Lokales

Kritik an Verdi wegen Dumping-Löhnen

Diakonie und Awo beklagen, dass Förderprojekte wegen geringer Personalkosten an eine Verdi-Tochter vergeben werdenDiakonie und Awo beklagen, dass Förderprojekte wegen geringer Personalkosten an eine Verdi-Tochter vergeben werden.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Lässt es die Gewerkschaft Verdi zu, dass Mitarbeiter der Verdi-nahen „Deutschen Angestellten Akademie“ (DAA) unter dem Tarif bezahlt werden, den Verdi mit der Awo und der Diakonie ausgehandelt hat? Awo und Diakonie formulierten gestern gemeinsam harsche Kritik an der DAA, in deren Vorstand einige Verdi-Vertreter sitzen. Weil die DAA niedrige Löhne für ihre Pädagogen und Sozialarbeiter zahle, schnappe sie sowohl Awo wie Diakonie etliche Projekte weg, denn wegen der geringeren Personalkosten sei die DAA billiger.

Dabei geht es um Maßnahmen, um arbeitslose Jugendliche und Erwachsene ohne Schulabschluss ins Berufsleben einzugliedern. Seit 2004 schreiben Jobcenter oder Arbeitsagentur solche Maßnahmen öffentlich aus.

Awo und Diakonie hielten sich an Tarife ähnlich dem des öffentlichen Dienstes, die mit Verdi ausgehandelt wurden, erläutert Michael Kipshagen, Geschäftsführer der Awo Düsseldorf. „Wir fragen uns, wieso wir als Tariftreue keine Chance am Markt gegen Bewerber haben, die Haustarife zahlen, die mit Verdi ausgehandelt wurden“, so Kipshagen süffisant.

Nach einer Verdi-Tabelle zahlt die DAA ihren Mitarbeitern bisher zwischen 1605 und 3081 Euro monatlich brutto. Bei Awo und Diakonie erhalten die Lehrkräfte oder Sozialpädagogen zwischen 2680 und 3700 Euro brutto, legt Wolfgang Förster dar, Chef im Awo Berufsbildungszentrum.

Das verlor 2013 etwa sechs Ausschreibungen, von 13 Ausschreibungen verlor die Renatec, die etwa Jugendliche für ein Berufsleben fit macht, im vorigen Jahr sechs. Britta Zweigner, Chefin bei der Renatec, macht den Umfang solcher Förderprojekte deutlich: Sie müssen Mitarbeiter, Werkstätten, Kinderbetreuung für Allein Erziehende vorhalten. „Wenn wir auf Dauer Projekte verlieren, müssen wir Räume aufgeben, und auch das Netzwerk an hilfreichen Verbindungen, das wir aufgebaut haben, geht verloren.“

Awo und Diakonie als große Wohlfahrtsverbände der Stadt mit in Jahrzehnten eingespielten Netzwerken könnten ganz aufhören in diesem Bereich, meint Thorsten Nolting, Vorsitzender der Diakonie. „Wenn wir keine Chancen haben, werden wir uns gar nicht mehr bewerben“, so Nolting. „Aber sollen sich auf Dauer gut ausgebildete Mitarbeiter andere Jobs suchen, die womöglich geringer bezahlt werden?“, kritisiert er mögliche Konsequenzen.

„Wir versuchen seit langem, mit Verdi auf Landesebene zu reden“, sagt Kipshagen, man habe aber nichts erreicht.

Verdi verhandle gerade bundesweit darüber, dass Neueinstellungen bei der DAA einen höheren Lohn bekommen sollen, berichtet Günter Isemeyer, Pressesprecher von Verdi NRW. Ein Sprecher der DAA in Düsseldorf will nicht mit einer Stellungnahme zitiert werden und verweist auf den Personalchef in Hamburg.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik