Stadtteil-Serie

In Pempelforter Straßennamen steckt viel Militär-Geschichte

Die Scheibenstraße verweist auf eine Garnison der Armee, die sich dort im „Scheibenschießen“ und auch für die Namensgebung der Inselstraße gibt es einen bestimmten Grund.

Foto: Linda Wiethaus

Die Scheibenstraße verweist auf eine Garnison der Armee, die sich dort im „Scheibenschießen“ und auch für die Namensgebung der Inselstraße gibt es einen bestimmten Grund. Foto: Linda Wiethaus

Düsseldorf.   Von Offizieren der preußischen Armee bis zur Gaststätte „Stockkämpchen“: Pempelforts Straßennamen erzählen viel Historisches aus dem Stadtteil.

Pempelfort ist durch Straßennamen wie Scharnhorststraße, Gneisenaustraße oder die Fischerstraße geprägt. Viele Düsseldorfer kommen regelmäßig an diesen Straßen vorbei, beim Einkaufen, Spazieren oder auf dem Weg zur Arbeit. Doch nur wenige kennen die Geschichte hinter den Namen, die Bedeutungen oder die berühmten Personen, nach denen sie benannt wurden. Die NRZ zeigt, welche Personen oder Besonderheiten hinter einigen Straßennamen stecken:

Scheibenstraße: Diese Straße verläuft von der Kaiserstraße bis zur Inselstraße. Ihren Namen verdankt sie den Schießständen einer Garnison, also dem Standort einer Truppe. Am Nordhang des Napoleonberges im Hofgarten, im Bereich der heutigen Straße, übten sich die Soldaten bis 1847 im „Scheiben-Schießen“.

Inselstraße: Sie zweigt ebenfalls von der Kaiserstraße ab und führt bis zum Hofgarten-Ufer. Früher gelangte man über diese Straße zur ehemaligen Golzheimer Insel, dem heutigen Rheinpark. Die Golzheimer Insel war eine Art Vorland, das sich in etwa von der heutigen Oberkasseler Brücke bis zur Uerdinger Straße erstreckte. Im Jahr 1902 wurde die Insel für die Große Industrie-, Gewerbe- und Kunstausstellung aufgeschüttet. Auf dem gewonnenen Land wurde der Kaiser-Wilhelm-Park, der heutige Rheinpark, angelegt.

Wo einst in Pempelfort Schafe grasten

Schäferstraße: Sie verläuft von der Inselstraße bis zur Scheibenstraße. Auf der benachbarten Golzheimer Insel, dem heutigen Rheinpark, hüteten die Schäfer aus Düsseldorf im 19. Jahrhundert ihre Schafe.

Arnoldstraße: Sie zweigt von der Schäferstraße ab und verläuft parallel zur Scheibenstraße. Der Edelherr Arnold von Tevern verkaufte im 12. Jahrhundert seine rechtsrheinischen Erbgüter an den Grafen Engelbert I. von Berg. Wahrscheinlich handelt es sich dabei um das spätere Löwen- oder Lieferhaus mit dem zugehörigen Landbesitz in Himmelgeist und Holthausen.

Fischerstraße: Diese Straße geht von der Scheibenstraße bis zur Kaiserswerther Straße. Sie erinnert an die Fischer auf der damaligen Golzheimer Insel.

Nordstraße: Die Haupteinkaufsstraße im Stadtteil Pempelfort verläuft von der Fischerstraße bis zur Collenbachstraße. Die Straße war im 19. Jahrhundert die nördlichste Straße des Stadtkerns. Vor ihrer Umbenennung im Jahr 1868 hieß die Nordstraße Ratinger Chaussee.

Als Napoleon in Düsseldorf war

Kaiserstraße: Die Straße geht von der Scheibenstraße bis zur Jägerhofstraße. Sie erinnert an den Einzug Napoleons am 2. November 1811 durch diese Straße. Am Zusammenlauf der heutigen Fischerstraße und der Nordstraße, dem sogenannten „Luftballon“, wurde er von den Düsseldorfer Deputierten empfangen.

Louise-Dumont-Straße: Louise Dumont, geboren 1862 in Köln, war eine deutsche Schauspielerin, Tragödin und Theaterleiterin. Zusammen mit ihrem Mann Gustav Lindemann (1872-1960), der seit 1952 Ehrenbürger der Stadt Düsseldorf ist, gründete sie 1905 das Deutsche Theater am Rhein zu Düsseldorf. Seine Tradition wurde später an das Düsseldorfer Schauspielhaus weitergegeben. Bis zu ihrem Tod im Jahr 1932 leitete sie das Theater. Louise Dumont erhielt auf dem Nordfriedhof eine Ehrengrabstätte. Ihre Straße verläuft heute von der Jocobistraße bis zur Pempelforter Straße.

Bagelstraße: Die Straße verläuft von der Prinz-Georg-Straße bis zur Schinkelstraße. Der Mann, der dieser Straße seinen Namen gegeben hat, war August Bagel (1838-1916). Er war der Beitzer der Buchdruckerei mit dem gleichen Namen und Geheimer Kommerzienrat. Außerdem war er Fraktionsführer im Stadtverordnetenparlament und unterstützte minderbemittelte Künstler.

Prinz-Georg-Straße: Prinz Georg von Preußen (1826-1902) war der Sohn von dem Prinzen Friedrich von Preußen, der von 1821 bis 1848 im Schloss Jägerhof residierte. Georg von Preußen war gegenüber dem Städtischen Museum sehr schenkungsfreudig und war der langjährige Protektor des St. Sebastianus Schützenvereins. Die Prinz-Georg-Straße in Pempelfort verläuft von der Moltkestraße zur Duisburger Straße.

An der Post-Strecke nach Münster

Münsterstraße: Die Straße war früher die Landstraße und Postlinie von Düsseldorf nach Münster in Westfalen. Im Jahr 1755 soll dort das Gasthaus „Zur Stadt Münster“ gestanden haben. Dort konnten sich die Fuhrleute und ihre Pferde auf der Reise ausruhen. Es besteht aber auch die Möglichkeit, dass die Stadt Münster bei der Namensgebung der Straße ein Pate war.

Stockkampstraße: Diese Straße verläuft von der Blücherstraße zur Derendorfer Straße. Als „Sockkamp“ bezeichnet man ein Stück Land (=Kamp), das mit Stöcken eingefriedet ist. Im ländlichen Sprachgebrauch ist mit „Stöcken“ Baumstümpfe, Garten- oder Weidenpfähle gemeint. In der Mitte des 19. Jahrhunderts stand an der Stockkampstraße das „Stockkämpchen“, eine bei den Düsseldorfern sehr beliebte Ausflugs- und Sommergaststätte.

Vagedesstraße: Diese Straße geht von Alt-Pempelfort bis zur Duisburger Straße. Adolph von Vagedes (1777-1842) war ein außergewöhnlich befähigter Düsseldorfer Baumeister und Architekt. Er hat Gebäude im klassizistischen Stil gebaut, unter anderem auch das Ratinger Tor. Dort ist eine Gedenktafel für ihn angebracht.

Preußens hohen Militärs zur Ehre

Auffällig in Pempelfort ist, dass einige Straßen nach großen Generälen und Offizieren der preußischen Armee benannt sind:

Marschallstraße: „Marschall Vorwärts“ wurde er volkstümlich von seinen Soldaten genannt. Er war Gebhardt Leberecht Fürst Blücher von Wahlstatt (1742-1819). Blücher war ein außerordentlich befähigter Preußischer Heeresführer. In der Völkerschlacht von Leipzig trug er zum entscheidenden Sieg bei und überschritt in der Neujahrsnacht 1813/14 bei Kaub den Rhein. Gemeinsam mit Wellington besiegte er die Franzosen bei Waterloo im Jahr 1815. Neben der Marschallstraße, die von der Duisburger Straße bis zur Blücherstraße verläuft, wurde auch die Blücherstraße nach ihm benannt. Sie verläuft von der Nordstraße bis zur Sternstraße.

Moltkestraße: Sie geht von der Münsterstraße bis zur Tußmann-straße. Bei dem Namensgeber handelt es sich um Helmuth Graf von Moltke (1800-1891). Ab dem Jahr 1870 war er Generalfeldmarschall der preußischen Armee. Zwischen den Jahren 1858 und 1888 war er außerdem der Generalstabschef der Armee.

Scharnhorststraße: Gerhard Johann David von Scharnhorst (1755-1813) war ein preußischer General und Heeresreformer. Er führte die allgemeine Wehrpflicht ein und beseitigte das Adelsprivileg im Offizierskorps. In den Befreiungskriegen war Gerhard von Scharnhorst der Stabschef Blüchers. Die heutige Scharnhorststraße zweigt von der Münsterstraße ab und läuft bis zur Eulerstraße.

Gneisenaustraße: Sie verläuft von der Duisburger Straße bis zur Moltkestraße. Die Straße wurde nach August Graf Neidhardt von Gneisenau (1760-1831) benannt. Er war Generalstabschef des Marschalls Blücher und ab 1825 Generalsfeldmarschall. Außerdem war er ein Mitarbeiter von Stein und Scharnhorst bei der Reformierung der preußischen Armee. 1807 verteidigte er die Festung Kolberg und war maßgeblich an der Vernichtung der napoleonischen Armee im Jahr 1814 beteiligt.

Nettelbeckstraße: Der Stadtverordnete der Stadt Kolberg, Joachim Nettelbeck (1783-1824), war ein Seemann und Branntweinbrenner. Vor allem aber war er Schiffsoffizier und ein preußischer Patriot: Als Bürgeradjutant half er gemeinsam mit Blücher, Gneisenau und dem preußischen Husarenmajor Schill bei der Verteidigung der Festung Kolberg gegen die französischen Belagerungstruppen im Jahr 1807. Die Nettelbeckstraße verläuft heute von der Sternstraße bis zur Marschallstraße.

Goebenstraße: August Karl von Goeben (1816-1880) war ebenfalls ein preußischer General. 1870/71 im Deutsch-Französischen Krieg war er als Befehlshaber des achten Armeekorps maßgeblich am Sieg Preußens beteiligt. Die heutige Goebenstraße zweigt von der Nordstraße ab und führt bis zur Parkstraße.

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