ÖPNV

Ledersitze für U-Bahn: New Yorker Standard reicht nicht aus

Michael Clausecker, Vorstandssprecher der Rheinbahn, sitzt in der U-Bahn vom Typ B80, die mit neuen Ledersitzen ausgestattet wurde.

Foto: Niklas Tröschel

Michael Clausecker, Vorstandssprecher der Rheinbahn, sitzt in der U-Bahn vom Typ B80, die mit neuen Ledersitzen ausgestattet wurde. Foto: Niklas Tröschel

Düsseldorf.   Die Rheinbahn in Düsseldorf investiert in ungewöhnliche Sitzpolster. Der Anlass dafür waren Arbeiten am Brandschutz.

Mit klassischen Schickimicki-Vorurteilen hat Düsseldorf zu häufig zu kämpfen. In der Landeshauptstadt müsse immer alles ein Tick vornehmer sein als im Rest des Landes. Die Rheinbahn scheint dieser Vorstellung noch etwas mehr Futter zu geben. Denn während die Untergrundzüge in Metropolen wie New York und Barcelona auf Sitzschalen aus Plastik setzen und in Paris oder London die Fahrgäste auf Stoff Platz nehmen, ist das der Düsseldorfer Rheinbahn nicht genug.

Bis zum Ende dieses Jahres werden die Fahrzeuge auf den Linien U70, U76 und U79 sukzessive mit Ledersitzen ausgestattet. „Es ist ein anderes Komfort-Niveau“, erklärt Michael Clausecker, Vorstandssprecher der Rheinbahn, und fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: „Damit werden wir den Düsseldorfer Ansprüchen gerecht.“

Rheinbahn investiert 3,1 Millionen Euro

Anlass für den Umbau waren Brandschutzbestimmungen, die die alten Stoffsitze nicht mehr erfüllten. Es wurden 3,1 Millionen Euro für die neue Ausstattung in 102 Bahnen investiert. „Diese neuen Sitze sind echte Brandbremsen“, bewirbt Clausecker: „Dazu ist das Material sehr widerstandsfähig, leicht zu reinigen und beim Austausch der Polster entsteht weniger Staub, was für unsere Mitarbeiter angenehmer ist.“

Wichtig sei die geringe Brennbarkeit des Materials. Jörg Klaeden, Bereichsleiter für die Rheinbahn-Fahrzeuge, hat mit seinem Team Tests an dem Leder durchgeführt: „Wenn beispielsweise eine Sporttasche auf den Polster Feuer fängt, hätten die alten Sitze weitergebrannt. Das Leder hält mehr Wärmeenergie aus und verlöscht sich selbst.“

Ledersitze verursachen „kleinen Mehrbetrag“

Die Mehrkosten für die Lederausstattung im Vergleich zu Plastikschalen konnte die Rheinbahn nicht beziffern. Vorstandssprecher Clausecker bezeichnete die Investition als einen „kleinen Mehrbetrag“. Eine kostenaufwendige Herausforderung sei dagegen der Brandschutz gewesen.

Angst vor Vandalismus hat Clausecker ebenfalls nicht. „Je hochwertiger die Ausstattung, desto weniger Vandalismus sehen wir. Das ist eine Regionen-übergreifende Erfahrung im ÖPNV. Die Leute gehen mit den Sitzen besser um.“

Herstellung mittels Recycling

Die Polster entstehen aus einem Recycling-Verfahren. „Es werden Reste aus der Herstellung andere Waren gesammelt, diese Lederschnitzel anschließend industriell geformt“, erklärt Bereichsleiter Jörg Klaeden die Herstellung. Nach Informationen der Rheinbahn wurden bereits erste Fahrgäste zu den Ledersitzen befragt. Das Ergebnis sei „eindeutig positiv“ ausgefallen. Leder entspricht scheinbar ganz dem Düsseldorfer Anspruch.

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