Karneval

Hoppeditz wurde in Düsseldorf unter großem Geheule verbrannt

Schluchzend verabschiedet sich die Trauergemeinde vom Hoppeditz und damit auch von der Karnevalszeit.

Schluchzend verabschiedet sich die Trauergemeinde vom Hoppeditz und damit auch von der Karnevalszeit.

Foto: Linda Wiethaus

Düsseldorf.  Jetzt ist der Karneval endgültig vorbei: Am Mittwoch nahmen mehr als 200 Trauergäste im Düsseldorfer Stadtmuseum Abschied vom lustigen Gesellen.

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Der Hoppeditz brennt lichterloh: Gestern wurde mit der Einäscherung des Hoppeditz traditionell das Ende der Karnevalszeit eingeläutet.

Am Vormittag haben sich mehr als 200 Trauergäste in schwarzen Kostümen im Stadtmuseum in der Carlstadt versammelt, um sich von dem geliebten Jecken zu verabschieden. „Es ist ja so traurig“, schallt es einem von allen Ecken entgegen. Die Gäste tupfen sich unter den Schleiern ihrer Hüte beherzt mit weißen Taschentüchern die Tränen von den Wangen.

Karnevalslieder und große Trauer bei der Verbrennung

Punkt 11.11 Uhr beginnt die Trauerfeier im Stadtmuseum. Mitten auf der Bühne steht der Leichnam vom Hoppeditz an ein Holzbrett gelehnt. Die Jecken haben ihm seinen schönsten Anzug angezogen und ihn mit Blumen und Luftschlangen geschmückt. Helga Hesemann, Vorsitzende des Heimatvereins Weiter, begrüßt die Trauernden mit der Kapelle „Werner Bendels“.

Die Gäste stimmen zu Ehren des Hoppeditz die schönsten Karnevalslieder an. Andächtig schunkeln und klatschen sie im Takt mit. „Heute ist nicht nur Aschermittwoch sondern auch Valentinstag“, weiß Helga Hesemann, „deswegen haben wir unserem Hoppeditz rote Herz-Luftballons in die Hand gegeben.“ Mit diesen Ballons wollte er heute am Tag der Liebe eigentlich seine Liebste überraschen, aber dazu ist er leider nicht mehr gekommen. Die Gemeinde trauert im Chor um diese verpasste Chance. „Pastörken“ Ulla Groß meldet sich auch noch kurz zu Wort. Sie betet das Vaterunser und ein paar Fürbitten.

Trauerprozession zieht durch die Altstadt

Dennis Vobis, Präsident des Düsseldorfer Narrencollegiums, ist vom Tod des Hoppeditz noch immer ganz schockiert. „Das kam so plötzlich, wir haben vor kurzem erst ein Bierchen zusammen getrunken“, sagt er. Am Abend war der Hoppeditz noch in seiner Lieblingskneipe unterwegs, hat sich amüsiert und dann ist er einfach umgekippt. Doch Vobis findet, dass der Jecke trotz allem sehr friedlich aussieht, als ob er es genau so gewollt hätte.

Nach der Feier geht es mit einer kurzen Trauerprozession durch die Altstadt weiter. Die Kapelle und die Fahnenträger marschieren vorne weg. Dann wird der Hoppeditz ein letztes Mal durch die Straßen der Carlstadt getragen. Vereinzelte Fußgänger bleiben stehen oder schließen sich dem Zug an.

Im Garten des Stadtmuseums angekommen, versammeln sich die Schaulustigen im Kreis. Dennis Vobis hält eine bewegende Grabrede. Die Jecken erinnern sich bei strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel an einen großzügigen und beliebten Hoppeditz, der immer für Freude und Stimmung gesorgt hat. Anschließend wird der Tote mit Spiritus übergossen und angezündet. Ein letztes Mal rufen die Gäste ein lautes „Helau!“ und winken mit ihren Taschentüchern zum Abschied. Dann ist es vorbei.

Viele haben sich frei genommen für die Beerdigung

Monika, eine der Trauergäste, hat sich extra freigenommen. Seit fünf Jahren ist sie jedes Jahr dabei. Die Beerdigung vom Hoppeditz kann sie sich nicht entgehen lassen: „Ich muss einfach wissen, wenn er tot ist.“

Nach der Verbrennung zieht die Trauergemeinde zum Leichenschmaus und tröstenden Getränken zurück in das Stadtmuseum, um den Tag ausklingen zu lassen.

Jetzt müssen die Jecken die nächsten neun Monate ohne ihren Hoppeditz auskommen. „Die Karnevalszeit war dieses Jahr einfach zu kurz“, sagt Helga Hesemann. Aber am 11.11. um 11.11 Uhr geht es zum Glück weiter. Dann wird der Hoppeditz auferstehen und wieder Freude verbreiten. Und Karneval endet dann erst Anfang März.

Bis dahin haben Helga Hesemann und die Karnevalisten viel zu tun: „Eigentlich fangen wir jetzt schon an, für das nächste Jahr zu planen.“

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