Planung

„Hier wird ein Lebenswerk zerstört“

Der Künstler Wolfgang Robbe in seinem Atelier.

Foto: WAZ FotoPool

Der Künstler Wolfgang Robbe in seinem Atelier. Foto: WAZ FotoPool

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Düsseldorf.  Der Künstler Wolfgang Robbe kann die Welt nicht mehr verstehen. Seit 30 Jahren ist er Mieter im Bunker an der Reusrather Straße in Wersten. Hier befindet sich sein Atelier, 70 000 Euro hat er damals in die Renovierung gesteckt. Und jetzt das. Seit Mittwoch regnet es hinein, gestern floss das Wasser laut Robbe in Strömen. Einige Werke sind zerstört, darunter eine große Arbeit im Wert von 30 000 Euro. Dahinter steht ein Mietstreit. 1984 pachtete Robbe die Räume von der Stadt, mittlerweile wurden Düsseldorfs Bunker verkauft; aktuell kümmert sich die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben um die Veräußerung der Beton-Riesen. Konsequenz für Robbe und seinen Kollegen: Sie müssen raus. Doch bevor der erste Umzugskarton gepackt ist, haben Dachdecker nun begonnen, die Ziegel abzutragen. Der Künstler fühlt sich verschaukelt und bangt um seine Existenz. Bürger gegen Bürokratie. Eine Bilanz.

Der Künstler, ehemaliger Düsseldorfer Förderpreisträger, hat einen Anwalt eingeschaltet. Seine Situation ist in der Tat vertrackt. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben hatte der Stadt den Werstener Bunker zum 30. September vorigen Jahres gekündigt - Robbe und sein Kollege fungieren jedoch als Untermieter und haben ihrerseits einen Vertrag mit der Stadt. Im Sommer lag Robbe obendrein im Krankenhaus und konnte gar nicht umziehen. Er einigte sich mit der Stadt auf ein Bleiberecht bis Mitte März. Das wiederum erkennt die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben nicht an. Sie drängt auf den prompten Auszug.

„Das sind Mafia-Methoden“

Robbe sieht sich zerrieben zwischen Ämtern, Verträgen und Zuständigkeiten. Er hat sich auf einen Auszug in sechs Wochen eingestellt. Vor einigen Tagen jedoch hätte man mit einem Mal begonnen, das Dach abzudecken. Die darunter liegende Schale ist porös, so dass es durch die Decke in die Räume tropft. „Wir hatten uns doch auf März geeinigt“, sagt Robbe hilflos. „So kann man doch mit Menschen nicht umgehen. Die nehmen in Kauf, dass das Lebenswerk von Künstlern zerstört wird.“ Betroffen seien auch das Fotoarchiv, teure Kameras, Scanner und Computeranlagen. Robbe klingt fassungslos. „Für mich sind das Mafia-Methoden.“

Norbert Stahl, zuständig in der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, hält dagegen. Er klingt genervt. Der vertragliche Auszugstermin Ende September sei verstrichen, man habe Toleranz bewiesen und bis jetzt gewartet. Nun gibt es einen Kaufinteressenten, muss der Bunker saniert werden. Täglich investiere man mehrere tausend Euro in ein Gerüst, das das marode Dach abstütze. Die Arbeiten seien notwendig, da herabfallende Ziegel Fußgänger gefährden könnten, „der Bunker liegt an einem Gehweg, der zu einem Kindergarten führt.“

Hans-Jürgen Bolz ist als Rechtsanwalt mit der Angelegenheit beauftragt. Sammler ist er auch und besitzt einige Arbeiten des Künstlers. Er widerspricht. Eine Gefahr habe zu keiner Zeit bestanden, „da fallen keine Platten herunter, garantiert. Die erzählen das seit zwei Jahren.“ Als Schutz für die Fußgänger reiche ein Zaun. Bolz hat mit Robbe eine Mietverlängerung erstritten. Jetzt droht er mit einer einstweiligen Verfügung: Das Bundesamt soll die Dacharbeiten sofort stoppen.

Nobert Stahl ist das egal. Er hat die Dachdecker beauftragt, die poröse Dachschicht „notdürftig zu verschließen“. Ansonsten bitter er um einen zügigen Auszug.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Auch interessant
Leserkommentare (1) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik