Bildung

In der Stadt Düsseldorf fehlen qualifizierte Lehrer

Gegen den Lehrermangel in Düsseldorf: (v.l.)Holger Thrien, Bereich Grundschule, Sebastian Krebs, stellvertrender Vorsitzender der GEW in NRW, Sylvia Burkert, Teamleitung, Nicole Kaspar, Bereich Förderschule und Anne Rödel, Bereich Realschule.

Gegen den Lehrermangel in Düsseldorf: (v.l.)Holger Thrien, Bereich Grundschule, Sebastian Krebs, stellvertrender Vorsitzender der GEW in NRW, Sylvia Burkert, Teamleitung, Nicole Kaspar, Bereich Förderschule und Anne Rödel, Bereich Realschule.

Foto: Philipp Rose

Düsseldorf.   7000 Lehrstellen in NRW sind derzeit unbesetzt, vom Mangel sind alle Schulformen betroffen. Es gibt kaum Bewerbungen für Naturwissenschaften.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Freitag ist Weltlehrertag – ein Tag, um Personen zu würdigen, die sich mit besonderer Verantwortung um die Bildung der jüngeren Gesellschaftsmitglieder kümmern. Doch kaum ein Beruf steht heutzutage in so starkem Spannungsverhältnis: Einerseits werden immer mehr Lehrkräfte gebraucht, andererseits erklärt sich kaum noch jemand bereit, sich auf diesen Job zu bewerben. In NRW mangelt es derzeit an 7000 Lehrkräften. „In Düsseldorf sieht die Lage nicht viel besser aus, das landesweite Problem lässt sich auch auf die Hauptstadt übertragen. Die Lage ist derzeit einfach katastrophal“, sagt Sebastian Krebs, stellvertretender Vorsitzender bei der Bildungsgewerkschaft GEW.

Grundschulen sind besonders stark betroffen

Personal fehlt schlichtweg in allen Schulformen – am schlimmsten trifft es jedoch Grund- und Förderschulen sowie Berufskollegs. „Früher hatten wir auf eine Stelle 36 Bewerber, mittlerweile ist die Zahl auf drei Bewerber geschrumpft“, sagt Holger Thrien von GEW, zuständig für den Bereich Grundschule. Mittlerweile würden kaum noch Stellen ausgeschrieben, um Zeit zu sparen. Denn melden würde sich kaum jemand, so Thrien. Bei der letzten Ausschreibung seien 24 Stellen unbesetzt geblieben. Die niedrige Zahl an Bewerbern liege vor allem an der geringeren Bezahlung der Grundschullehrer: „Wir haben mittlerweile die gleiche Ausbildung wie Lehrende an anderen Schulformen, aber werden schlechter bezahlt“, sagt der GEW-Mitarbeiter. Der Lohn sei so gering, dass es sich für viele nicht rentiere, nach Düsseldorf zu ziehen, da dort die Lebenserhaltungskosten zu hoch seien. Die Gewerkschaft fordert deshalb eine Angleichung bei der Bezahlung des Lehrpersonals.

Schulen setzen auf Quereinsteiger als Lehrerersatz

Bei Gymnasien sieht es bei der Personalsituation insgesamt zwar noch besser aus, doch auch dort mangelt es in entscheidenden Fächern an Lehrern: „Wir haben nicht so eine starke Mangelsituation wie in anderen Städten. Uns fehlen aber vor allem in den MINT-Fächern wie Mathe und Informatik Personal“, so Hanna Tuszynski vom GEW (Arbeitsbereich Gymnasium). Für Informatik etwa gebe es kaum noch ausgebildete Lehrer, das meiste Personal durch eine Zusatzqualifikation in diesen Bereich gerutscht.

Mittlerweile wird an den Schulen viel Flickschusterei betrieben: In Gymnasien wurden seit Schuljahresbeginn 50 neue Lehrer eingestellt und 60 neue befristete Verträge unterschrieben. Doch rund ein Drittel der Stellen konnte nicht mit Lehrern, sondern nur mit Quereinsteigern besetzt werden. Bei der Einstellung von Vertretungskräften sieht es noch schlimmer aus: Von den 210 Beschäftigten, die etwa Personen im Mutterschutz vertreten, haben lediglich drei Kollegen eine qualifizierte Lehrerausbildung. „Gestern haben die Leute noch Flüge im Reisebüro verkauft und heute stehen sie als Lehrer in der Klasse“, kommentiert Krebs. Die Seiteneinsteiger seien mittlerweile unverzichtbar, doch bedürfen sie wegen ihrer mangelnden Kenntnis des Lehrerberufs auch mehr Einarbeitungszeit.

Studenten gehen lieber in die freie Wirtschaft

„Das Problem ist, dass viele wegen der besseren Bezahlung lieber in die freie Wirtschaft gehen, statt Lehrer zu werden“, sagt Sylvia Burkert vom Leitungsteam der GEW. Die Gewerkschaft fordert deshalb allgemein eine bessere Bezahlung für Lehrkräfte und eine Entlastung der bereits bestehenden Stellen durch mehr Personal. Dafür müsste das Land die Weichen aber schon früher stellen: „Die Landespolitik muss bereits an den Hochschulen die Kapazitäten für das Lehramt ausbauen und den Beruf attraktiver machen“, findet Hanna Tuszynski.

Wohin fließt Geld für Bildung? – ein Kommentar von Philipp Rose

Neue iPads in Klassen sind toll, doch wenn es keine Informatiklehrer gibt, die den richtigen Gebrauch mit Programmen beibringen, bringt auch die neueste Technik nichts. Das Land spart durch die Nichtbesetzung von 7000 Lehrstellen rund 350 Millionen Euro. Und: Eigentlich hatte die NRW-Regierung in ihrem Haushalt 2018 vorgesehen, 2048 neue Stellen für Lehrer zu schaffen. Doch wenn man sich die verheerende Lage in Düsseldorf und anderen Städten anschaut, scheint bisher nichts geschehen zu sein. Wohin fließt also das Geld für die Bildung?

Nicht nur Schulen, auch die Wirtschaft wird auf lange Sicht das Nachsehen haben: Denn gerade in den naturwissenschaftlichen Fächern wie Mathe und Physik fehlt es an gut ausgebildeten Lehrern – und deshalb später auch an gut ausgebildeten Schülern. Dabei ist Bildung gerade in diesen Fächern für den Wirtschaftsstandort Deutschland entscheidend.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben