Subkultur

Jonny Bauer liest „Shanghai Schaschlik“ im Düsseldorfer Zakk

Ausbrechen aus den Normen, selbstbestimmtes Leben, einen anderen Weg gehen. Der Düsseldorfer Autor Jonny Bauer hat sich wieder einmal wund geschrieben und nun „Shanghai Schaschlik“ vorgelegt.       

Ausbrechen aus den Normen, selbstbestimmtes Leben, einen anderen Weg gehen. Der Düsseldorfer Autor Jonny Bauer hat sich wieder einmal wund geschrieben und nun „Shanghai Schaschlik“ vorgelegt.       

Foto: STEPHAN WAPPNER

Düsseldorf.  Der Düsseldorfer Künstler und Aktivist Jonny Bauer hat ein neues Buch geschrieben. Ein Gespräch über Fernweh, Freundschaft und chinesisches Essen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Jonny Bauer schreibt Texte. Songtexte für die Düsseldorfer Punkband Oiro, bei der er auch singt. Prosa für Kinderbücher, Erzählungen, Romane. Jonny Bauer schreibt sehr viel, gerne nachts, er schreibt und schreibt und schreibt, und das ist auch gut so. Nach „Scheiternhaufen“ ist jetzt sein neuer Roman „Shanghai Schaschlik“ erschienen. Ein Werk, das mit einfacher, klarer Sprache besticht, Kleingeisterei verurteilt und die tiefe Sehnsucht nach Freundschaft, Durchbrennen und – das ist dann wiederum Geschmackssache – chinesischem Essen transportiert. Ein Gespräch mit dem „Brause“-Gründer, früheren Hausbesetzer, Mofafahrer und Nichtraucher über Literatur, Musik, die Acht Kostbarkeiten“ und den Zustand dieser Welt.

Jonny Bauer, Sie werden gelegentlich mit Sven Regener verglichen. Ist das nicht eine Beleidigung?

Jonny Bauer: (echauffiert sich) Ich war gestern bei einem Konzert von Element of Crime beim ansonsten tollen Lieblingsplatte-Festival und habe aufgrund der Nicht-Durchmischung des Publikums, sondern der überwiegend älteren, total spießigen Anwesenden gedacht, was bin ich froh, dass ich nicht Sven Regener bin, denn wenn ich so ein Publikum hätte, müsste ich kotzen. Ein unglaublich schlimmes, fest verwachsenes Publikum, das schon zwei Stunden vor Konzertbeginn da ist, das einen nicht vorbei lassen will, wenn man Bier holen möchte. Ich finde, ein Konzert muss in Bewegung sein, wellenhaft, die Leute gehen und schwimmen aneinander vorbei. Was ich erlebt habe, war genau das Gegenteil. Die Leute standen da wie Grabsteine, da tat mit der Regener schon Leid. Ich bin ein großer Fan von seiner Literatur, der Besuch von Element of Crime-Konzerten hat sich für mich erledigt.

Was das Schreiben betrifft: In Ihren Büchern wird ähnlich viel geredet wie bei Regener. Es wird gelabert, ohne Punkt und Komma, manchmal auch ohne Sinn und Verstand.

Ja. Ich kenne Leute, die hassen solche Literatur, weil zu viel drumherum geredet wird, weil es oft keine Pointe gibt. Ich bin natürlich auch ein Fan von großen Schriftstellern wie Kurt Tucholsky, der in einem Satz ausdrücken kann, wofür ich zehn Seiten brauche. Aber ich finde auch dieses Szene-Gelaber geil – aber es muss den Ton treffen, authentisch sein.

Sie haben mir mal erzählt, dass Sie einfach drauf los schreiben.

Ja. Ist immer noch so. Ich habe die Idee von einer Geschichte, aber das ist es dann auch. Ich fände es total langweilig, wenn ich beim Schreiben wüsste, wo ich am Ende hinkomme. Das wäre so ein stumpfes Abarbeiten einer Geschichte. Bei Shanghai Schaschlick wusste ich auch nicht, was passiert. Und so war ich am Ende zufrieden, weil es der Übergang ist zu meinem neuen Buch, in dem die Türkei eine große Rolle spielen wird. Es fügt sich zusammen, das finde ich schön.

Das Fernweh, das Abhauen, spielt erneut eine große Rolle in Ihrem Buch. Dieses Bild bemühen Sie, seit Sie Kunst machen. Es gibt einen Kurzfilm, in dem Sie mit dem Mofa nach Italien unterwegs sind.

Ja, das Ausbrechen spielt eine ganz große Rolle. Wahrscheinlich, weil ich nie wirklich abgehauen bin, es ist wohl eine nicht ausgelebte Sehnsucht. Das Ausbrechen aus den Normen, selbstbestimmtes Leben, einen andere Weg gehen – das interessiert mich. Gerade Italien bedient ja das klassische Bild des deutschen Fernwehs. Aber es geht mir auch gar nicht so ums Ankommen, sondern um das Unterwegs sein. Es gibt kein Ziel. Deshalb war ich schon auch immer viel unterwegs, meistens mit Bands, als Manager, Fahrer, Bandmitglied. Das hat dann auch wieder mit Freundschaft zu tun. Man ist in der Subkulturszene unterwegs, hat dadurch Freunde und Bekannte in ganz Deutschland oder Europa. Das hat auch den Vorteil, dass man viel umsonst pennen kann. Für mich macht es keinen Sinn, als Tourist beispielsweise nach London zu fahren. Davon habe ich nichts.

Es wird in ihrem neuen Buch viel über chinesisches Essen schwadroniert. Waren Sie überhaupt schonmal beim Chinesen?

Nicht so oft, ich bin Vegetarier, da ist das eher schwierig. Es ging mir ja auch um die Tatsache, dass es fast unmöglich ist, irgendwo außerhalb Chinas authentisches chinesisches Essen zu bekommen. Es geht in „Shanghai Schaschlik“ nicht um die tolle authentische Küche, sondern um die China-Imbisse, die in den achtziger Jahren in Deutschland den großen Boom erlebten. Da ging es mir eher um den Trash-Faktor. Im China-Restaurant hast Du halt oft ungelernte Köche, die Zutaten verwenden, die es in China gar nicht gibt, wie Bambussprossen aus der Dose oder Tomatenmark. Glückskekse sind in China übrigens auch nicht bekannt.

Sie schreiben auch Kinderbücher. Warum?

Zum einen macht es für mich keinen Unterschied, ob ich Kinder- oder Erwachsenenliteratur mache. Kinder werden von mir genauso ernst genommen wie Erwachsene. Deshalb können meine Kinderbücher auch von Erwachsenen gelesen werden. Kinder- und Jugendliteratur lese ich selbst und auch meinen eigenen Kindern vor. Was mich nur entsetzt, ist die Verlagsindustrie in Bezug auf Kinderliteratur. Wenn zum Beispiel Manuskripte mit der Begründung abgelehnt werden, sie seien zu fantasievoll. Lieber wird in Serie produziert, es geht auch hier nur nur ums Verkaufen.

Auf dem Hörbuch zu „Shanghai Schaschlik“ ist die Stimme von Schauspielerin Yvon Jansen zu vernehmen. Warum liest eine Frau aus diesem Best-Buddy-Buch?

Yvon ist vom Schauspiel Köln. Sie ist super. Ich habe das letzte Hörbuch selbst gemacht, das hat auch total Spaß gemacht, aber diesmal wollte ich unbedingt, dass eine Frau die Story liest, wo ja eigentlich zwei Typen die Protagonisten sind. Das hat hingehauen, das hat einen besonderren Reiz, weil es ein wenig obskur ist. Yvon ist übrigens auch Sängerin und hat gerade eine neue Platte heraus gebracht, die heißt „Yvon und der Kreis der Liebe“ und ist mit Jacques Palminger und Erobique entstanden. Überragende Platte, dringend zu empfehlen.

Wann fahren Sie nächstes Mal mit dem Mofa nach Italien?

Bin schon unterwegs. Weiß nur noch nicht genau, wann ich ankomme.

Das Interview führte Stephan Wappner

Lesung am 21. Dezember im Zakk

Es ist die Geschichte des China-Restaurants außerhalb Chinas. Und sie wird live vorgetragen von Jonny Bauer und seinem Co-Autor Jenz Bumper. Zunächst am Freitag, 20. Dezember, 20 Uhr, im Kobra-Kino in Solingen (Merscheider Straße 77-79). Und am Samstag, 21. Dezember, 20 Uhr (Einlass 19 Uhr), liest das literarische Duett dann im Zakk-Club an der Fichtenstraße aus „Shanghai Schaschlik“. Karten im Vorverkauf kosten 10 Euro, an der Abendkasse 13 Euro. Die NRZ Düsseldorf verlost unter nrz.de/shanghai für die Lesung im Zakk zweimal zwei Tickets. Um Karten zu bekommen, müssen Sie uns allerdings ihr Lieblingschinarestaurant in Düsseldorf nennen.

„Shanghai Schaschlik“ ist im Verlag „Salon Alter Hammer“ erschienen; gebundenes Buch, 144 Seiten, kostet 12,90 Euro, ISBN 978-3-940349-10-1; ist aber auch als Hörbuch (Verlag: Grand Hotel van Cleef) erhältlich, gelesen von Schauspielerin Yvon Jansen.

Mehr Informationen zu diesem und jenem gibt es unter: www.jonnybauer.net

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben