Straßenserie

Hier lebt das Düsseldorfer Klischee

Das Oberkassel-Klischee voll bedient: Die Edel-Karosse vor der Edel-Gastronomie...

Das Oberkassel-Klischee voll bedient: Die Edel-Karosse vor der Edel-Gastronomie...

Foto: Ingo Lammert

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Düsseldorf. Oberkassel ist in großen Teilen das, was sich Auswärtige unter dem Klischee von Düsseldorf vorstellen: Wohlhabend, traditionell, vielleicht auch etwas abgehoben. Weiße Häuser im Jugendstil mit Blick auf den Rhein, Platanen-Alleen und Geschäfte im oberen Preissegment prägen das Bild dieses Stadtteils.

Eine der Lebensadern von Oberkassel ist die Luegallee. Die Straße, nur etwa einen Kilometer lang, verbindet die Oberkassler Brücke und so die rechtsrheinischen Stadtteile mit dem Zentrum von Oberkassel um den Belsenplatz. Entlang dieser Straße findet sich ein breites Angebot an Geschäften, hauptsächlich im gehobenen mittleren und unteren Preissegment. Neben den typischen Nahversorgern wie Bäcker, Metzger und Apotheke gibt es auch Wein- und Pelzläden sowie Immobilienmakler – zum großen Teil inhabergeführt. Auf der Luegallee bleibt man seinem Image und seiner Kundschaft treu. „Auf der Luegallee gibt es keine Billigläden, das ist gut so, und das soll auch so bleiben“, sagt Manfred Simon von der Interessensgemeinschaft „Wir in Oberkassel“.

Benannt ist die Luegallee nach dem Düsseldorfer Industriellen Heinrich Lueg, geboren 1840. Der Maschinenbau-Unternehmer und Geheimrat der Stadt erlebte die Einweihung der nach ihm benannten Straße 1909 mit, er starb acht Jahre später und liegt auf dem Nordfriedhof begraben.

Gegen Ende des zweiten Weltkriegs, am 3. März 1945, wurde Oberkassel von amerikanischen Panzertruppen besetzt, die Deutschen zogen sich auf die rechte Uferseite zurück und zerstörten sämtliche Verbindungen, auch die damals als Skagerrak-Brücke bekannte Oberkassler Brücke. Somit wurde der Fluss zur Frontlinie, über die sieben Wochen lang hefige Schusswechsel ausgetauscht wurden. Mangels schwerer Munition auf Seiten der deutschen Truppen blieben die Gebäude in Oberkassel jedoch größtenteils unbeschädigt, allerdings starben allein linksrheinisch 200 Menschen.

Altbauten bestimmen das Bild

Daher sieht man heute auf der Luegallee, in den Seitenstraßen und am Rheinufer noch über weite Strecken die Altbauten, die in den rechtsrheinischen Stadtteilen großteils dem Krieg zum Opfer gefallen sind. Auch daher stammt das gehobene Klientel, welches sich vor allem in den letzten Jahrzehnten in Oberkassel angesiedelt hat – darunter auch ein selbst für Düsseldorf hoher Anteil japansicher Einwohner. Mit einem jährlichen Durchschnittseikommen von mehr als 75 000 Euro gehört Oberkassel auch zu den reichsten Stadtteilen Düsseldorfs.

Das Rheinufer an der Luegallee ist einmal im Jahr Standort einer der größten Attraktionen der Stadt: Im Juli steigt hier die Größte Kirmes am Rhein. Offiziell zu Ehren des Stadtpatrons St. Apollinaris abgehalten lockt sie jedes Jahr durchschnittlich vier Millionen Besucher zu Achterbahn, Pony-Reiten und gebrannten Mandeln. Damit ist die Luegallee Schauplatz des dritt-größten Volksfests Deutschlands nach Oktoberfest und dem Cannstatter Wasen in Stuttgart.

Traurige Medienpräsens erlangte die Luegallee im Jahr 2005 durch den schweren Unfall einer damals 11jährige Schülerin von einer Straßenbahn erfasst wurde. Das Mädchen verletzte sich so schwer, dass ihr ein Bein amputiert werden musste. In Folge dieses Unfalls wurde die Haltestelle Luegallee, einer der wichtigsten linksrheinischen Nahverkehrsknoten, für mehr Sicherheit umgestaltet.

Der Reputation der Straße hat diese Tragödie nicht geschadet.

Die Luegallee gehört zu den gesündesten Einkaufsmeilen in Düsseldorf, es gibt kaum Leerstände. Aktuell entwickelt sich östlich der Luegallee mit dem Belsenpark ein neues Wohn- und Geschäftsquartier. Dies könnte der Luegallee in Zukunft weitere Möglichkeiten eröffnen, ihr aber auch das Wasser abgraben. „Die Entwicklung bleibt abzuwarten“, sagt Manfred Simon.

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