Stadtplanung

Hofgarten: Nicht zerschneiden!

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Mit der Tunnellösung und der oberirdischen Bahntrasse am Hofgarten und Kö-Bogen ist der Düsseldorfer Architekten- und Ingenieur-Verein (AIV) nicht einverstanden.

Die Vereinigung, die 300 Bauplaner, Techniker, Denkmalpfleger und Projektentwickler vertritt, hat fünf konkrete Schönheitskorrekturen von teils erheblicher Tragweite beim Stadtplanungsamt eingereicht:

1. Der Tunnel, der anstelle des Tausendfüßlers zum Verkehrsverteiler wird, soll nach Norden verlängert werden, damit der Hofgarten nicht durchschnitten wird.

2. Die südliche Tunnelausfahrt soll direkt in der Berliner Allee münden, damit die Einkaufszone Schadowstraße nicht unter „unzumutbaren Lärmbelästigungen“ leidet.

3. Aus der Johanneskirche und dem frisch renovierten Justizministerium soll eine städtebauliche Einheit mit einem schönen Platz werden.

4. Der Hofgarten soll gemäß den Ursprungsplänen des Gartenarchitekten Weyhe zu einer Einheit werden. Teile der jetzigen Kö-Bogen-Planung widersprechen“ dem Weyhe-Konzept, so der AIV.

5. Der Gründgens-Platz vor dem Schauspielhaus ist weder jetzt noch in Zukunft gut mit der Schadowstraße verbunden; ein städtebaulicher Wettbewerb soll neue Ideen bringen.

„Ein Bahndamm“

Professor Thomas Fürst, Vorsitzender des Expertenkreises, betonte, man wolle konstruktive Kritik zur aktuellen Planung leisten, „um falsche Weichenstellungen zu verhindern“. Der Verein sieht sich dazu berufen, weil er es war, der im Oktober 2001 überhaupt erst den Anstoß zum späteren Kö-Bogen-Projekt gegeben hatte. Entscheidender Maßstab sei für sie „die stadtprägende Planung“ von Maximilian Weyhe (1775-1846).

„Dringlich“ sei deshalb ein Hofgarten-Konzept, sagte Fürst. Dringlich sei auch die Planung der Schadowstraße und der Abriss des Tausendfüßlers, der für kreative Gestaltung sorge. Bei der Schnittstelle von Kö und Hofgarten fehlen den Düsseldorfer Architekten Details der städtischen Planung, um den Übergang zu beurteilen. Dass (vom heutigen Jan-Wellem-Platz in Richtung Norden) „ein Bahndamm“ den Hofgarten weiterhin zerteilt, „kann nicht sein“, so Fürst.

Die Bauten des Stararchitekten Daniel Libeskind werden als „erste Ausrufezeichen“ zu den Stärken der Innenstadtplanung gezählt. Die städtischen Chefplaner Bonin und Erben seien „Partner, mit denen man arbeiten kann“ - der AIV sucht keine frontale Gegenposition, hat aber doch etliche Pfeile im Köcher.

„Abgeschnitten“

So empfinden Fürst und Co. das Fehlen einer übergeordneten City-Planung als Handicap. Das Kö- Bogen-Projekt sei zu kleinräumig angelegt; daher drohe das Tunnelstück zu kurz zu geraten; historische Bezüge zu Schloss Jägerhof und dem Malkasten-Areal fehlten ebenso wie eine Perspektive für das Steigenberger Parkhotel und eben eine bessere Alternative für die Johanneskirche, anstatt sie auf einer „Verkehrsinsel“ weiter umtosen zu lassen.

Schließlich die Schadowstraße: Auch hier passen die Schnittstellen nach Ansicht der Architekten nicht gut aufeinander. So werde der Platz am Schauspielhaus „abgeschnitten“, als Einkaufsstraße bleibe die Schadowstraße nur „lückenhaft“, während die geplante Bebauung nördlich davon zu dicht sei und „keine sinnvolle Wohnnutzung“ zulasse.

Alles im allem: Fachkritik in Serie, die es in sich hat.

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