Karnevalszug

Jüdische Gemeinde mit Heinrich Heine im Rosenmontagszug

Der Entwurf von Jacques Tilly für den Karnevalswagen der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf.  

Foto: Jacques Tilly

Der Entwurf von Jacques Tilly für den Karnevalswagen der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf.   Foto: Jacques Tilly

Düsseldorf.   Der Wagen-Entwurf von Jacques Tilly zeigt einen schreibenden Heinrich Heine liegend in der Düsseldorf-Stadtkulisse.

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Am 12. Februar gibt es in Düsseldorf eine Premiere: Die Jüdische Gemeinde will mit einem eigenen Wagen im Rosenmontagszug mitfahren. Die NRZ hatte bereits im Sommer über die Pläne berichtet, am Wochenende wurde der Entwurf für den Wagen öffentlich. Die Idee hatte der Düsseldorfer Künstler und Wagenbauer Jacques Tilly, der den Wagen auch bauen wird. Er zeigt einen liegend schreibenden Heinrich Heine in der Düsseldorf-Kulisse. Dazu der Satz: „Wir feiern den größten jüdischen Sohn unserer Stadt“. Heinrich Heine hätte im Dezember 220. Geburtstag gehabt.

Noch fehlt der Jüdischen Gemeinde Geld für das Vorhaben, das mindestens 30 000 Euro kostet. „Für die Organisation und Umsetzung dieses Vorhaben braucht es eine gewisse Geldsumme, die wir teilweise über Spenden aufbringen müssen. Egal, ob Wagenbauer, Technik, Musiker, koschere Kamellen, Gebühren oder Security – alles hat seinen Preis“, schrieb die Gemeinde am Wochenende auf Facebook und bittet um Spenden für dieses „historisch einmalige Projekt“.

„Wir gehören auch zum Karneval“

Die Düsseldorfer Gemeinde ist die erste in Deutschland, die sich aktiv am Rosenmontagszug beteiligt. Die Karnevalszüge vor allem in Mainz, aber auch in Düsseldorf und Köln, waren während der Nazi-Zeit für übelste antisemitische Hetze benutzt worden. Vielleicht, sagt Michael Szentei-Heise, der Verwaltungsdirektor der Düsseldorfer Gemeinde, habe er deshalb früher nie darüber nachgedacht, mitzumachen. Jetzt, da er es getan hat, sagt er: „Als selbstbewusster Teil der Stadtgesellschaft gehören wir auch zum Karneval.“ Und: „Wenn’s klappt, werfe ich persönlich koschere Kamelle.“ Szentei-Heise hatte die Wagen-Idee, als er vergangenes Jahr der Einladung des Oberbürgermeisters auf die Rosenmontagstribüne am Rathaus gefolgt war.

Lob und Kritik gibt es im Internet

Im Internet gibt es neben Lob auch Kritik an dem Vorhaben der Gemeinde. Vor allem, weil der Karneval während der Nazi-Diktatur für anti-jüdische Hetze missbraucht wurde. Und außerdem sei Heine vom Judentum zum Christentum konvertiert und liege in Paris auf einem christlichen Friedhof. Denn um seine Anstellungschancen als Jurist zu erhöhen, hatte Heine sich nach dem bestandenen Examen im Juni 1825 protestantisch taufen lassen.

Wie denken Sie darüber: Ist es gut und richtig, dass sich die Jüdische Gemeinde am Rosenmontagszug beteiligt? Oder finden Sie das nicht gut? Und mit welcher Begründung? Schreiben Sie Ihre Meinung per Post an NRZ, Immermannstraße 40, 40210 Düsseldorf oder per Mail an lok.duesseldorf@nrz.de (gömi)

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