Stadtteilserie

Im Düsseldorfer Süden gibt es ein grünes Gewissen

Thomas Rote in seinem Naturkostladen in Holthausen

Foto: Lidia Polito

Thomas Rote in seinem Naturkostladen in Holthausen Foto: Lidia Polito

DüsseldOrf.   Thomas Rothe will wissen, was er isst. Darum betreibt er seit nun 27 Jahren einen Bioladen in Holthausen. Wer dort einkauft, muss Mitglied sein.

Thomas Rothe lehnt am Fensterrahmen hinter der Theke. Er telefoniert seelenruhig. „Oliven türkischer Art? Kann ich dir gern bestellen, waren bei der letzten Lieferung nicht dabei. Sag mir nochmal was das ist, was du da haben wolltest. Ja geht mir sehr gut, und euch? Das freut mich. Dann sehen wir uns ja bald.“ Als er auflegt, geht er zurück zu den Oliven. Er war gerade dabei, sie in kleine Schälchen abzufüllen.

In seinem kleinen Laden hat er sehr viel Zeit. Selten kommt ein Kunde durch die Tür. „Laufkundschaft habe ich nur sehr wenig. Die meisten rechnen in Holthausen eher mit einem Penny, als mit einem Bioladen“, sagt Rothe. Trotzdem hält sich sein kleiner Laden nun schon seit 27 Jahren auf der Itterstraße. Denn seine Kunden sind Mitglieder. Sie zahlen einen monatlichen Beitrag und können dafür zum Einkaufspreis im Laden einkaufen. „Ich kenne alle mein Kunden, viele sind seit Jahren dabei“, sagt er.

Nur Höfe in der Gegend kommen in Frage

Früher, als es Bio noch nicht in jedem Supermarkt gab, mussten sie ihre Mitgliederzahlen teilweise begrenzen. Heute zählt er rund 80 Beteiligte und beliefert zusätzlich einige Kitas und Büros mit seiner Naturkost. Für seinen Laden schmiss der Biologe Rothe seinen Job an der Uni. Zehn Jahre lang war er in der Hirnforschung tätig. Bereut hat er den Schritt nicht. „Ich habe nie überlegt wieder zurückzugehen. Auch Tierversuche waren für mich ein Grund die Forschung zu verlassen“, sagt er. Darum hat er seinen eigenen Bioladen aufgemacht: um sicher zu sein, woher das kommt, was er isst und, dass es fair hergestellt wurde. Er kauft nur bei Bauern, die er kennt und die in unmittelbarer Umgebung sind. „Es ist gesetzlich nicht eindeutig festgesetzt, was als regional gekennzeichnet werden darf. Viele bezeichnen ihre Produkte als regional, nur weil sie aus Deutschland kommen. Ich beziehe nur von Höfen, die 30 bis 40 Kilometer entfernt sind“, sagt Rothe.

Das Sortiment in seinem Laden richtet sich nach den Wünschen der Mitglieder. Auch da hat sich in 27 Jahren viel geändert: „Fleisch ist viel weniger gefragt als früher. Ich habe kaum Fleisch da“, sagt Rothe. Er selbst sei zwar kein Vegetarier, doch vor allem bei Fleisch ist es ihm wichtig zu wissen, wo es herkommt. „Ein Freund von mir hat eine eigene Rinderherde, wenn er schlachtet, nehme ich gerne etwas davon und frage auch meine Kunden“, sagt er.

Am liebsten alles selbst anbauen und herstellen

Am liebsten würde Rothe alles selbst anbauen und herstellen. Doch wie die meisten hat er dafür keine Zeit. „Ich sage immer, das Beste ist, du baust selber an. Das Zweitbeste ist, du kennst jemanden, der anbaut und das Drittbeste ist, du kaufst hier.“ Auch, wenn Vertrautheit in seinem Laden nicht jedermanns Sache sei, sagt er. „Manche mögen die Anonymität der großen Supermärkte. Viele sind es nicht gewöhnt beim Einkaufen zu quatschen, Hallo zu sagen, beraten zu werden“, so Rothe. Für ihn und seine Kunden gehört das allerdings zusammen: Zu wissen, woher die Produkte kommen, aber auch, wer sie ihnen verkauft.

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