Städte-Kampagne

„In Zukunft Langenfeld“ – heißt es jetzt in Düsseldorf

Mit Plakaten an 30 Standorten in Düsseldorf und Köln geht Langenfeld Bürgermeister Frank Schneider in die Werbeoffensive.

Mit Plakaten an 30 Standorten in Düsseldorf und Köln geht Langenfeld Bürgermeister Frank Schneider in die Werbeoffensive.

Foto: Christian Stahl

Düsseldorf.   Kampfansage an benachbarte Großstädte: Langenfeld hat eine aggressive Kampagne gestartet, mit der in Düsseldorf und Köln Firmen abgeworben werden sollen.

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So forsch und provokant wurden wohl die wenigsten Unternehmen jemals von einer Stadt gelockt: Bei Tausend Düsseldorfer und Kölner Firmen wird der Postbote in den kommenden Tagen Umzugskartons aus Langenfeld im Gepäck haben. Auch in den beiden Städten wird man in Zukunft nicht mehr an dem 56 000 Einwohner Städtchen im Kreis Mettmann vorbeikommen. Mit Solgans wie „In Langenfeld ansiedeln und einen Haufen Geld sparen“ lockt nämlich nicht der Elektromarkt um die Ecke sondern der Langenfelds Bürgermeister Frank Schneider. Was hat es damit auf sich?

„In Zukunft Langenfeld“ lautet nicht nur der Slogan der neuen Standort-Kampagne seiner Stadt, sondern auch die Aufforderung an die Unternehmen in der Region, sich in Zukunft in Langenfeld anzusiedeln. Fragt man Frank Schneider, gibt es dafür einige: „Die optimale Lage zwischen Düsseldorf und Köln, die Erreichbarkeit über sechs Autobahnanschlüsse sowie gleich zwei Anbindungen an die hoch frequentierte S-Bahn-Linie Köln – Düsseldorf – Essen bieten genauso entscheidende Argumente wie die nahe gelegenen Flughäfen Düsseldorf, Köln/Bonn und Frankfurt.“

Werbung mit niedriger Steuer

Entscheidend werden allerdings die niedrigeren Steuer- und Abgabesätze und die attraktiven Grundstückspreise sein als in Düsseldorf. Um die Firmen in Düsseldorf und Köln darauf aufmerksam zu machen bläst man in Langenfeld zum Frontalangriff: Tausend angeschriebene Firmen in 50 Kilometern Umkreis, dazu Plakat-Aktionen an den 30 wichtigsten Standorten in Düsseldorf und Köln. Und das soll nur der Anfang sein: Im September kommen 20 weitere Plakatstandorte dazu. Um welche tausend Firmen es sich handelt, sagt Schneider nicht. Klar ist allerdings, dass es sich vor allem um Firmen aus dem Dienstleistungssektor handelt: „Speditionen haben wir keine angeschrieben.“

Den Vorwurf eines Überraschungsangriffs auf Düsseldorf und Köln wollte sich der freche Bürgermeister aus Langenfeld nicht machen lassen – mit mäßiger Begründung. „Meinen Kölner Kollegen habe ich nicht angesprochen, lange ist der ja nicht mehr im Amt“, sagte Schneider mit einem Grinsen. Aber Düsseldorfs OB Geisel habe er über seine Pläne informiert, allerdings nicht persönlich, da der zur Zeit im Urlaub ist. „Der nimmt’s sportlich“, berichtete der Langenfelder Bürgermeister und zeigt sich für die Zukunft sehr zuversichtlich: „Wenn wir so eine neue Kampagne starten, soll sich das natürlich auch lohnen. Wir haben keine genauen Vorgaben, aber natürlich ist das Ziel, mit dieser Kampagne Millionen-Gewinne zu generieren.“

IHK hat nichts gegen diese aggressive Städte-Werbung

Bei der Industrie - und Handelskammer (IHK) Düsseldorf hat man nichts an dem aggressiven Vorgehen der Langenfelder auszusetzen. „Jeder kann Werbung machen und für sich werben. Wettbewerb führt auf lange Sicht zu Vorteilen“, äußerte sich Tina Schmidt von der IHK. Einen Langenfelder Unternehmer präsentierte man bei der Pressekonferenz gestern natürlich auch. Nils Glagau, Inhaber und Geschäftsführer von Orthomol, hat sein Unternehmen in einer Langenfelder Garage geplant, nun hat er 450 Mitarbeiter. „Hilfe von der Stadt gab es von Beginn an. Vor kurzem hatte ich ein Problem mit jemandem, der ein an mein Gelände grenzendes Haus nicht abgeben wollte. Auch da hilft die Stadt“, schilderte der Unternehmer freimütig.

Bleibt abzuwarten ob die Langenfelder Kampagne von Erfolg gekrönt sein wird. Erstmal müssen allerdings die 50 000 Euro Werbekosten wieder reinkommen.

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