Stadtteilserie

Henkel: Von der Waschmittelfabrik zum globalen Konzern

Ein Blick auf das Werk in Holthausen um 1927. Die Schornsteine qualmen, es herrscht rege Betriebsamkeit.

Foto: Oedekoven/Henkel

Ein Blick auf das Werk in Holthausen um 1927. Die Schornsteine qualmen, es herrscht rege Betriebsamkeit. Foto: Oedekoven/Henkel

Düsseldorf-Holthausen.   Standort Düsseldorf-Holthausen bedeutet für Henkel: Konzernzentrale und weltweit größter Produktionsstandort.

Henkel ist in Düsseldorf nicht zu übersehen: Wer sich Düsseldorf auf der Autobahn von Süden nähert, sieht das Henkel-Logo von weitem über der Stadt leuchten. Düsseldorf ist nicht nur die Konzernzentrale, sondern auch der größte Produktionsstandort von Henkel weltweit. Hier arbeiten täglich mehr als 5900 Henkel-Mitarbeiter aus 60 Nationen; hinzu kommen Mitarbeiter der BASF und anderen Unternehmen, die am Standort ansässig sind. Aus dem Henkel-Werk ist längst ein Industriepark geworden, in dem täglich etwa 1000 Menschen arbeiten.

Der Aufstieg

Bereits seit 1899 hat Henkel seinen Firmensitz in Düsseldorf. Damals zog Fritz Henkel mit seinem Unternehmen an den Stadtrand, um mehr Platz und gute Verkehrsanbindungen für sein expandierendes Unternehmen zu haben. Schnell zeigte sich, wie vorausschauend die Entscheidung des Firmengründers war. Heute umfasst die Werksfläche 1,4 Quadratkilometer und macht somit ein Viertel des Stadtteils Holthausen aus. Pro Jahr kommen etwa 120 000 Besucher in die Zentrale von Henkel – das sind so viele, wie in einer kleineren Großstadt leben.

Noch weit höher ist die Zahl der produzierten Pritt-Stifte: Jährlich werden rund 100 Millionen Stück am Standort hergestellt. Das sind pro Tag bis zu 350 000 Klebestifte, die in rund 30 Länder in aller Welt verschickt werden – nach Europa, Afrika bis nach Japan, Australien oder Neuseeland.

Egal ob in Flugzeugen, Autos, Mobiltelefonen oder Etiketten – viele Dinge des täglichen Lebens werden mit Henkel-Klebstoffen zusammengehalten. Wussten Sie, dass Henkel der weltgrößte Hersteller von Klebstoffen ist? Am Standort Düsseldorf produziert der Unternehmensbereich Adhesive Technologies neben Pritt weitere Konsumentenklebstoffe wie Ponal, Metylan und Pattex sowie Industrieklebstoffe wie Loctite und Technomelt.

Damit fing alles an

Ein wichtiger Eckpfeiler für das Wachstum des Unternehmens sind seit jeher Waschmittel: Denn die Geschichte von Persil, das seit seiner Markteinführung 1907 in Düsseldorf produziert wird, ist untrennbar mit der Geschichte von Henkel verbunden. Noch heute ist Düsseldorf der größte Produktionsstandort für Wasch- und Reinigungsmittel weltweit. Hergestellt werden alle Varianten – von Megapearls, Pulver bis Flüssigprodukte. Seit 2012 werden auch die bekannten Somat-Tabs in Düsseldorf produziert – und das mit der modernsten Technologie weltweit: Die Tabs werden in so hoher Geschwindigkeit hergestellt, dass sie mit bloßem Auge nicht mehr zu erkennen sind.

Das zentrale Hochregallager für den Unternehmensbereich Laundry & Home Care, 2014 direkt neben der Produktion eröffnet, um Transportkilometer und CO2-Emissionen zu sparen, ist Henkels größtes automatisches Hochregallager weltweit. Auf zehn Ebenen und einer Grundfläche von rund drei Fußballfeldern nimmt es mehr als 200 000 Paletten mit 53 Millionen Wasch- und Reinigungsmittelpaketen auf.

Die großen Investitionen

Henkel hat mittlerweile 71 Millionen Euro in das vollautomatische Lager investiert. Doch das ist nur ein Investment von vielen. Im Schnitt investierte Henkel in den vergangenen Jahren jährlich etwa 100 Millionen Euro in die Modernisierung und den Ausbau des Heimatstandorts – ein klares Bekenntnis zum Standort Düsseldorf.

Einer der grundlegenden Werte von Henkel ist die Kundenorientierung. 2012 wurde das Kundenzentrum „Lighthouse“ als Attraktion und zentrale Anlaufstelle für die globalen Handelskunden von Henkel Beauty Care, bekannt für Marken wie Schwarzkopf und Syoss, eröffnet. Auf 1000 Quadratmetern werden an sechs Stationen die Themen Innovation, Digitale Beratung, Point-of-Sale-Marketing, Forschung & Entwicklung, Rezepturen und Nachhaltigkeit interaktiv präsentiert. Kunden können zum Beispiel selbst Innovationen testen, virtuell Ladenregale befüllen und innovative Beratungstools, wie digitale Tests von Haarcolorationen, ausprobieren.

2015 hat der Bereich Laundry & Home Care das „Global Experience Center“ eröffnet, ein 700 Quadratmeter großes Zentrum für die Zusammenarbeit und den Austausch mit Kunden. An 14 Stationen werden Ideen ausgetauscht, Kompetenzen und neuen Konzepte aus der Welt der Wasch- und Reinigungsmittel präsentiert – von Produktinnovationen über Digitalisierung und Nachhaltigkeit bis zum Shopper Marketing. Die interaktiven Stationen erlauben es auch, Produkte selbst zu entwickeln und zu testen.

Ein moderner Industriepark

Aus der kleinen Waschmittelfabrik, die Ende des 19. Jahrhunderts gegründet wurde, ist heute ein globaler Konzern mit rund 18,7 Milliarden Euro Umsatz geworden. Und aus dem Standort Düsseldorf ein moderner Industriepark: Neben Henkel sind hier Unternehmen wie die BASF und KLK Emmerich ansässig; rund 10 000 Mitarbeiter, davon etwa 5900 „Henkelaner“, arbeiten hier.

Ein eigener Fuhrpark, mit immer mehr Elektrofahrzeugen und -ladestationen, Restaurants, Kindergärten, Ärzte, ein Sicherheitsdienst – der Standort weist Merkmale einer kleinen Stadt mit eigenem Dienstleistungsangebot auf. Dazu gehörte schon früh ein gastronomisches Angebot: Bereits 1915 ließ der Firmengründer Fritz Henkel auf dem Firmengelände eine Werksküche einrichten; die Henkel-Gastronomie blickt also auf eine mehr als hundertjährige Tradition zurück. Heute haben die Mitarbeiter die Wahl unter vier Betriebsrestaurants, betrieben von 80 Mitarbeitern. Jährlich versorgt die Henkel-Gastronomie rund 1,7 Millionen Gäste und produziert 1,1 Millionen Mittagessen. Es gibt ein vegetarisches und veganes Angebot, Kaffee und Tee stammen aus fairem Handel. Zusatzstoffe, Nährwerte und Allergene werden ausgewiesen und eine Ernährungsempfehlung mit einem Ampelsystem hilft den Mitarbeitern, sich gesund zu ernähren.

Von Löwen und Waschbären

Ebenfalls Tradition hat die qualifizierte Betreuung der Mitarbeiterkinder. Den ersten Werkskindergarten richtete Henkel 1940 ein. Eine zweite Kindertagesstätte, „Kleine Löwen“, kam 2008 hinzu, 2013 ergänzt von der Tagesstätte „Die Waschbären“. Denn wer die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ernst meint, muss dafür sorgen, dass Mütter und Väter schnell in ihren Beruf zurückkehren können – wenn sie denn wollen. Insgesamt stehen den Henkel-Mitarbeitern 240 Betreuungsplätze zur Verfügung, für Kinder im Alter von vier Monaten bis sechs Jahren.

Doch der Standort hat noch mehr zu bieten: Hugo Henkel, Sohn des Firmengründers Fritz Henkel, ließ 1910 eine Krankenstube einrichten, in der sich Krankenschwestern um die Gesundheit der Mitarbeiter kümmerten. Heute ist daraus eine Ambulanz mit 21 Ärzten und Assistenten geworden. Neben der arbeitsmedizinischen Betreuung gibt es Angebote zur Gesundheitsförderung: Impfungen, regelmäßige Gesundheitsaktionen zu Themen wie Diabetes, Herzinfarkt oder Krebsvorsorge, aber auch Programme zur psychischen Gesundheit.

Auch die Abteilung „Soziale Dienste“ unterstützt Mitarbeiter bei besonderen Herausforderungen. Hier erfahren die Mitarbeiter absolut vertrauliche psychosoziale Beratung und konkrete Hilfe in allen Fällen psychischer Belastungen in der Familie, im Beruf, bei Erkrankungen oder finanziellen Problemen.

Nachhaltigkeit als wichtiges Thema

Ein weiteres wichtiges Thema ist Nachhaltigkeit. Am Standort Düsseldorf betreibt Henkel ein eigenes, hocheffizientes Kraftwerk. Dank der Kraft-Wärme-Kopplung hat dieses einen doppelt so hohen Wirkungsgrad und nur halb so viele CO2-Emissionen wie ein übliches Versorger-Kraftwerk. Das Kraftwerkt liefert Energie, Wasser sowie technische Gase und könnte mit den erzeugten Strom- und Wärmemengen eine 100 000-Einwohner-Stadt versorgen.

Wo fast 10 000 Mitarbeiter, tausend Handwerker, jährlich 120 000 Besucher sowie täglich 450 Lkw aufeinandertreffen und es um vertrauliche Geschäftsunterlagen und Forschungsergebnisse geht, ist Sicherheit besonders wichtig. Und damit der Werkschutz. Seine Aufgabenbeschreibung liest sich fast wie die der Polizei: Der Verkehr muss geregelt und die Einhaltung von Geschwindigkeitsbegrenzungen und Parkverboten kontrolliert werden. Objekte müssen geschützt, Ausweise ausgegeben und geprüft werden. Der Besucherempfang an sechs Werkstoren, Warenkontrolle, Schließanlagenservice, aber auch die Sicherung von internen und externen Veranstaltungen gehören ebenso zu den Aufgaben des Werkschutzes.

Sicherheit am Standort

Eine genauso große Bedeutung für die Sicherheit am Standort hat die Werkfeuerwehr. Bestens ausgebildet muss sie den Vergleich mit anderen Berufsfeuerwehren nicht scheuen. Im Gegenteil – sie verfügt über Spezialkenntnisse und -ausrüstung für Chemie- und Industrieunfälle und hilft deshalb auch häufig außerhalb des Werksgeländes im Düsseldorfer Stadtgebiet aus. Zudem arbeitet sie bei Rettungseinsätzen eng mit dem Werksärztlichen Dienst zusammen. Denn Sicherheit hat für die Mitarbeiter und Besucher in der „Henkel-Stadt“ absolute Priorität.

Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik