Stadtteilserie

Holthausener Einrichtung ist ein Treff der Kulturen

Awo-Familientreff

Foto: Lidia Polito

Awo-Familientreff Foto: Lidia Polito

Düsseldorf.   Der Awo-Familientreff an der Geeststraße bietet mehr als nur Deutschkurse. Leiterin Beate Lüke würde gern noch viel mehr machen.

Was ist der Unterschied zwischen „günstig“ und „billig“? Acht Frauen beugen sich über einen Zettel, der einen Ausflug ankündigt. Sie stolpern über Wörter wie „flanieren“ oder „plaudern“, erklären sich gegenseitig die Bedeutung. Die Frauen kommen aus den unterschiedlichsten Ländern: Ukraine, Irak, Marokko. Drei Kinder laufen durch den Raum, spielen, setzen sich mal auf den Schoß ihrer Mama, aber wenn sie zu laut sind, müssen sie raus.

„Die meisten Frauen hier haben Kinder. Es ist wichtig, dass sie hier die Möglichkeit haben, sie mitzubringen, weil sie sonst nicht herkommen können“, sagt Beate Lüke. Sie leitet den Familientreff der Awo an der Geeststraße seit einem halben Jahr.

Awo bietet einen „geschützten Raum“

Und das bedeutet: Deutschkurs geben, in der Sprechstunde die Familien bei den unterschiedlichsten Problemen zu beraten, das Wochenangebot zu koordinieren, aber auch Kaffee zu besorgen. Denn nach dem Deutschkurs geht es zum gemütlichen Teil über: Kaffe und Kuchen. Eine der Frauen hat „Harcha“ mitgebracht – einen marrokanischen Grießkuchen. Und dann machen sie das, was sie gerade noch gelernt haben: plaudern. „Hier ist ein geschützter Raum, die Frauen fühlen sich wohl und können hier andere treffen“, sagt Lüke.

Neben dem Deutschkurs gibt es auch andere Angebote, wie etwaSpielgruppen oder Ausflüge in die Stadt. „Bei vielen herrscht in den Familien noch die klassische Rollenverteilung, das macht es schwer, einfach mal rauszugehen“, sagt Lüke.

Fahrrad fahren – die Umsetzung fällt schwer

Und es gibt vieles, was sie gerne noch anbieten würde. Doch die Umsetzung fällt schwer. „Die Frauen würden zum Beispiel gerne Fahrrad fahren lernen , aber es fehlt an Personal und Geräten“, sagt sie. Unterstützung bekommt Lüke von Ehrenamtlichen, aber auch von den Frauen selbst. „Ich werde gut umsorgt, oft bekomme ich mittags ein Süppchen vorbeigebracht“, sagt Lüke. „Ich wurde hier mit offenen Armen empfangen. Man baut sehr schnell eine Beziehung zueinander auf.“

Der Treff richtet sich nicht nur an Frauen, doch oft sind sie es, die die Angebote in Anspruch nehmen. „Die Männer kommen meist nur zu den Beratungsgesprächen. Sie erledigen in der Familie Behördengänge und gehen arbeiten“, sagt Lüke. Und sie haben oft schon Deutschkurse besucht – im Gegensatz zu ihren Frauen. Darum richtet sich das Angebot stark nach ihnen. „Deutsch lernen ist schwer. Wir würden gerne Sprachtandems organisieren, aber uns fehlen dafür deutschsprachige Frauen“, sagt Lüke.

In dem Moment kommt ein Kind zum Tisch und drückt Lüke einen Kuss auf die Wange. Gleich zwei Küsse gab es hier beispielsweise auch an den riesigen Buffets während Ramadan: Cous-cous – aber auch viele weitere Spezialitäten wurden gekocht. Trotz wenig Platz und der Mini-Küche, die es hier gibt. Für Lüke macht einen schönen Ort eben vor allem eines aus: Die Menschen, die von überall hierherkommen.

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