Prostitution

Aus Düsseldorf kommt Kritik an möglichem Sexarbeit-Verbot

Im Gegensatz zu vielen anderen europäischen Ländern, ist Prostitution in Deutschland erlaubt. SPD-Politiker Karl Lauterbach will Sexarbeit verbieten, doch Kritiker befürchten negative Konsequenzen.

Im Gegensatz zu vielen anderen europäischen Ländern, ist Prostitution in Deutschland erlaubt. SPD-Politiker Karl Lauterbach will Sexarbeit verbieten, doch Kritiker befürchten negative Konsequenzen.

Foto: Andreas Arnold

Düsseldorf.  SPD-Politiker regt Sexarbeit-Verbot an. In Düsseldorf stößt der Vorschlag jedoch auf Kritik. 736 Prostituierte in der Rheinmetropole registriert.

Sex gegen Geld könnte es zukünftig in Deutschland nicht mehr geben – zumindest wenn es nach der SPD geht. Jüngst hatten Sozialdemokraten wie der Politiker Karl Lauterbach gefordert, Prostitution nach dem nordischen Modell zu reformieren.

Rund 9300 Prostituierte sind derzeit in NRW gemeldet

Während Prostitution in Deutschland seit 2001 unter bestimmten Auflagen legalisiert ist, wird das horizontale Gewerbe in vielen europäischen Staaten anders geregelt: dort ist das Anbieten solcher Dienstleistungen zwar nicht strafbar, dafür ist aber der Sexkauf illegal. In NRW sind mit 9300 Prostituierten bundesweit die meisten Personen im Sexgewerbe gemeldet, in Düsseldorf sind es 736 – im Verhältnis zu den NRW-Einwohnerzahlen ein nicht unerheblicher Anteil. Düsseldorfer Politiker sowie Einrichtungen, die sich mit dem Milieu befassen, stehen einem möglichen Verbot jedoch kritisch gegenüber.

Laut Studien können nach einem Verbot negative Konsequenzen drohen

Im November vergangenen Jahres fand in Düsseldorf eine Fachtagung zum Prostituiertenschutzgesetz statt. Dabei wurde schnell deutlich: einige Verbände begrüßen ein Prostitutionsverbot, doch ein Großteil – gerade Einrichtungen, die sich aktiv mit dem Milieu befassen – lehnen ein solches Verbot ab. Düsseldorfs Gleichstellungsbeauftragte Elisabeth Wilfart erklärt, warum ein Verbot negative Konsequenzen haben könnte: „Nur weil Prostitution nicht mehr sichtbar ist, heißt es ja nicht, dass es sie nicht mehr gibt.

Wenn Prostitution dann nur noch in dunklen Ecken stattfindet, gibt es kaum noch Schutzmöglichkeiten für Sexarbeiterinnen und auch keine gesundheitliche Kontrolle und Beratung.“ Wilfart verweist auf eine Studie des Deutschen Instituts für Menschenrechte, die bei einem möglichen Verbot zu einer ganz ähnlichen Betrachtung kommt: Gewalt gegen Prostituierte würde steigen, Arbeitsbedingungen würden sich verschlechtern und sexuell übertragbare Krankheiten würden sich vermehren. Auch der Menschenhandel würde sich dadurch nicht verringern.

Selbst innerhalb der SPD scheint das Thema nicht gut anzukommen: „Ich halte es für falsch, Prostitution zu verbieten. Prostitution wird es wahrscheinlich immer geben, daher müssen den Personen, die Sexarbeit ausüben, Schutz und Rechte garantiert werden“, so Düsseldorfer SPD-Chef Andreas Rimkus.

Soziale Projekte helfen den Sexarbeiterinnen vor Ort

Auch aus der CDU – die Lauterbachs Vorschlag zu Teilen unterstützt – kommt Kritik: „Ein Verbot bringt nichts, wenn Frauen in die Illegalität getrieben werden. Personen, die Sexarbeit anbieten, dürfen nicht ausgebeutet werden, es braucht Schutzmaßnahmen und Kontrolle des Milieus“, sagt CDU-Bundestagsabgeordnete Sylvia Pantel, die das Prostituiertenschutzgesetz mit auf den Weg gebracht hat. Sexarbeiterinnen bräuchten Rechte und die Möglichkeit auf eine selbstbestimmte Ausübung.

In Düsseldorf gibt es verschiedene Institutionen, die sich mit legaler Prostitution als auch dem illegalen Straßenstrich auseinandersetzen. Zum einen gibt es den runden Tisch des Gleichstellungsbüros, an dem OSD, Polizei, Jugendamt und soziale Einrichtungen zusammenkommen, um Informationen zusammenzutragen und herauszufinden, wo Handlungsbedarf besteht. Zum anderen gibt es Einrichtungen wie den Sozialdienst katholischer Frauen und Männer in Düsseldorf (SKFM), die Unterstützung vor Ort leisten.

„Bei unserem Projekt namens Rahab gehen zwei Kolleginnen in Einrichtungen wie Bordelle und Clubs, um Frauen und Männer anzusprechen und zu beraten“, sagt Projektleiterin Birgit Schmitz. Bisher haben die Mitarbeiterinnen des Projekts, welches seit Mitte 2019 besteht, 300 Frauen in Düsseldorf erreicht. „Wir unterstützen Sexarbeiterinnen bei Fragen zu ihrer Arbeit, Gesundheit, aber auch in Schulden – und Erziehungsfragen“, so Schmitz.

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