Corona-Krise

Corona: Kliniken in Düsseldorf finanziell besser ausstatten

In den Krankenhäusern werden planbare Operationen verschoben.

In den Krankenhäusern werden planbare Operationen verschoben.

Foto: Fabian Sommer / dpa

Düsseldorf.  In den Düsseldorfer Krankenhäusern werden planbare Operationen wie Hüft-OPs wegen der Corona-Lage verschoben. Dadurch fehlen Einnahmen.

Der Verbund Katholischer Kliniken Düsseldorf (VKKD) ist alarmiert über die ungenügende finanzielle Ausstattung der Krankenhäuser zur Bewältigung der Corona-Krise. Die Krankenhauslandschaft, die derzeit so sehr gelobt werde, stehe in Gefahr, zerstört zu werden, so Sprecher Peter Schmitz.

Gleichzeitig übt das VKKD massive Kritik an Gesundheitsminister Spahn. „Statt die Gesundheitsversorgung in Corona-Zeiten zu sichern, stranguliert der Bundesgesundheitsminister die Krankenhäuser. Die auf dem Tisch liegenden Vorschläge zur Finanzierung der stationären Corona-Vorsorge sind für die zu erwartenden Patienten lebensbedrohlich“, heißt es in einer Mitteilung des VKKD.

Fehlende Einnahmen müssen ausgeglichen werden fordern Kliniken

Momentan werde die nicht lebensnotwendige gesundheitliche Regelversorgung auf ein Minimum herunter-, die Corona-Bereitschaft maximal hochgefahren. Doch nun fühle man sich von der Politik durch Unterfinanzierung im Stich gelassen, so Schmitz. Die fehlenden Einnahmen des heruntergefahrenen Regelbetriebs müssten eigentlich ausgeglichen werden. Ein Zuschlag für die Corona-Kosten müsse hinzukommen, heißt es in der Mitteilung. Bereits die letzten Krankenhaus-Bilanzen zeigten, dass 40 Prozent der Versorger in die roten Zahlen gerutscht seien.

Schmitz rechnet vor: „Im Marienhospital hatten wir 2018 Erlöse durch planbare OPs in Höhe von 98,4 Millionen Euro bei 94.000 Patiententagen. Das sind umgerechnet 1040 Euro pro Patiententag. Spahn möchte umgerechnet rund 560 Euro Ausgleich zahlen, also quasi nur die Hälfte.“ Kostenreduzierungen seien auf der anderen Seite aber schlichtweg nicht drin. „Der Löwenanteil der Kosten sind Personalkosten.“ Und das Personal, so Schmitz werde dringend benötigt.

Auch Lothar Kratz, Referatsleiter bei der Krankenhausgesellschaft NRW mit Sitz in Düsseldorf, befürchtet nichts Gutes. „Ausfälle bei den Einnahmen durch Operationen können nicht in dem Maße ausgeglichen werden, wie es sein sollte. Das ist das Problem mit Spahns Schutzschild“, so Kratz. Wenn die Gelder aber fehlen, so befürchtet er Insolvenzen. Dass die Krankenhäuser so im Regen stehen gelassen werden, obwohl sie an vorderster Front sich um die Patientenversorgung kümmern, „geht nicht“.

Planbare Operationen komplett verschoben

Auch in der Uniklinik fehlen durch die planbaren Operationen, die dort „komplett verschoben“ wurden, „ein großer Teil der Einnahmen“, so Sprecher Tobias Pott. So fallen etwa Hüft-OPs, Zahn-Behandlungen etc. aus. Bei manchen Patienten werde nach „individueller Verfassung“ entschieden. „Bei manchen kann auch eine Herzklappen-OP verschoben werden, bei anderen ist so eine OP zwingend notwendig“, so Pott.

Die planbaren OPs wurden laut Pott auch deswegen bereits jetzt verschoben, „weil wir nicht wissen, wann die Patientenflut kommt“. Das mache Planungen schwierig. Dennoch werde jeden Tag bei der Krankenhauseinsatzleitung geschaut, was doch noch getan werden kann. Und in Sachen Finanzierung sieht er Spahn in der Pflicht. „Er hat zugesagt, dass Krankenhäuser keine Nachteile haben. Daran wird er gemessen werden.“

Beim Florence-Nightingale-Krankenhaus der Kaiserswerther Diakonie setzt man in diesen Zeiten auf die Krankenhausgesellschaften. „Sie verhandeln für uns und setzen sich gut für unsere Belange ein“, so Sprecherin Katharina Bauch.

Noch Nachbesserungspotenzial

Im Evangelischen Krankenhaus betont man, dass man sich „den Forderungen sämtlicher Verbände“ anschließt, so Sprecherin Mareike Dietzfelbinger. So hatte etwa die Deutsche Krankenhaus Gesellschaft (DKG) zwar die Nachbesserung der Politik zur Finanzierung anerkennt, sieht aber noch weitere Möglichkeiten zur Entlastung.

Auch bei den Sana-Kliniken in Gerresheim und Benrath ist man sich der angespannten Lage bewusst. Die Krankenhäuser haben mit Lieferengpässen und deutlich erhöhten Preisen zu kämpfen – etwa für Schutzkleidung, die inzwischen nur noch für ein Vielfaches des regulären Preises erhältlich ist. Zwar wurde der erste Entwurf von Jens Spahn überarbeitet und damit „einige Schritte in die richtige Richtung gemacht“, heißt es in einer Mitteilung der Sana-Klinik – „auch wenn es an vielen Stellen weiteren Nachbesserungsbedarf gibt“.

Dieser könne zu einem späteren Zeitpunkt diskutiert werden. Vor allem bei der Beseitigung bürokratischer Hürden ist noch Potenzial. „Ein großer Wurf ist das Vorgehen also nicht – aber in Anbetracht der Kürze der Zeit und vor dem Hintergrund, dass zügig Liquidität fließen muss, eine Grundlage, auf der man im Moment arbeiten kann.“

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