Düsseldorfer Geheimnisse

Hat der Teufel einen Düsseldorfer Kirchturm verdreht?

St. Lambertus vom Rhein aus.

St. Lambertus vom Rhein aus.

Foto: STEFAN AREND / WAZ

Düsseldorf.  Stadtarchivar Benedikt Mauer hat viele Erklärungen parat, warum Düsseldorfs berühmter St. Lambertus-Kirchturm so schief ist.

Da gibt es nichts dran zu rütteln: Die Spitze dieses Turms ist irgendwie krumm: „So schief wie der von Pisa ist er nicht“, räumt Stadtarchivar Benedikt Mauer ein. „Aber als in sich verdreht kann man den Kirchturm von St. Lambertus schon bezeichnen.“ Wie es dazu kam? Da gibt’s gleich mehrere Versionen. Benedikt Mauer kennt sie alle, zunächst will er jedoch darauf aufmerksam machen, dass es sich bei St. Lambertus um die älteste Kirche der Altstadt und eines der Wahrzeichen Düsseldorfs handelt: Schon zum Zeitpunkt der Stadterhebung 1288 befand sich hier ein Gotteshaus – zusammen mit dem Lieferhaus übrigens der einzige Steinbau der Siedlung an Düssel und Rhein.

In den folgenden Jahrhunderten erfuhr dieses Bauwerk zahlreiche bauliche Eingriffe, Erweiterungen und Stiftungen. Als Marienstiftbekannt, wirkten hier – und wohnten in der Nähe – zahlreiche Stiftsgeistliche“, beschreibt der Stadtarchivar die Baugeschichte und Bedeutung von St. Lambertus. Zudem sei die Kirche mehr als 200 Jahre lang Grablege der Herzöge von Berg gewesen.

Bauwerk war immer wieder von äußeren Einflüssen bedroht

Und immer wieder war das Bauwerk von äußeren Einflüssen bedroht:1758 etwa, als im Siebenjährigen Krieg (1756-1763) preußisch-hannoversche Truppen die Stadt belagerten und am 29. Juni beschossen. „Die Schäden, die die katholische Hauptkirche davontrug, waren erheblich. Das Dach wurde durch zahlreiche Kanonenkugeln stark beschädigt, eine weitere Kugel zerschlug das Chorgewölbe, prallte auf den Boden und ruinierte explodierend das Chorgestühl. Alle Fenstergingen zu Bruch“, zählt der Stadtarchivar auf, „die Beschädigungen konnten jedoch recht zügig beseitigt werden.“

Das ist alles sehr interessant, aber von einer verdrehten Turmspitze gibt es bisher noch keine Spur. Doch am 11. Januar 1815 schlug der Blitz in die Kirche ein. „Düsseldorf verfügte zu dieser Zeit noch nicht über eine schlagkräftige Berufsfeuerwehr, zudem gestaltete es ich schwierig, den Ort des Brandes mit Wasser zu erreichen“, schildert Benedikt Mauer die Problematik. Schlossermeister Josef Wimmer wusste jedoch Rat: Er kletterte auf den Turm, schlug brennende Balken und Sparren ab und verhinderte so den Einsturz des gesamten Turmhelms und das Übergreifen der Flammen auf das Kirchenschiff. „Flüssiges Blei tropfte herab, lief auf seinen bis heute erhaltenen Hut und verletzte ihn so schwer, dass er seinem Beruf nicht mehr nachgehen konnte“, erzählt der Stadtarchivar die dramatische Geschichte weiter.

Gewicht der Spitze könnte zu hoch gewesen sein

Erneut machten sich die Düsseldorfer daran, den Turm aufzubauen. Und dabei kam es irgendwann eben auch zu der verdrehten Spitze: „Immer wieder wird kolportiert, dass das beim Wiederaufbauverwendete Holz feucht gewesen sei und so die charakteristische Drehung des Turmhelms zu erklären wäre“, sagt Mauer, der diese Erklärung jedoch nicht schlüssig findet: Bauzeichnungen legten, anders als idealisierende Stadtansichten, nahe, dass der Turm noch in den 1850er-Jahren keine Verdrehung habe erkennen lassen. „Eine weitere Erklärung wäre ein zu hohes Gewicht der durch Architekt Vagedes realisierten Turmspitze“, fährt der Chef des Stadtarchivs fort und ergänzt: „Eine dritte Variante, nach der dies absichtlich geschehen sei, um die am Niederrhein häufig starken Winde geschickt um den Turmhelm herum zu lenken, konnte nicht belegt werden.“

Eine religiös konnotierte Erklärung gebe es natürlich auch noch, fügt Mauer schmunzelnd hinzu. Und die geht so: Der Teufel sei wütend darüber gewesen, dass die Düsseldorfer kein Kölsch, sondern Alt trinken, und habe deshalb die Turmspitze verdreht. Augenzwinkernd schließt Mauer mit den Worten: „Was dann selbstverständlich eine weitere Frage aufwirft: Warum mag der Teufel Kölsch?“

Das Buch „Düsseldorfer Geheimnisse – Spannendes aus der Rheinmetropole mit Kennern der Stadtgeschichte“ gibt es für 16,90 Euro im örtlichen Buchhandel (ISBN 978-3-946581-61-1), unter www.bast-medien.de/shop oder ab Montag zum Sonderpreis für NRZ-Abonnenten bei der NRZ-Redaktion, Immermannstraße 40, 0211/16708-40 (nur solange der Vorrat reicht).

Der Turm von St. Lambertus mit der verdrehten Spitze steht am Stiftsplatz 7 in der Altstadt

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