Polizeieinsatz

Rheinbad in Düsseldorf nach Streit am Sonntag erneut geräumt

Ende eines heißen Tages im Rheinbad: Weil dort ein Streit eskalierte und mehrere Hundert Männer eine Familie umringten, rückte die Polizei am Samstag an. Das Freibad wurde für den Rest des Tages geschlossen. Am Sonntag kam es dort erneut zum Polizeieinsatz.

Ende eines heißen Tages im Rheinbad: Weil dort ein Streit eskalierte und mehrere Hundert Männer eine Familie umringten, rückte die Polizei am Samstag an. Das Freibad wurde für den Rest des Tages geschlossen. Am Sonntag kam es dort erneut zum Polizeieinsatz.

Foto: Gerhard Berger / dpa

Düsseldorf.   Wegen aggressiver Badegäste ist das Rheinbad in Düsseldorf am Wochenende zweimal geräumt worden. Aggressoren jeweils aus gleicher Gruppe.

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Nach einem Großeinsatz der Polizei im Rheinbad in Düsseldorf am Samstag, ist es in dem Freibad auch am Sonntag erneut zu Ausschreitungen gekommen. Das Schwimmbad wurde vorzeitig geschlossen.

Wie bereits am Samstag kam es zu Streits und kleineren Schlägereien, berichtete ein Polizeisprecher am Sonntagabend. Erneut waren Dutzende Polizisten vor Ort. Der Betreiber habe sich schließlich dazu entschieden, das Freibad wie schon am Samstag vorzeitig zu schließen.

Hunderte Männer umzingelten Familie im Rheinbad

Bereits am Samstagabend war es zu einem Großeinsatz der Polizei im Rheinbad gekommen. In dem Freibad im Stadtteil Stockum hatte sich gegen 17 Uhr ein Streit derart hochgeschaukelt, dass sich am Ende laut Polizei mehrere Hundert zumeist junge Männer zusammengeschart hatten.

Laut Polizei soll sich die Gruppe bereits vorab lautstark daneben benommen und andere Bade-Gäste belästigt haben. Als zwei Männer dieser Gruppe in Streit gerieten und dabei über Badetücher andere Gäste gelaufen sein sollen, wurde es dem Vater einer vierköpfigen türkischen Familie zu viel.

Er beschwerte sich bei den jungen Männern, dabei soll er sie als „Nafris“ bezeichnet haben. Der interne Streit schien vergessen – stattdessen solidarisierten sich die Streithähne gegen den Mann, seine Frau und die beiden Söhne.

Mehrere Notrufe aus dem Rheinbad bei der Polizei

Innerhalb kürzester Zeit hätten mehrere Hundert Personen die Familie umringt und sie angeschrien. Der Vater habe sich schützend vor Frau und Kinder gestellt, sei „in Wortgefechte und eine kurzzeitige Rangelei mit Einzelnen aus der Gruppe verwickelt“ gewesen, hieß es in einem Einsatzbericht, den die Polizei am Sonntag veröffentlichte.

Nach mehreren Notrufen rückte die Polizei mit Dutzenden Beamten an. Die Polizisten versuchten zunächst, „die Kontrahenten voneinander zu trennen“. Nicht so einfach bei mehreren Hundert Beteiligten auf der einen Seite: „Aus dem Schutz der Menge heraus“ seien Getränkekartons in Richtung der Polizisten geworfen worden. Einzelne hätten auch gepöbelt, sich vor den Beamten aufgebaut und versucht, sie zu provozieren.

Schon vorher gab es Beschwerden über die jungen Männer

„Unsere Leute haben versucht, die Situation zu deeskalieren“, so ein Polizeisprecher. Weitere Einsatzteams rückten an, erst dann habe sich die Situation beruhigen lassen. Dabei hätten die Beamten auch Pfefferspray eingesetzt, es sei aber niemand verletzt worden, sagte ein Polizeisprecher. Die Familie, die zuvor umzingelt worden war, sei geschützt von Polizisten aus dem Freibad gebracht worden.

Bei der Polizei waren bereits vor diesem Vorfall mehrere Notrufe eingegangen, bei denen sich über das Verhalten der zumeist jungen Männer beschwert wurde. Nach Zeugenaussagen soll es sich um Männer mit „südländischem Aussehen“ gehandelt haben. Personalien oder Nationalitäten wurden bei dem Einsatz nicht aufgenommen, da die Polizei die Situation deeskalieren und nicht weiter hochschaukeln wollte. Bei dieser großen Anzahl von Menschen wäre dies gar nicht möglich gewesen, so ein Sprecher.

Rheinbad für den Rest des Tages geschlossen

Am Ende entschied der Badbetreiber, das Rheinbad für den Rest des Tages zu schließen. Die Polizei half bei der Räumung. Größere Probleme habe es dabei nicht gegeben: Der Großteil der Badegäste habe das Bad schnell verlassen, nur ein paar hätten „überzeugt“ werden müssen. „Lediglich ein renitenter Badegast musste kurzzeitig in Gewahrsam genommen werden“, heißt es im Polizeibericht.

Nach der Räumung musste die Polizei kleinere Gruppen junger Männer noch vom Gelände und vom Messeparkplatz leiten, auch am Messebahnhof habe es noch einen Einsatz gegeben, weil ein Teil der Gruppe dort lautstark herumschrie.

Polizei: „Gleiche Gruppierung“ machte auch am Sonntag Stress

Was am Sonntag der Grund für den erneuten Tumult durch aggressive Badegäste im Rheinbad gewesen war, konnte man auf Nachfrage bei der Polizei am Montag nicht im Details sagen, erklärte ein Sprecher: „Anders als am Samstag, hatte uns der Badbetreiber am Sonntag zur Durchsetzung seines Hausrechtes um Unterstützung gebeten“, sagte ein Sprecher.

Vorfälle im Bad seien „in Ansätzen ähnlich wie am Samstag“ gewesen, hieß es bei der Polizei. Es habe sich zudem bei den Aggressoren um die „gleiche Gruppierung gehandelt, wie am Samstag“, sagte der Sprecher.

Zu möglichen Konsequenzen aus den Vorfällen war bei der Bädergesellschaft Düsseldorf, dem Betreiber des Rheinbads, am Montagmorgen noch keine Antwort zu bekommen.

Schwimmmeister beklagen zunehmende Aggressivität

Die Vorfälle sind nicht die ersten Zwischenfälle in einem Freibad, und er wird vermutlich auch nicht der letzte bleiben. Erst vor einer Woche hatten mehrere junge Männer Bademeister in einem Schwimmbad in Essen attackiert. Der Bundesverband Deutscher Schwimmmeister beklagt generell eine zunehmende Aggressivität in Freibädern. „Ich bin jetzt 45 Jahre im Job“, sagte Verbandspräsident Peter Harzheim am Sonntag. „Man hat sicherlich einiges erlebt, aber was sich in den letzten 40 Jahren getan hat, ist doch erschreckend. Das Wort ‘Respekt’ hatte früher eine ganz andere Bedeutung als heute.“

Vor allem in den vergangenen zehn bis 20 Jahren habe sich das gründlich geändert. Jetzt bekomme man eher Sprüche zu hören wie „Alter, was willste?“

Eltern lebten ihren Kindern häufig vor, dass sie sich nichts gefallen lassen müssten. Dazu kämen kulturelle Unterschiede, etwa im Umgang mit Frauen. „Es ist für mich eine traurige Entwicklung, dass wir in den Bädern jetzt immer mehr Security haben müssen“, sagte Harzheim. „Denn ein Bad ist ein Ort der Erholung, der Wellness, des Kennenlernens, der Kommunikation.“ (mit dae;dpa)

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