Lokalpolitik

Junge Düsseldorfer drängen mit neuen Ideen in den Stadtrat

Der Rat, der hier wegen der Corona-Pandemie und den daraus folgenden Abstandsregeln im Congress Center der Messe tagt, bekommt junge Neuzugänge. Am Donnerstag trofft sich der Rat nochmal in seiner alten Konstellation, diesmal im Rather Dome.

Der Rat, der hier wegen der Corona-Pandemie und den daraus folgenden Abstandsregeln im Congress Center der Messe tagt, bekommt junge Neuzugänge. Am Donnerstag trofft sich der Rat nochmal in seiner alten Konstellation, diesmal im Rather Dome.

Foto: MICHAEL_GSTETTENBAUER

Düsseldorf.  Einige neue Ratsmitglieder sind deutlich jünger als der Durchschnitt im Düsseldorfer Stadtrat. Sie berichten von ihren Erwartungen und Anliegen.

Viele neue Gesichter werden im Stadtrat zu begrüßen sein, wenn er das erste Mal in neuer Aufstellung zusammenkommt. Unter den Neuzugängen sind auch merklich jüngere Leute als das 50-jährige durchschnittliche Ratsmitglied.

„Ich hoffe, dass es dadurch zu einer größeren Behandlung von Themen kommt, die besonders für junge Menschen relevant sind“, sagt Julia Marmulla, gewähltes Ratsmitglied der Linken, „das sind vor allem Umwelt, Verkehr und Wohnungsbau“. Bei keiner Ratsfraktion findet eine so radikale Verjüngung statt wie bei ihrer – um ganze 20 Jahre verringert sich der Altersdurchschnitt.

„Umwelt, Verkehr und Wohnungsbau“

„Bei diesen drei Politikfeldern waren wir schon vorher sehr stark, wir werden vieles weiterführen“, so die 32-Jährige weiter, „allerdings werden wir gerade auf die Themen Kinderbetreuung und Quartierentwicklung einen neuen Fokus setzen“. Unter den neuen Parteien im Stadtrat setzt Marmulla vor allem in die Klimaliste Hoffnung – diese könnten gemeinsam mit den Linken die Grünen „an ihre grüne Seele erinnern“, so Marmulla.

Das kann sich Lukas Fix, 27 Jahre alt und neues Ratsmitglied für die Klimaliste, gut vorstellen: „Was ich vor allem möchte, ist Dinge durchsetzen, die uns zu sozial gerechtem Klimaschutz führen.“ Besonders auf kommunaler Ebene ist das wichtig, sagt er. Als einzelner Abgeordneter wird er dafür wenige Möglichkeiten haben. Die Klimaliste verfolgt auch nicht das Ziel, langfristig zu einer großen Partei zu werden.

Daher hält er es für richtig, „als Druck-Ausüber oder als schlechtes Gewissen“ auf Parteien einzuwirken, um sie in die richtige Richtung zu schicken. „Das gilt insbesondere für die Grünen, die wir an ihre Wurzeln erinnern müssen“, so Fix. „Wir müssen zeigen, dass es eine Partei gibt, die ein echt ökologisches Programm bietet.“ Auf lange Sicht denkt er, dass die anderen Parteien ihre umweltpolitischen Punkte annehmen müssen, wenn sie nicht bei den Wählern verlieren wollen.

Junge Leute als In-Frage-Steller

„Ich glaube, dass junge Leute, die politisch aktiv sind, die Möglichkeit haben, Fragen zu stellen und in Frage zu stellen“, sagt Lukas Mielczarek. Mit dem 20-Jährigen zieht auch für die Grünen ein langjähriger Fridays-For-Future-Aktivist in den Rat ein. In seinem mittlerweile mehrere Jahre andauernden Engagement habe er gemerkt, dass auf Nachfragen bei Lokalpolitikern häufig die gleichen Antworten kommen: „Das haben wir schon immer so gemacht“ etwa. Natürlich vor allem für Anliegen des Klimaschutzes will er künftig ein Sprachrohr im Rat sein. Dabei weist er darauf hin, dass dieser nicht nur eine Angelegenheit junger Leute sei, und letztlich alle Generationen im Rat zusammenfinden müssen.

Thomas Peußer (31) von der SPD zeigt sich bezüglich der neuen Zusammenstellung des Rates nicht besonders begeistert: „Ich freue mich, dass die SPD und einige andere Parteien diesmal mehr jungen Menschen die Mitarbeit im Düsseldorfer Stadtrat ermöglicht haben“, sagt der neue Ratsherr, nachgerückt für Thomas Geisel. „Dennoch ist der Altersschnitt bei allen Parteien durchgehend höher als der Bevölkerungsdurchschnitt.“

Zu wenig repräsentiert seien aber auch Menschen mit Migrationshintergrund. Dazu zeigt er sich schockiert über den geringen Frauenanteil in der CDU-Fraktion, der bei unter 20 Prozent liegt. Die Perspektive, die Ratsmitglieder mitbringen, „unterscheidet sich bei den unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen zum Teil erheblich“, mahnt Peußer, „weshalb eine funktionierende Demokratie die Vielfalt der Gesellschaft auch in den Parlamenten abbilden sollte.“ Von den jungen Menschen im Stadtrat erhofft er sich neue Akzente in den Bereichen Digitalisierung und Nachhaltigkeit. „Hierzu möchte ich selbst im Stadtrat meinen Anteil leisten.“

Ratsmitglieder erwarten neue Ideen im Stadtrat

Altgediente Düsseldorfer Politiker können an den Neuzugängen bisher nur Gutes finden: „Ich finde es toll, dass junge Leute bereit sind, in der Kommunalpolitik mitzuarbeiten“, sagt FDP-Vorsitzende und Bundestagsmitglied Marie-Agnes Strack-Zimmermann. Besonders, da Kommunalpolitik nicht einfach sei, sondern „komplex und über einen millionenschweren Haushalt entschieden werden muss“.

„Ich finde es vom Grundsatz her immer gut, es müssen neue Ideen in den Stadtrat kommen“, sagt CDU-Ratsherr Peter Blumenrath. Und: „Der Stadtrat muss auch ein Stück weit die Stadtgesellschaft abbilden.“ Sein Ratskollege Giuseppe Saitta, wie Blumenrath Mitglied des Fraktionsvorstandes, ist der gleichen Meinung: „Insgesamt wird im Rat jetzt die gesamte Altersspanne vertreten sein, das wird sich sicher gut auswirken.“

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