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In Düsseldorf schreitet Kneipen-Sterben langsamer voran

Auflagen machen Wirten das Leben schwer – dennoch ist Düsseldorf noch nicht so stark vom Kneipensterben betroffen wie andere Regionen in NRW.

Auflagen machen Wirten das Leben schwer – dennoch ist Düsseldorf noch nicht so stark vom Kneipensterben betroffen wie andere Regionen in NRW.

Foto: Foto: NGG

Düsseldorf.  Während in NRW zwischen 2007 und 2017 jede neunte Gaststätte oder Kneipe geschlossen hat, sieht es in Düsseldorf nicht ganz so dramatisch aus.

Diese Nachricht schockte den ein oder anderen Düsseldorfer: die Kult-Kneipe Fortuna-Eck „Bei Moni“ schließt nach 31 Jahren zum Jahresende. Der neue Hausbesitzer hatte der Wirtin gekündigt. Doch das ist kein Einzelfall. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) hat unlängst vor einem Gastro-Sterben in Düsseldorf gewarnt.

Jede neunte Kneipe, Eisdiele oder Gaststätte geschlossen

In ganz NRW hat zwischen 2007 und 2017 jede neunte Gaststätte, Kneipe oder Eisdiele geschlossen. Nach Angaben des Statistischen Landesamts waren von 28.000 Betrieben an Rhein und Ruhr zuletzt nur noch 24.900 geöffnet. Düsseldorf hingegen liegt nicht ganz im NRW-Trend, so die Geschäftsführerin der NGG Düsseldorf-Wuppertal, Zayde Torun. „Düsseldorf ist eine Gastro-Stadt.“ 2007 gab es 1152 gastronomische Betriebe, im Jahr 2017 waren es 1129. „Die Zahl der Restaurants, Imbisse, Eisdielen usw. stagnierte somit“, so Torun. Betriebe in der Altstadt seien zudem weniger betroffen als außerhalb.

„Vom Fußballabend in der Bar bis zum Grünkohlessen mit dem Sportverein – die Gastronomie steht für ein Stück Lebensqualität“, so Zayde Torun. Mit den Betriebsschließungen stehe nicht nur ein wichtiger Teil der Alltagskultur auf dem Spiel. Es seien auch etliche Arbeitsplätze in Gefahr. „Im Zeitalter der digitalen Welt, wie Kinofilme im gemütlichen Zuhause zu sehen mit Netflix & Co., gehen die Gäste weniger aus oder sie bestellen mit ihren Smartphones über Apps ihr Essen“, so Torun.

Nichtraucherschutzgesetz hat Kneipen geschadet

Für Gastronom Giuseppe Saitta, Dehoga-Vorsitzender in Düsseldorf/Rhein-Kreis Neuss, hat aber u.a. auch die Einführung des Nichtrauchergesetzes in NRW dazu geführt, dass Gäste den Kneipen fernbleiben. Das Rauchen in Kneipen ausnahmslos zu verbieten, hat die Kneipenlandschaft und auch ein Stück Kultur aufs Spiel gesetzt, findet auch Torun. Zur Eckkneipe gehörten das Bier und die Frikadelle genauso wie die Zigarette.

Auch die Bürokratie legt so manchen Wirt Steine in den Weg, so Saitta. „Es ist heute aufwändiger, eine Kneipe oder ein Restaurant zu führen. Kosten sind höher, es wird schwieriger zuverlässiges Personal zu finden.“ Der Trend gehe zur Event-Gastronomie, weg von der klassischen Kneipe.

Nachfolgersuche gestaltet sich schwierig

Ein weiteres Problem sieht er im „Generationenwechsel“. „Es ist schwierig einen Nachfolger zu finden. Wer Glück hat, hat sich einen in den eigenen Reihen großgezogen. Das klappt aber auch immer seltener“, so Saitta.

In der Rock-Kneipe „Die Blende“ an der Friedrichstraße läuft es. Dennoch ist man sich auch dort bewusst, dass es nicht immer für alle so ist. „Ich bin seit über 30 Jahren hier, 2012 habe ich die Kneipe übernommen. Hätte ich damals schon gewusst, was alles auf einen zukommt, hätte ich mir das vielleicht nochmal überlegt“, erklärt der Inhaber, der nicht genannt werden möchte.

Erschwert werde die Situation durch Hausverkäufe und Vermieterwechsel – wie etwa beim Fortuna-Eck. „Entweder der Vertrag wird gekündigt oder die Mietpreise angezogen. Aber wir können ja auch nicht ewig die Preise erhöhen. Die Leute verdienen ja auch nicht mehr“, so der Blende-Inhaber. Auch die Jugend sei anders geworden. „Die wollen alles sehr modern haben“, so der Inhaber, der eine gewissen Pflicht bei den Wirten und Gastronomen sieht, die „etwas für ihren Laden tun müssen, damit er weiter läuft“.

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