Kindesmisshandlung

Haftstrafen und Berufsverbot im Educon-Prozess gefordert

Die Angeklagten sollen von 2006 bis 2008 autistische Kinder im Alter von 9 bis 15 Jahren in Wohngruppen des Unternehmens Educon gequält haben.

Die Angeklagten sollen von 2006 bis 2008 autistische Kinder im Alter von 9 bis 15 Jahren in Wohngruppen des Unternehmens Educon gequält haben.

Foto: Lars Heidrich

Hilden/Düsseldorf.  In Hilden sollen in einer Jugendhilfe-Einrichtung autistische Kinder grausam gequält worden sein. Urteil soll am 4. April gesprochen werden.

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Für die Misshandlung autistischer Kinder in einer evangelischen Jugendhilfe-Einrichtung hat der Staatsanwalt bis zu vier Jahre Haft gefordert. Die Strafe soll für eine ehemalige Gruppenleiterin fällig werden, zudem ein fünf Jahre dauerndes Berufsverbot. Der mitangeklagte Ehemann der Frau soll für zwei Jahre ohne Bewährung hinter Gitter. Gegen ihn soll ebenfalls ein fünfjährigfes Berufsverbot verhängt werden. Eine 43-jährige Betreuerin soll zu einem Jahr und zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt werden.

Wegen der langen Verfahrensdauer - die Vorwürfe reichen zehn Jahre zurück - beantragte der Staatsanwalt am Dienstag, jeweils sechs Monate der Strafe als verbüßt zu betrachten. Das Urteil in dem bereits seit acht Monaten dauernden Prozess ist für den 4. April geplant.

Kinder stundenlang fixiert und tagelang Essen verweigert

Die Angeklagten sollen von 2006 bis 2008 autistische Kinder im Alter von 9 bis 15 Jahren in Wohngruppen des Unternehmens Educon gequält haben. Die Staatsanwaltschaft wirft den ehemaligen Erziehern in der Anklage zahlreiche Misshandlungen vor. So sollen sie die Kinder stundenlang fixiert und sich auf sie gelegt haben. Tagelang sei Kindern Essen verweigert worden, oder sie hätten Unkraut essen müssen.

Handtücher seien so fest um ihre Köpfe gewickelt worden, dass die kaum noch Luft bekamen und in Panik gerieten. Die rabiate Praxis wurde auf über 200 Stunden Videomaterial dokumentiert. Ausschnitte waren im Gerichtssaal gezeigt worden.

Der früheren Leiterin der Wohngruppe wird Misshandlung Schutzbefohlener, Nötigung und Freiheitsberaubung vorgeworfen. Educon, eine Tochter der evangelischen Graf-Recke-Stiftung, wurde inzwischen aufgelöst und in die Stiftung integriert. (dpa)

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