Terror-Unterstützer

Islamisten-Verein Ansaar verboten - Schwerpunkt in NRW

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Polizisten durchsuchten am Mittwochmorgen auch das die Zentreale des Vereins Ansaar International in der NÄhe des Düsseldorfer Hauptbahnhofs. Bundesinnenminister Seehofer (CSU) hatte den salafistischen Verein sowie mehrere Teilorganisationen der islamistischen Vereinigung verboten.

Polizisten durchsuchten am Mittwochmorgen auch das die Zentreale des Vereins Ansaar International in der NÄhe des Düsseldorfer Hauptbahnhofs. Bundesinnenminister Seehofer (CSU) hatte den salafistischen Verein sowie mehrere Teilorganisationen der islamistischen Vereinigung verboten.

Foto: Marcel Kusch/dpa

Düsseldorf.  Der islamistische Verein Ansaar soll zum Salafismus missioniert und Terror finanziert haben. In NRW durchsuchten 400 Polizisten 37 Objekte.

Brunnenbau, Hilfe für Waisenkinder - vordergründig ist an den Aktivitäten von Ansaar International nichts auszusetzen. Tatsächlich gehe es aber um Terror-Unterstützung, sagen Sicherheitsbehörden. Deshalb hat Bundesinnenminister Horst Seehofer den salafistischen Verein Ansaar International und alle seine Ableger verboten. Das Verbot wurde am frühen Mittwochmorgen mit Durchsuchungen und Beschlagnahmungen in zehn Bundesländern vollstreckt.

Schwerpunkt des Einsatzes war NRW, insbesondere Düsseldorf. Denn in der Landeshauptstadt hat der 2012 gegründete Verein Ansaar International seinen Hauptsitz, die Teilorganisation WWR-Help im benachbarten Neuss.

Ermittlungen und Durchsuchungen in zehn Bundesländern

In Nordrhein-Westfalen wurden 37 Objekte durchsucht, teilte NRW-Innenminister Herbert Reul am Mittwochvormittag in einem kurzen Pressestatement mit. Hier habe auch der Schwerpunkt der Ermittlungen gelegen. Reul: "Der NRW-Verfassungsschutz hat umfangreiche Erkenntnisse in das Verfahren mit eingebracht, mit denen der Verein jetzt gestoppt werden konnte."

Seit seiner Gründung im Jahr 2012 war der Verein laut Reul vom NRW-Verfassungsschutz beobachtet worden. Auch nach dem Verbot werde man etwaige Nachfolgeorganisationen im Blick haben, kündigte Reul an: „Ich finde es unerträglich, dass unter dem Deckmantel humanitärer Hilfe Terroristen unterstützt werden.“

In NRW waren am frühen Mittwochmorgen rund 400 Polizisten im Einsatz. Die Ermittler stellten laut Reul einen sechsstelligen Geldbetrag sicher, zwei Konten mit über einer halber Million Euro beschlagnahmt, so Reul in einer ersten Bilanz. Neben NRW gab es in neun weiteren Bundesländern Durchsuchungen. 1000 Beamte sollen bundesweit im Einsatz gewesen, hieß es.

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Verbot von Ansaar International: Spenden sollen Terror finanzieren

Zur Begründung des Verbots hieß es aus dem Berliner Innenministerium, die Spendensammlungen von Ansaar seien in der Absicht erfolgt, diese an terroristische Vereinigungen im Ausland weiterzugeben, insbesondere an die Al-Nusra-Front in Syrien, an die palästinensische Hamas sowie an Al-Shabaab in Somalia.

Die Unterstützung komme diesen Vereinigung teilweise direkt zugute. Teilweise würden Hilfsprojekte unterstützt, „die jedoch unmittelbar zum Wirkungskreis der jeweiligen terroristischen Vereinigung zu zählen sind“.

Viele Beweise gegen Ansaar bei Großrazzia im April 2019 gefunden

Das Ministerium ist außerdem der Auffassung, dass die Missionierungsaktivitäten der Gruppe gegen die verfassungsmäßige Ordnung verstoßen. Hier würden „fortlaufend Feinde einer Weltordnung geschaffen, welche die Menschenwürde Andersgläubiger schützt“. Kinder aus Deutschland würden in die von Ansaar im Ausland aufgebauten Einrichtungen geschickt, „um dort salafistisch-extremistische Inhalte zu verinnerlichen und zurück nach Deutschland zu tragen“.

Personelle Überschneidungen gibt es dem Vernehmen nach zwischen dem Ansaar-Vereinsgeflecht und dem durch Koran-Verteilaktionen bekannt gewordenen Verein "Die Wahre Religion/Lies!", der 2016 verboten worden war.

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Ausgangspunkt für das Verbot war eine Großrazzia bei dem Netzwerk im April 2019, bei der umfangreiches Material beschlagnahmt worden war. Etwa die Hälfte der 90 Menschen und Objekte, die damals betroffen waren, befanden sich in NRW.

Verbot von Ansaar: Diese Organisationen wurden ebenfalls verboten

Zu dem Geflecht von Vereinigungen, die nun verboten wurden, gehören den Angaben zufolge noch weitere Organisationen:

Durch die unwahre Angabe, die Gelder würden ausschließlich humanitären Zwecken zugute kommen, seien Spender betrogen worden, stellte das Innenministerium fest.

Im April diesen Jahres waren wohl in Zusammenhang mit dem Verbotsverfahren wegen des Verdachts der Terrorfinanzierung in Nordrhein-Westfalen und Bayern Wohnungen durchsucht worden. Der Verdacht richte sich gegen drei Beschuldigte im Alter von 32 bis 40 Jahren, teilte die Düsseldorfer Generalstaatsanwaltschaft damals mit. Man ermittle auch wegen des Verdachts des Betrugs und der Untreue. Bei einem der Beschuldigten handele es sich um einen Düsseldorfer Rechtsanwalt. (mawo/ mit dpa)

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