Neuer Antrag

Kommt eine Frauenquote für Straßennamen in Düsseldorf?

Clara Schumann hat bisher keinen Straßennamen erhalten.

Clara Schumann hat bisher keinen Straßennamen erhalten.

Foto: Sergej Lepke / Sergej Lepke / WAZ Fotopool

Düsseldorf.  Die Düsseldorfer Linke wünscht sich ein ausgewogenes Verhältnis bei Straßennamen – der Frauenanteil liegt derzeit bei drei Prozent.

Nachdem ein wissenschaftlicher Beirat vor drei Wochen der Politik die Umbenennung von zwölf Straßennamen empfohlen hatte, weil deren Namensgeber mit Kolonialismus, Militarismus, Nationalsozialismus und Antisemitismus in Verbindung stehen, beschäftigen sich die Fraktionen mit der Suche nach neuen, geeigneten Namen für Düsseldorfer Straßen.

Düsseldorfer Linke fordert 50 zu 50-Verhältnis bei Straßennamen

Für die Linke sollen diese möglichst weiblich sein, denn der Frauenanteil an Straßen, die nach Personen benannt wurden, liegt derzeit bei gerade einmal drei Prozent. Linke-Ratsfrau Angelika Kraft-Dlangamandla bringt deshalb eine Frauenquote ins Spiel und möchte einen entsprechenden Antrag vorbereiten.

„Dass nur drei Prozent der Straßen nach Frauen benannt sind, ist eine Schande. Wenn ich einen Wunsch hätte, hätten wir ein ausgewogenes Verhältnis von 50 zu 50. Ich weiß aber auch, dass das sehr, sehr ambitioniert ist. Aber es gibt genug Frauen, nach denen Straßen benannt werden können“, sagt Kraft-Dlangamandla. Ihre ersten Vorschläge heißen Henny Dreifuss, die 2017 starb und ihr Leben lang gegen Ungerechtigkeit, Faschismus und Krieg gekämpft hatte, sowie Maria Wachter, Widerstandskämpferin und später Ehrenmitglied des Fördervereins der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf.

Nicht alle befürworten die Quote

Auch in der FDP-Fraktion waren die wenigen nach Frauen benannten Straßen schon Gesprächsthema. „Wir sind uns einig, dass es mehr werden müssen. Aber eine Frauenquote möchte ich nicht fordern“, sagt Monika Lehmhaus. Falls aber der Stadtrat den Empfehlungen des Beirats nachkommen sollte und Straßennamen ausgetauscht würden, seien nun die Frauen an der Reihe. „Allerdings nicht auf Biegen und Brechen. Der Name muss zum jeweiligen Viertel passen und die Straße darf jetzt nicht einfach nach einer Frau benannt werden, weil es davon zu wenige gibt“, sagt Lehmhaus. Eine Favoritin hat sie schon: „Düsseldorf hat noch keine Clara-Schumann-Straße und sie hätte dies sicherlich verdient.“

Auch Clara Gerlach von den Grünen hält den Drei-Prozent-Anteil für zu gering, redet deswegen aber nicht von einer Quote: „Es lassen sich auch so eine Menge Frauen finden. Eine nach Angelika Kauffmann benannte Straße fände ich schön.“ Die Künstlerin steht auch auf der Liste von Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD). Außerdem schlägt er Marie Juchacz vor, die etwas mehr als vor 100 Jahren die Arbeiterwohlfahrt gegründet hatte und 1956 in Düsseldorf starb. Der OB ist aber nicht der Meinung, dass nun nur noch Frauennamen ausgewählt werden müssen. Männer, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg um das Land verdient gemacht hätten, könnten es auch sein. Geisel denkt dabei parteiübergreifend an Helmut Kohl, Willy Brandt, Helmut Schmidt und Richard von Weizsäcker. „Namensgeber aus der jüngeren Vergangenheit sind unterrepräsentiert“, sagt Geisel.

Rat muss erst grünes Licht geben

Friedrich G. Conzen (CDU), Vorsitzender des Kulturausschusses, der den Beirat mit der Kategorisierung der Straßennamen beauftragt hatte, lehnt eine Quote ab: „Ich persönlich halte von der Idee nichts. Wenn eine Straße einen neuen Namen benötigt und ein guter Vorschlag vorliegt, können wir die Straße gerne nach einer Frau benennen. Aber eine Quote brauchen wir nicht.“

Bastian Fleermann, Leiter der Mahn- und Gedenkstätte und Vorsitzender des Beirats, möchte noch keine „Ersatznamen“ nennen: „Wir müssen die Entscheidung der Politik abwarten. Es steht nicht einmal fest, ob der Rat über unsere Empfehlungen im Ganzen oder individuell abstimmt. Solange es keine Lücke gibt, brauchen wir als Einsatz auch keine neue Namen – es wäre alles nur spekulativ.“

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