Historie

Heinrich-Heine-Uni entwickelt digitalen Geschichtsführer

So sieht die App aus: Die gestrichelte Linie markiert die Strecke der Führung, der blaue Pfeil den Nutzer.

So sieht die App aus: Die gestrichelte Linie markiert die Strecke der Führung, der blaue Pfeil den Nutzer.

Foto: Philipp Rose

Düsseldorf.  Eine App der HHU bietet historische Stadtführungen durch die Zeit des NS-Regimes in Düsseldorf. In Zukunft sollen weitere Themen folgen.

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Mit einem neuen Projekt bringen Studierende der Heinrich-Heine-Universität (HHU) digitale Stolpersteine aufs Smartphone. Statt bronzener Quadrate auf den Gehwegen können Geschichtsinteressierte ab dem 11. Juli eine interaktive Karte auf ihrem Handy nutzen, um sich über historische Orte zu informieren – das Gerät führt anhand einer vorgefertigten Strecke durch die Stadt. Das Projekt entstand in Zusammenarbeit mit der Düsseldorfer Mahn- und Gedenkstätte – im Fokus der digitalen Stadtführung steht – fürs Erste – die Zeit des Nationalsozialismus in Düsseldorf.

App soll zukünftig um weitere Themen ergänzt werden

„Mit der ‘HistoriaApp by Heinrich-Heine-Universität’ möchten wir historische Orte in Düsseldorf aufzeigen und durch die Aura und Authentizität des Schauplatzes die dahinterliegenden – oftmals abstrakten – geschichtlichen Zusammenhänge vermitteln“, sagt Jan Niko Kirschbaum, Wissenschaftlicher Mitarbeiter der HHU. Eine spannende Zeitreise aus einer anderen Perspektive soll es werden, ergänzt der Ideengeber der App für das Smartphone.

Elf Strecken mit knapp 90 Orten stehen zur Verfügung

Nutzer haben die Möglichkeit, zwischen elf verschiedenen Strecken durch die Stadt zu wählen – etwa 90 historische Orte samt Erklärungen sind derzeit integriert. Eine Führung ist knapp ein bis zwei Kilometer lang und dauert rund eine Stunde. Anhand einer vorgezeichneten Linie auf der Karte werden auch ortsunkundigeMenschen sicher an die Plätze des Geschehens geführt. Gut recherchierte Texte, die von den Studierenden der HHU geschrieben wurden, geben Informationen zu den einzelnen Schauplätzen – historische Bilder ergänzen die digitale Tour.

Auf der Strecke vom Haus der Universität am Schadowplatz bis zum Rathaus wartet ein Zwischenstopp an der Statue des Musikers Felix Mendelssohn Bartholdy. In der Stadt am Rhein machte der Dirigent und Komponist im frühen 19. Jahrhundert oft Halt – in Düsseldorf hatte er zwischenzeitlich das Amt des städtischen Generalmusikdirektors inne. Nach der Machtübernahme der Nazis wurde die Gedenkstatue Mendelssohns, aufgrund seiner jüdischen Herkunft 1936 zerstört – erst 2012 wurde eine neue Statue des Musikers errichtet.

Vom Hofgarten aus führt die App weiter zum Rathaus. „Dort wurde 1933 die Stadtspitze gewechselt. Die Machtergreifung der Nationalsozialisten und die Gleichschaltung der Gesellschaft und Politik lässt sich auch anhand der Düsseldorfer Geschichte gut nachvollziehen“, sagt Andrea Kramp von der Mahn- und Gedenkstätte.

Die Einrichtung half bei der Entwicklung der App und lieferte den Studierenden zahlreiche Quellen, Bilder und sogar Kontakte zu Zeitzeugen. Für die Geschichtsstudenten, die das Projekt über zwei Semester entwickelten, bedeutet das Programm mehr als nur einen Stadtrundgang – denn der Beitrag zur Entwicklung fließt in die Benotung ein.

App-Entwicklung kostete 9000 Euro

Geht es nach Jan Niko Kirschbaum, ist mit Erscheinen des digitalen Geschichtsführers nächste Woche das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht. Denn durch die offene Schnittstelle des Programms soll die App kontinuierlich erweitert werden. Geplant sind unter anderem Audio- und Videoinformationen zu einzelnen Schauplätzen. Darüber hinaus soll die App noch weitere Geschichtsepochen aufgreifen. Möglich seien auch etwa Rundgänge zur Kunstgeschichte und Architektur. „Spannend wird es dann, wenn die App Orte anzeigt, an denen sich mehrere Geschichtsebenen überlappen. Wir möchten dauerhaft keine App mit nur einem Thema haben“, so Kirschbaum.

Die Entwicklung des Programms kostete 9000 Euro und wurde durch einen Fonds der Uni gefördert. Die HistoriaApp by Heinrich-Heine-Universität steht ab Dienstag, 11. Juli, im Google-Shop für Android kostenlos zur Verfügung. Eine Version für Apple-Geräte kommt später.

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