Hilfsprojekt

Kinder in Gefahr

Foto: NRZ_Kai Kitschenberg

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Zwischen 1500 und 3000 Kinder eines Jahrgangs in Düsseldorf laufen Gefahr, bis zum sechsten Lebensjahr Opfer von Gewalt, Missbrauch oder Vernachlässigung zu werden.

Diese „wissenschaftlich abgesicherte Zahl” nennt Kinderneurologe Wilfried Kratzsch (67), der vor Jahren schon in Gerresheim ein Netzwerk gründete, um frühzeitig gefährdeten Kindern und ihren Müttern zu helfen (die berichtete). Jetzt steht Kratzsch, der Ende 2008 von der Kanzlerin geehrt wurde, an der Spitze einer neuen „Stiftung Deutsches Forum Kinderzukunft”, die sich gestern im Sana-Krankenhaus in Gerresheim vorstellte.

Die Stiftung baut auf jahrelange Erfahrung des Netzwerks aus Hebammen, Kinder- und Frauenärzten, das inzwischen für mehr als 50 Städte zum Vorbild wurde, so Kratzsch. Nun will er alle, die mit Müttern und Kindern arbeiten, inklusive der Jugendhilfe, an einen Tisch holen und vernetzen - in ganz Deutschland. Ein Ziel: Einen Fragebogen für alle Praxen und Kliniken zu entwickeln. Mit dem sollen Mütter entdeckt werden, die überfordert sind, deren Kinder daher gefährdet sein könnten. „Wir haben hier ein ungeheures Know-How, das können wir ja allen Kliniken und Städten Deutschlands anbieten”, so Kratzsch.

Im Kuratorium sitzen unter anderem Dozentin Hildegard Grass vom Institut der Rechtsmedizin an der Heine-Uni, und Thomas Fischbach, Vorsitzender des Berufsverbandes der Kinderärzte Nordrhein. Der berichtet aus der Praxis, warum es schwierig sein kann, Gefährdungen frühzeitig zu erkennen: Eine junge Frau kommt zur Vorsorgeuntersuchung ihres Kleinen, alles scheint normal, bis der Mutter der Ärmel hochrutscht: Sie hatte sich selbst am Arm mit dem Messer verletzt, Hinweis auf große seelische Nöte - nur zufällig entdeckt. „Andere Kinder”, so Fischbach humorvoll, „zerlegen mir die Praxis, da weiß man dann gleich, da ist Handlungsbedarf.”

Die Stiftung arbeitet, so Kratzsch, „auf Augenhöhe mit der Jugendhilfe der Stadt zusammen.” Im Bund wollen sich die Ärzte für eine gesetzlich geregelte Bezahlung für die Vorbeugung einsetzen.

Infos ab nächster Woche: www.forum-kinderzukunft.de

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