliger Finanzsumme

Janssen unterstützt das Projekt im Jahr mit einer sechsstelligen Finanzsumme, so Ralf Angermund, Direktor des medizinischen Fachbereichs Hämatologie bei dem Unternehmen. Reinhold Knopp und Anne van Rießen – beide lehren und forschen an der Hochschule Düsseldorf – haben darüber hinaus mit ihrem Team wissenschaftlich untersucht, was das Projekt bisher gebracht hat – und die Zwischenbilanz fällt positiv aus.

Für die einjährige prozessbegleitenden Evaluation wurden rund 160 Befragungen durchgeführt. Rund 200 bis 300 Menschen erreicht das Projekt jedoch, so die Schätzungen von Projektleiter Kai Lingenfelder. Bei der Evaluation wurde zum Beispiel gefragt, an welchen aktuellen Angeboten die Menschen teilnehmen. 35,2 Prozent besuchen das „gesunde Frühstück“, das jeden Donnerstag in allen drei Tagesstätten der Diakonie stattfindet. 31,4 Prozent nehmen indes an den „Well being“- Tagen teil. An diesen Tagen geht es um Bewegung, gesundes Essen, oder gemeinsam ein Spiel zu spielen, sich auszutauschen und einfach menschlichen Kontakt zu haben.

Ganzheitliche Ausrichtung erfährt viel Zuspruch

Generell stößt die Vielfalt des Angebots und die ganzheitliche Ausrichtung auf viel Zuspruch – was auch das eigene Wohlbefinden positiv beeinflusst, was 77,8 Prozent der Befragten angaben. Denn was die Befragung auch zeigt: Nicht die medizinische Gesundheit steht für die Nutzer im Fokus, sondern der Aspekt der „sozialen Gesundheit und damit auch der sozialen Teilhabe“, wie Knopp sie nennt. Das sei nicht zu unterschätzen.

Daher baut das Gesundheitsprojekt auch darauf auf, einen Raum und eine Umgebung des Vertrauens zu schaffen, in der sich alle Wohlfühlen. Durch die Angebote kommen die Wohnungslosen mit den Mitarbeitern in Kontakt. Und wenn dieses Vertraute erst einmal geschaffen ist, bietet das einen Rahmen, um auch unangenehmere Themen anzusprechen. Allein von April 2018 bis März 2019 sind so 4662 Kontakte entstanden, bei denen mit den Menschen an ihrer Situation gearbeitet wurde. Eben auch an medizinisch-gesundheitlichen Themen. „Viele Wohnungslose gehen nicht gern zum Arzt, weil sie dort unangenehme Erfahrungen gemacht haben oder sich unwohl fühlen, etwa wenn es um Hygiene geht“, so Lingenfelder. Daher gibt es auch dort Unterstützung. Gemeinsam mit Mitarbeitern können die Wohnungslosen etwa den „Medizinbus“ besuchen.

Was Kai Lingenfelder ebenfalls wichtig ist: 77,4 Prozent der Befragten gaben an, sich extra Zeit zu nehmen, um an einem Angebot des Projekts teilzunehmen. „Jeder, der mit Wohnungslosen zusammenarbeitet weiß, wie anstrengend und was für ein Aufwand es ist, sich so einen Termin zu merken.“ Dass sie das machen helfe den Menschen für ihre Zukunft. „Wir hoffen natürlich, dass – wenn sich die Menschen um sich und ihre Gesundheit kümmern, sie das langfristig von der Straße holt.“

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