Denkmalschutz

Ist diese Mauer schützenswert?

Während ihr viele beim Vorbeikommen wohl kaum Beachtung schenken, ist die Mauer doch eines der letzten Zeugnisse der alten Drahtindustrie, die zwischen den 1840er und 1920er Jahren den Gerresheimer Ortskern prägte. Doch die Stadt will die alte Fassade, die immer wieder beschmiert wird, nicht unter Denkmalschutz stellen.

Während ihr viele beim Vorbeikommen wohl kaum Beachtung schenken, ist die Mauer doch eines der letzten Zeugnisse der alten Drahtindustrie, die zwischen den 1840er und 1920er Jahren den Gerresheimer Ortskern prägte. Doch die Stadt will die alte Fassade, die immer wieder beschmiert wird, nicht unter Denkmalschutz stellen.

Gerresheim.   Fassade der Gerresheimer Drahtfabriken ist eins der letzten Zeugnisse der alten Drahtindustrie. Warum das Bauwerk für die Stadt kein Denkmal ist.

Während ihr einige Autofahrer beim täglichen Vorbeifahren keine Beachtung schenken, ist die Werksmauer an der Heye-straße in Gerresheim für andere ein Ort zum Austoben, sie wirkt heruntergekommen, ist Opfer von Schmierereien. Für dritte jedoch bedeutet diese Mauer sehr viel mehr: Sie deutet auf vergangene Zeiten hin, als Gerresheim noch ein wichtiges Zentrum der Drahtindustrie war.

Drahtstiftefabriken prägten das Bild

Noch bevor die Glashütte kam, ab den 1840er Jahren, prägte eine Reihe von Drahtstiftfabriken den Charakter des alten Gerresheimer Ortskerns. Als letztes sichtbares Zeichen des fast vergessenen Industriezweigs sollte die alte Werksfassade zusammen mit einem Kaminstumpf mit Resten der nördlichen Backsteinfassade und der „Shedhalle“ im Inneren des Geländes als Denkmal geschützt werden, bei der Stadt entschied man sich dagegen. Der Grund: Man habe nach einer Prüfung im vergangenen Jahr im Benehmen mit dem Landschaftsverband festgestellt, „dass die Anlage kein Denkmal im Sinne des Denkmalschutzgesetzes ist.“ Hintergrund seien massive Zerstörungen. Durch die Bombenangriffe und bauliche Veränderungen sei die historische Aussagekraft weitgehend verloren.

„Unverständlich“, meint Rainer Klöpper (CDU), einer der Antragssteller. Das Mitglied der Bezirksvertretung 7 war von dem Entscheid überrascht: „Wir haben mit dem damaligen Denkmalschutz-Chef Jörg Heimeshoff getroffen und uns beraten lassen, er war unserer Meinung“, erinnert sich der Anwohner. Die Werksreste seien das letzte sichtbare Zeugnis der Gerresheimer Drahtindustrie. „Von der Drahtstiftefabrik Dreher sind bis auf Fragmente einer Grotte im Park des Fabrikbesitzes keine baulichen Zeugnisse erhalten. Die Drahtstiftfabrik von Gahlen, als erste der Gerresheimer Fabriken im ehemaligen Katharienenberg-Kloster, dem heutigen Gerresheimer Rathaus, untergebracht, verlor seine letzten Spuren im Zuge der Ortskernsanierung“, heißt es in der Antragsstellung.

„Man würde nicht denken, wo überall Draht drin ist. In der Architektur, Rheinbrücken, Nägeln, Speichen vom Fahrrad “, sagt Historiker Peter Stegt und erinnert somit an die scheinbare Bedeutsamkeit des Industriezweigs. Nicht nur für Gerresheim seien die Reste des Industriezweigs wichtig, sondern auch für Düsseldorf und die Branche insgesamt: Nachdem Firmen wie Rheinmetall die Gerresheimer Unternehmen schluckten, wurde Düsseldorf während der Industrialisierung zu einem der deutschen Schwerpunkte der Drahtindustrie. Der Verein Eisendraht- und Stahldraht-Vereinigung ist der deutsche Zentralverband der Drahtindustrie und hat noch heute seinen Sitz in der Landeshauptstadt.

Ringofen als Vorbild für die Mauer

Nun sorgen sich die Antragssteller darum, dass die letzten baulichen Reste der Firma Künne aus dem 19. Jahrhundert dem Bauboom zum Opfer fallen. Wenn jetzt jemand die Mauer abreißen wollte, kann er es ohne Hindernisse tun. Die Antragssteller wollen den Entschluss aber noch nicht akzeptieren. Als positives Beispiel nennen sie den geschützten Ringofen in Ludenberg, er zeige, wie altes Gemäuer den Standort attraktiver machen kann.

>>> VON DEN LEIDEN EINES FABRIKARBEITERS

In einem erhaltenen Brief beschwert sich ein Fabrikarbeiter bei dem „Herrn Bürgermeister Bender“ über die Firma D. Künne & Sohn. Wie Th. Schroeder schreibt, war er bei der Firma „als Maschinensteller beschäftigt.

Von Letzteren wurde eine reparaturbedürftig, welches jedoch schnell und leicht ausgeführt werden konnte und was ich auch dem betreffenden Meister sagte.“ Der Meister hörte aber nicht auf den Maschinensteller und die Maschine wurde kurzerhand ausgetauscht.

Zum Pech des Arbeiters, denn an der neuen, kleineren Maschine konnte er wegen seiner schlechten Augen nicht arbeiten, weshalb er es einfach ließ. Er wurde daraufhin entlassen.

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