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Halb Düsseldorf geht am Wochenende auf die Rollen

Hier wird niemand mehr vertrieben: Skater-Urgestein Donald Campbellhat schon mit 56 ein bewegtes Leben hinter sich. Er betreut den Skatepark Eller.

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Hier wird niemand mehr vertrieben: Skater-Urgestein Donald Campbellhat schon mit 56 ein bewegtes Leben hinter sich. Er betreut den Skatepark Eller.

Düsseldorf.   Was zwei Protagonisten der Szene am Rande der Deutschen Skatermeisterschaften im Düsseldorfer Stadtteil Eller bewegt.

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Skateboarding ist mittlerweile ein Riesengeschäft. Wettbewerbe in aller Welt locken massenweise Zuschauer. Schuhe und Klamotten, die extra für den Action-Sport entwickelt wurden, generieren hohe Umsätze, und sogar das Komitee der Olympischen Spiele hat angeklopft und Skateboarding zur Olympischen Disziplin erklärt. Auch die Sportstadt Düsseldorf hat diesen Trend beobachtet und den bereits seit zehn Jahren geplanten hochmodernen Skatepark in Eller fertiggestellt.

Deutsche Meisterschaft an drei Tagen

In Eller findet vom 14. bis zum 16. September, die Deutsche Meisterschaft statt. Aushängeschild der Veranstaltung ist das 17-jährige Ausnahmetalent Lenni Janssen. Dem Düsseldorfer Schüler werden hohe Chancen auf den Titel zugesprochen – vielleicht sogar die Qualifikation zu den Olympischen Spielen in Tokio. Lenni ist aber nicht der einzige Düsseldorfer, dessen Leben maßgeblich vom Skaten geprägt wurde. Grund genug, sich zwei Aktivisten der Szene genauer anzusehen.

Wer sich mit der Skateboardszene in Düsseldorf beschäftigt, kommt um eine Person nicht herum: Donald Campbell. Jeder, der in der Landeshauptstadt aktiv skatet, hat zumindest schon mal seinen Namen gehört, wenn nicht gar von ihm sein erstes Skateboard gekauft. Der Mann gilt als Urgestein der Subkultur.

Urgestein der Subkultur

Es ist nicht schwer, Campbell zu finden. Mittlerweile betreut der 56-Jährige den Skatepark in Eller. Hier kann man ihn jederzeit antreffen. Er wirkt wesentlich jünger als er ist. Das liegt zum einen an seinem Klamottenstil und seiner schnellen Sprechweise, aber vor allem an seiner direkten Art, die aber immer sympathisch wirkt.

1975 entdeckt er das Skateboardfahren für sich. Es ist eine turbulente Zeit. Punkrock ist die prägende Subkultur und die Ratinger Straße ihr Epizentrum. Donald ist mitten drin, gilt aber mit seinem Rollbrett auch als Exot. Wie dankbar er dem kleinem Stück Pressholz noch sein wird, weiß er zu diesem Zeitpunkt noch nicht: „Ich hatte meine Punk-Freunde aus der Altstadt und gleichzeitig meine Skater-Freunde. Natürlich gab es auch Vermischungen, aber die Interessen waren dann doch oft andere.“ Während Campbell die meiste Zeit mit Skaten verbringt, steht bei seinen Altstadtfreunden doch eher der Exzess im Vordergrund.

Skaten statt Drogen

Anfang der 80er Jahre brechen die ersten Heroin-Wellen über Westdeutschland ein. Jugendliche, die keinen Halt haben, sind besonders gefährdet, dem braunen Pulver zu verfallen, aber nicht Donald – er hat ja sein Skateboard. „Das Skaten hat mich vor vielem bewahrt. Nüchtern fährt es sich eben am besten. Leider sind viele meiner damaligen Freunde aus der Altstadt den Drogentod gestorben.“

Campbell widmet fortan sein Leben dem Skatesport. Er baut selbst Boards, bereist den Globus, um sich mit anderen Fahrern auszutauschen und versucht immer wieder in Düsseldorf Plätze zu finden, an denen die Skater nicht vertrieben werden. 2006 glaubt er es geschafft zu haben. In Meerbusch findet er eine Lagerhalle, die er zu einem Skatepark umbauen kann. Der Besitzer hat nichts dagegen. Bald trifft sich hier die Szene aus NRW, um ihr Können zu verbessern. Auch Olympiahoffnung Lenni Janssen machte dort seine ersten Schritte auf dem Skateboard.

2014 wird die Halle geschlossen. Der Besitzer hatte andere Verwendungszwecke. Eine kleine Welt bricht zusammen. Aber es gibt ja einen Hoffnungsschimmer; der seit einem Jahrzehnt versprochene Skatepark in Eller. 2018 ist es dann endlich so weit: Es wird Eröffnung gefeiert und Campbell wird die Betreuung des Parks anvertraut: „Ich hoffe, dass hier wird ein Ort, an dem sich alle wohl fühlen. Jeder ist willkommen, ob groß oder klein, Anfänger oder Fortgeschrittene. Hier ist für jeden Platz.“

Befahrbare Skate-Skulpturen

Eine ganz andere Geschichte, aber nicht weniger interessant, ist die von Roberto Cuellar Santacruz. Der 30-Jährige ist Künstler, ausgebildet an der renommierten Kunstakademie. Im Rahmen der laufenden „Skate Week 2018“ (SKTWK) präsentiert Cuellar am Rheinufer eine seiner einzigartigen befahrbaren Skate-Skulpturen.

Cuellar ist einer dieser Menschen, denen man den inneren Schöpfergeist förmlich ansieht. Seine Augen sind immer in Bewegung, suchen nach neuen optischen Reizen und seine Pupillen weiten sich, wenn er über geometrische Formen, Farbinstallationen und dem Wechselspiel zwischen mathematischer Präzision und kreativem Chaos berichtet.

Cuellars Fantasie wurde aber nicht etwa im Kunstunterricht geweckt, sondern auf der Straße – durch ein Brett, zwei Achsen und vier Rollen.

Keinen Anspruch, Künstler zu sein

In Mexiko geboren wandert der damals 12-Jährige, samt Familie, nach Deutschland aus. Zeitgleich beginnt das Interesse für den Skatesport. „Noch bevor ich überhaupt richtig Deutsch sprechen konnte, hatte ich schon Anschluss an die lokale Skaterszene gefunden – Freunde, die mich immer noch begleiten.“

Neben dem eigentlichen Fahren ist er fasziniert von den Bildern, die sich unter den Boards befinden. Er beginnt zu zeichnen, bemalt Leinwände und T-Shirts und schließt erfolgreich eine Ausbildung zum Grafikdesigner ab. Die Verbundenheit zur Skaterszene ist dabei immer wieder Haupt-Inspirationsquelle, und so beginnt Cuellar zum ersten Mal an seinen befahrbaren Installationen zu arbeiten: „Den Anspruch ein „Künstler“ zu sein, hatte ich zuerst gar nicht. Ich wollte einfach etwas schaffen, dass es in der Szene noch nicht gegeben hat.“

Wie selbstverständlich betritt er künstlerisches Neuland im Hinblick auf Funktionalität und Ästhetik. Von da aus ist es nur noch ein kleiner Schritt zur Kunstakademie.

Lenni, Donald und Roberto – drei Altersgenerationen, die dem Skateboardfahren viel zu verdanken haben. Es war wohl wirklich an der Zeit, dass der Park in Eller fertig gestellt wurde.

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