Härtere Maßnahmen

Obdachlosen-Wohnprojekt: Investor setzt Mieter unter Druck

Zwar wohnen noch Mieter in dem Haus an der Lessingstraße, der Eigentümer hat dennoch mit Sanierungsarbeiten begonnen.

Zwar wohnen noch Mieter in dem Haus an der Lessingstraße, der Eigentümer hat dennoch mit Sanierungsarbeiten begonnen.

Foto: Ute Neubauer

Düsseldorf.   Neuer Ärger an der Düsseldorfer Lessingstraße: In dem ehemaligen Wohnprojekt für Obdachlose greift der Eigentümer zu immer härteren Maßnahmen.

Kabel sind rausgerissen, Türen entfernt, es gibt keine Heizung und kein Wasser mehr – die Berliner Grundstücksgesellschaft HMS II mit Geschäftsführer Eytan Halfin geht weiter gegen die Mieter aus dem ehemals sozialen Wohnprojekt an der Lessingstraße 25 vor. Von den ursprünglich 24 Mietern sind nur noch „vier definitiv in dem Haus“, so Fiftyfifty-Streetworker Johannes Dörrenbächer. Und die fühlen sich immer weiter unter Druck gesetzt. Denn der Eigentümer lässt das Haus kernsanieren – trotz Bewohner.

Der schlimmste Fall sei nun eingetroffen – dass kaum einer mehr dort wohnt. „Wir reden hier von Leuten, die 70, 75 Jahre alt sind. Sie halten das psychisch nicht aus, sind gesundheitlich nicht gut zurecht“, so Dörrenbächer, der gestern vor Ort war. „Das ist mittlerweile eine regelrechte Bauruine. Die Heizungen wurden herraus gebaut, die Leute, die noch da sind, frieren.“ Da keine Schutzwände aufgestellt worden sind, liegt überall Schutt und Staub. Küchenzeilen sind komplett zugestaubt – Essen zubereiten unmöglich. Bewohner berichten sogar von Architekten, die durch die Räume laufen und „Pläne schmieden“.

Nicht vertraglich abgesichert

Auch Türen wurden entfernt – obwohl das per Gerichtsbeschluss schon einmal untersagt wurde (NRZ berichtete). Denn schon einmal ließ der Eigentümer sie ausbauen. Damals stoppte die verständigte Polizei den Ausbau, ein gerichtlicher Vergleich wurde erwirkt. „Türen dürfen nicht ausgebaut werden, wenn jedoch Renovierungen nötig sind, soll aber Zugang gewährt werden“, so Dörrenbächer Doch nicht nur da zeige sich der Investor von einer unguten Seite. In den 90er Jahren hatten die damaligen „Armen Brüder“ das mit Spenden finanzierte Haus gekauft, um dort Obdachlose wohnen zu lassen. 2017 verkaufte die Ordensgemeinschaft, die rund sieben Millionen Euro verzockt haben soll und nun Franzfreunde heißt, das Haus an den Investor.

„Wenn man sich mit dem auseinandersetzt, merkt man schnell, dass er dafür bekannt ist, Sozialwohnungen zu kaufen, die Leute rauszuwerfen und Luxusimmobilien daraus zu machen“ so Streetworker Dörrenbacher. Zwar hätten die Franzfreunde beim Verkauf wohl gesagt, dass das Haus weiterhin sozialverträglich sein muss – es aber nicht vertraglich abgesichert.

Mietern wurden 2500 Euro angeboten

Bald schon gab es die ersten Mieterhöhungen, so Dörrenbächer. Ein Mieter geriet sogar einen Monat in Rückstand, Papiere hatte er vergessen abzugeben. Es fehlten 100 Euro. „Wir haben damals versucht mit dem Eigentümer zu reden, wir hätten die 100 Euro auch bezahlt. Doch er ist nicht drauf eingegangen.“ Auch 2500 Euro wurden den Mietern angeboten, damit sie das Haus verlassen. Manch einer sei leider darauf eingegangen, so der Streetworker. Sie leben jetzt wieder auf der Straße. „Das ärgert uns. 20 Leute sind wieder wohnungslos geworden, denen es dort gut ging.“

Fiftyfifty will alles nun noch einmal prüfen lassen. Doch auch wenn es wieder vor Gericht geht – „den Eigentümer scheint das nicht zu jucken“, so Dörrenbächer. So ist das Haus für ihn nun auch eine „Art Mahnmal dafür, was passiert, wenn man an solche Investoren verkauft.“

Wann greift die Stadt ein - Kommentar von Katharina Gilles

Wie mit den Bewohnern der Lessingstraße 25 umgegangen wird, zeigt auch hier wieder: Profitgier geht auf dem Wohnungsmarkt oft über Menschlichkeit. Ein Investor, der die Geldzeichen förmlich in den Augen hat, kann schalten und walten, wie er will und ignoriert sogar Gerichtsurteile. Doch auch die Franzfreunde haben auf ganzer Linie versagt. Nicht nur, dass sie Millionen verzockt haben, auch wurde versäumt, die sozialverträgliche Komponente beim Verkauf schriftlich festzuhalten. Auf der Strecke bleiben die Bewohner, die nun schon wieder ihr Heim verloren haben.

Und wann greift die Stadt endlich ein? Schließlich wird die Miete der verbliebenen Bewohner aus öffentlicher Hand gezahlt.

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