Auf Schulweg

Heroinspritzen entsorgt: Düsseldorfer Politik sucht Lösungen

Einer von zahlreichen Gullis an der Charlottenstraße, in denen Heroinspritzen entsorgt werden. Kinder können diese einfach aus dem Gulli ziehen.

Einer von zahlreichen Gullis an der Charlottenstraße, in denen Heroinspritzen entsorgt werden. Kinder können diese einfach aus dem Gulli ziehen.

Foto: Philipp Rose

Düsseldorf.   Auf Spielplätzen und in Kanalöffnungen wurden zahlreiche Nadeln gefunden. Die Drogenhilfe arbeitet deshalb an einem Sammelprojekt.

Nachdem vor einer Woche dutzende Heroinspritzen auf dem Schulweg an der Charlottenstraße entdeckt wurden und die Stadt versprochen hatte, diese „schnellstmöglich“ zu entfernen hat sich bisher noch nichts getan. Immer noch ragen die Spritzen aus mehreren Auffangbehältern der Kanäle an der Charlottenstraße und stellen dadurch eine Gefahr für Kinder und Fußgänger dar. Auf Nachfrage unserer Redaktion bestätigt nun die Stadt ihre Bemühungen, die Spritzen entfernen zu wollen: „Die Mitarbeiter der Stadtentwässerung haben sich der Sache angenommen, konnten die Kanäle aber noch nicht reinigen, weil Autos den Zugang blockieren. Mittlerweile wurde dort ein Halteverbotsschild aufgestellt“, sagt Stadtsprecher Wolfgang Röhl.

Die Gegend um den Hauptbahnhof ist ein Brennpunkt

Dass die Gegend um die Immermannstraße als Brennpunkt gilt, da dort Dealer, Fixer und Straßenprostitution aufeinander treffen, ist stadtbekannt. Immer wieder werden dort benutzte Heroinspritzen, die Viren übertragen können, gefunden: „Vor zwei Wochen hatte ich zuletzt gehört, dass an den Wegen einige Spritzen gefunden wurden. Mehrere Spritzen wurden außerdem auf dem Spielplatz direkt an der Klosterstraße aufgesammelt“, sagt Bezirksbürgermeisterin Marina Spillner (SPD).

Vor einigen Monaten hatte sich die Lage im Brennpunkt eigentlich beruhigt, so Spillner. „Doch jetzt ist eine weitere Säuberungsaktion nochmal notwendig“. Dass auch der Spielplatz mittlerweile Anlaufstelle für Suchtkranke sei, könne einen Grund haben: „Nach einem Wasserschaden an der angrenzenden Schule wurde der Unterricht teilweise ausgelagert, so dass kaum noch Kinder den Spielplatz nutzten und sich Junkies dort vermehrt aufhalten“, sagt die Bezirksbürgermeisterin. Sie schlägt daher den Einsatz von mehr Streetworkern und eine Aufstellung von Spritzenboxen vor, in denen gebrauchte Kanülen entsorgt werden können.

Drogenhilfe arbeitet an Sammelprojekt

Auch über einen so genannten Drogenkonsumraum, in dem unter hygienischen und kontrollierten Bedingungen konsumiert wird, könne nachgedacht werden. Doch gäbe es dabei meist Widerstand von Seiten der Anwohner, gibt Spillner zu Bedenken. Auch Michael Harbaum, Leiter der Düsseldorfer Drogenhilfe, spricht sich für mehr Maßnahmen aus: „Ein weiterer Drogenkonsumraum in Düsseldorf wäre definitiv hilfreich“, sagt er. Derzeit sammeln Mitarbeitende der Drogenhilfe im direkten Umfeld der Einrichtung bereits wochentags Spritzen auf. „Diese „Sammelrunde“ beschränkt sich aber auf einen gewissen Radius um unseren Standpunkt Erkrather Straße 18 herum. Im Jahr werden so um die 1600 Spritzen aus dem öffentlichen Raum entsorgt“, sagt Harbaum. Weitere Konzepte zur Spritzenentsorgung wären daher sinnvoll: „Das angestrebte Sammelprojekt ist so konzipiert, dass Süchtige unter Anleitung bestimmte Plätze aufsuchen und dort Spritzen und Müll entsorgen. Hierfür haben wir leider noch keine Finanzierung gefunden“, so Harbaum.

Die Charlottenstraße ist aber nicht nur für ihre Fixerszene, sondern auch als Drogenverkaufsplatz bekannt. Vor allem im U-Bahnhof Oststraße wird regelmäßig mit Heroin gedealt: „Wir zeigen dort regelmäßig Präsenz, sind mit Zivilpolizisten vor Ort und fahren den Bahnhof ein bis zweimal die Woche an“, so Polizeisprecherin Anja Kynast. Mehrere Festnahmen habe es dort bereits gegeben.

Konsum von der Straße holen – ein Kommentar von Philipp Rose

Benutzte Spritzen, die tagelang an Gehwegen und auf Spielplätzen liegen, sind das Zeichen einer verfehlten Drogenpolitik. Suchterkrankte sind Teil des Großstadtlebens, das darf nicht ausgeblendet werden. Wichtig ist daher, wie wir als Gesellschaft damit umgehen wollen. In Düsseldorf scheint man die Augen lieber zu verschließen: Trotz voller Kassen fehlt Einrichtungen das Geld für sinnvolle Projekte, und ein ausgereiftes Konzept für den Brennpunkt rund um den Hauptbahnhof scheint es auch nicht zu geben.

Ich kann Leute verstehen, die keine Drogenhilfe in der Nachbarschaft wollen. Dann dürfen sie sich aber nicht wundern, wenn Nachbarschaftskinder mit Spritzen im Sandkasten spielen. Ein weiterer Ort für sauberen und kontrollierten Konsum ist daher der richtige Weg.

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