Schlagerstar

Ex-Voxxclub-Sänger Julian David über Karriere und Homosexualität

Schlager-Sänger und Ex-Voxxclub-Frontmann Julian David spricht im Interview über seine Karriere, Schlager und Homosexualität.

Foto: Anelia Janeva

Schlager-Sänger und Ex-Voxxclub-Frontmann Julian David spricht im Interview über seine Karriere, Schlager und Homosexualität. Foto: Anelia Janeva

Düsseldorf.  „Liebe ist Liebe, egal wem man sein Herz schenkt“, sagt Sänger und Ex-Voxxclub-Frontmann Julian David. Im Mai ist er beim CSD in Düsseldorf.

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Himmelblaue Augen, silberblonde Haare: Zu den Künstlern beim diesjährigen Christopher-Street-Day (CSD) in Düsseldorf gehört auch der gut aussehende Julian David (27). Der Mitbegründer und ehemalige Frontmann der Boyband Voxxclub ist seit fast zwei Jahren als Solokünstler erfolgreich in Sachen Schlager unterwegs. Mit der NRZ spricht er über seine Karriere, über die Schlagerwelt und Homosexualität.

Frage: Sie sind in Mannheim geboren und aufgewachsen, haben die Hälfte ihrer Kindheit in Köln verbracht, leben jetzt in München und Berlin. Ein Umzugs-Traum oder -Trauma?

Julian David:Jetzt wo ich das höre, klingt es nach ganz schön viel. Ganz ehrlich? Für mich ein Traum. Ich verbinde mit jeder Stadt tolle Erinnerungen. Ich bin ein Entdecker, möchte mich ausprobieren und möglichst viel erleben. So sind bisher schon einige Etappen zusammen gekommen. Meine Mama, mein Bruder und der Kinderchor in Mannheim, meine Oma in Köln, das Musical Studium in München und jetzt Schlager in Berlin und in ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz (lacht).


Sie waren Gründer und Frontmann bei Voxxclub. Dann die Trennung in einer erfolgreichen Phase. Warum?

Alles im Leben hat seine Zeit. Und gehen soll man, wenn es am Schönsten ist. Es waren zweieinhalb intensive Jahre mit der Band. Ich habe viel gelernt. Dafür bin ich sehr dankbar. Diese Zeit hat mich dahin gebracht, wo ich heute bin. Das Beste an der Band waren die vielen Reisen und die Menschen, die ich unterwegs kennen lernen durfte.


Sie singen deutschen Schlager. Der ist stark in Mode. Warum haben sie sich auf Schlager festgelegt?

Ich liebe Schlager. Schlager verbindet seit Jahrzehnten Generationen, verbreitet gute Laune und macht ganz einfach großen Spaß. Mich hat man schon immer eher auf der Schlagerparty getroffen als im Techno-Club. Die Schlager-Fans sind auch sehr treue Seelen. Viele von ihnen kenne ich seit der ersten Stunde. Das Schönste für mich ist, dass sie auch untereinander starke Freundschaften pflegen. Sie kommen in Fahrgemeinschaften zum Konzert, teilen sich Hotelzimmer und lassen sich gemeinsam immer wieder neue, tolle Aktionen einfallen, um mich zu überraschen oder zu unterstützen. Oft sitzen sie noch lange nach der Show zusammen und feiern sich und das Leben. Das ist meine Schlagerwelt!


In Ihren Liedern geht es fast immer um Liebe und Beziehung. Ist das nicht zu schnulzig?

Ich singe von Themen, die mich und meine Freunde, Familie, aber auch die Fans bewegen. Da gehört die Liebe ganz klar mit dazu. In meinem aktuellen Song „Spektakulär“ geht es um mehr als um Liebe. Es geht darum, den Moment zu leben. Die Menschen so zu akzeptieren, wie sie sind. Sie nicht trotz, sondern wegen ihrer kleinen Fehler zu lieben. Und wenn ich das mache, dann klingt das garantiert nicht nach Schnulze (lacht). Wenn du die Nummer hörst, dann willst du sofort mitsingen und mittanzen.


Gibt es in Sachen Schlager ein musikalisches Vorbild? Wen finden Sie persönlich am besten?

Für mich gibt es nicht das eine Vorbild. Howard Carpendale ist toll, Andrea Berg und Helene Fischer sind spektakulär, Jürgen Drews ist der Hammer. Diese Liste könnte ich jetzt endlos fortführen. Jeder dieser Künstler hat seine eigene Handschrift. Keinen kannst du mit dem anderen vergleichen, aber alle sind der Hit. Ganz besonders beeindruckt bin ich auch von Michelle. Mit ihr im Duett zu singen war eines der Highlights im letzten Jahr.


Am 28. Mai treten Sie beim CSD in Düsseldorf auf, eine Veranstaltung die für Gleichberechtigung und Toleranz gegenüber homosexuell liebende Menschen wirbt und hauptsächlich schwule und lesbische Besucher hat. In der Schlagerwelt existiert dieses Thema nicht. Warum treten Sie als Schlagerstar bei einem CSD auf?

Diese Frage habe ich mir nie gestellt. Warum sollte ich dort nicht auftreten? Liebe ist Liebe, egal wem man sein Herz schenkt. Letztes Jahr war ich der Abschluss-Act auf dem CSD in München. Das war ein super Abend auf dem Marienplatz. Selten war ein Publikum so textsicher wie dort. Sie konnten wirklich jeden Song mitsingen. Und dort siehst du nicht nur Männer, die Männer lieben oder Frauen, die Frauen lieben. Dort treffen sich alle, für die Respekt und Toleranz keine Fremdworte sind. Ich freue mich auf Düsseldorf!


Haben Sie keine Angst, dass Sie durch diesen Auftritt in die schwule Ecke gedrückt werden?

In der Schule war ich in der Theatergruppe und nachmittags habe ich im Chor gesungen. Die Mädels fanden es toll, einen Sänger in der Klasse zu haben, manche Jungs fanden das vielleicht komisch. So ist das halt, wenn man nicht immer mit dem Strom schwimmt. Natürlich möchte jeder gemocht werden. Aber Ich habe mir nie große Gedanken darüber gemacht, was andere von mir halten. Und das mache ich auch heute nicht. Wer sich den Kopf darüber zermartern möchte, mit wem ich in die Kiste hüpfe, der soll das gerne tun (lacht). Manchmal mache ich daraus sogar ein Spiel. In meiner Generation und in meinem Umfeld scheint das erfreulicherweise kein so großes Thema zu sein, wie noch bei einigen anderen.


Sind Sie auch beim CSD in Köln, dem größten in Deutschland?

Bislang ist nichts geplant. Weder beruflich noch privat. Ich fürchte fast, das Bühnenprogramm für dieses Jahr ist auch schon besetzt. Ich bin überall dort, wo Schlager gefeiert wird. Dann heize ich richtig ein und gebe Gas. Gerne auch in Köln.


Sie sind mit ihrer Mutter und Ihrem Bruder in einfach Verhältnissen in Mannheim aufgewachsen. Urlaub, Auto oder Taschengeld kannten sie nicht. Was bedeutet es für Sie, dass es Ihnen heute finanziell gut geht, sie plötzlich im Rampenlicht stehen und von vielen Menschen auf der Straßen erkannt werden?

Das es mir durch meine Arbeit gut geht, ist etwas großartiges. Dadurch kann ich zum Beispiel meiner Mama etwas zurückzugeben und mit ihr an Orte reisen, für die uns früher einfach das Geld gefehlt hat. Dieses Jahr steht eine Städtereise nach Rom auf dem Plan. Wenn wir es terminlich noch auf die Reihe kriegen. Der wachsende Bekanntheitsgrad macht Spaß und ich bin gerne in Kontakt mit den Fans. Also auf der Straße einfach anquatschen (lacht).


Steht in diesem Jahr noch etwas Besonderes bei Ihnen an? Was können Ihre Fans von Ihnen noch erwarten?

2017 ist voller Höhepunkte: Auftritte bei den großen Schlager-Nächten, beim Schlager-Olymp, TV-Termine im ZDF Fernsehgarten, bei Immer wieder sonntags, jetzt zu Muttertag bei Stefanie Hertel im MDR. Wer mehr erfahren möchte, darf gerne auf meine Facebook Seite klicken, denn ich muss zugeben, ich lebe von Woche zu Woche und weiß nicht im Detail was dann kommt. Das muss ich dann auch nachschauen (lacht).

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