Karneval

Lesermeinungen: „Ich freue mich auf den Mottowagen“

Düsseldorfs bekannter Wagenbauer Jacques Tilly entwarf den Karnevalswagen für die Jüdische Gemeinde Düsseldorf. Derzeit sucht die Gemeinde noch nach Spenden, um den Mottowagen finanzieren zu können. 

Foto: Jacques Tilly

Düsseldorfs bekannter Wagenbauer Jacques Tilly entwarf den Karnevalswagen für die Jüdische Gemeinde Düsseldorf. Derzeit sucht die Gemeinde noch nach Spenden, um den Mottowagen finanzieren zu können.  Foto: Jacques Tilly

Düsseldorf.   Die Jüdische Gemeinde will beim Düsseldorfer Rosenmontagszug mitfahren. Die NRZ-Leser schreiben ihre Meinung – und finden die Idee gut.

Am 12. Februar wird beim Rosenmontagszug erstmals ein Wagen der Jüdischen Gemeinde mitfahren (NRZ vom 2. Januar). Der Wagen zeigt Heinrich Heine, den berühmten Düsseldorfer Dichter mit jüdischer Herkunft. Heine hätte im Dezember seinen 220. Geburtstag gehabt. Kritik gab es an dem Motiv, weil Heine zeitlebens zum Christentum konvertiert war, um seine Anstellungschancen zu erhöhen. Viele NRZ-Leser schickten uns ihre Meinung zu dem Thema.

„Eine wunderbare Sache“

Vera Strobel schreibt: „Als Geschichtslehrerin in Düsseldorf halte ich den Mottowagen mit HH für eine wunderbare Sache. Gerade jetzt in Zeiten des verstärkten Judenhasses von extremrechter, extremlinker und islamistischer Seite ist ein Darstellen des christlich - jüdischen Miteinanders bis zum Holocaust extrem wichtig. Die jüdische Geschichte wird leider fast immer – auch und gerade in Schulbüchern – auf die Leidensgeschichte der Juden verkürzt.“

Weiter schreibt die Düsseldorfer Lehrerin: „Natürlich ist HH konvertiert, weil er sonst keine andere gesellschaftliche Chance hatte, seine Selbstzeugnisse zu jüdischen Traditionen sprechen für sich, aber darüber zu reden, wie es im 19. Jahrhundert in Düsseldorf/Herzogtum Berg mit Toleranz bestellt war, ist doch nur lehrreich. Also ich freue mich auf den Mottowagen, habe schon gespendet und freue mich sehr auf die Gespräche mit meinen Schülern.“

„Heinrich Heine ist eine umstrittene Figur“

NRZ-Leser und Karikaturist Grigory Kroshin ist für ein ökumenisches Miteinander beim Karneval und schreibt: „Ich finde, es ist richtig, dass sich die Jüdische Gemeinde Düsseldorf am Rosenmontagszug beteiligt. Aber das Thema muss meiner Meinung nach geändert werden. In der Tat, Heinrich Heine ist eine umstrittene Figur für die religiöse Bevölkerung, nicht alle werden dies unterstützen. Aber die Idee der Bekämpfung des Terrors, in der die größte Wirkung durch die Beteiligung aller Glaubensrichtungen erreicht werden kann, ist ein Gedanke, den jeder unterstützen wird.“

„Was für eine seltsame Diskussion“

Solange alles im Geiste des Karnevals stattfindet, soll die Meinungsfreiheit herrschen: „Was für eine seltsame Diskussion wird hier wieder angestoßen? Warum sollte es für bestimmte Gruppierungen, Rassen, Glaubensrichtungen oder Ideologien einen Ausschluss aus dem Zug geben? Von mir aus sollten auch Muslime und rechte Gruppierungen wie die AfD ihren Wagen bekommen. Solange es inhaltlich alles im rechtlich vertretbaren Rahmen und möglichst bissig bleibt ist es im Geiste des Karnevals“, schreibt NRZ-Leser Axel Pabich aus Erkrath.

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