„Man kann nicht mehr als ein Steak essen“

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Normalerweise ist Udo van Meeteren kein Mensch, der gern über sich spricht. Interviews lehnt er lieber ab, bei offiziellen Anlässen hält er sich zurück. Doch diesmal läuft alles anders. In diesen Tagen steht er im Mittelpunkt des Interesses. Und so macht der 86-Jährige vielleicht aus der Not eine Tugend, als er jetzt in den Räumen der Gerda-Henkel-Stiftung ausführlich Auskunft gibt über sein Leben und sein Engagement. Das hat ihm soeben den Deutschen Stifterpreis des Bundesverbands Deutscher Stiftungen beschert, der damit zum ersten Mal nach Düsseldorf geht. Ein Gespräch über die Kunst des Helfens.

Sieht aus, als halte es jung, sich für die Gemeinschaft einzusetzen. Udo van Meeteren sitzt kerzengrade, von Müdigkeit keine Spur, obwohl der Abend fortgeschritten ist – die blauen Augen blitzen vor Lebensfreude. Es scheint gut gelaufen zu sein für den bald 87-Jährigen, beruflich und privat. Er nutzte die Wirtschaftswunderjahre für eine steile Karriere. Seit mehr als 50 Jahren ist er verheiratet und Vater von zwei Töchtern. Dass sein Sohn tödlich verunglückt ist, Ende der 1970er, erzählt er nicht. Auch den Krieg und seine Gefangenschaft wird er später nur beiläufig erwähnen. Zufriedenheit ist auch Einstellungssache: „Es kommt im Leben immer auf das Saldo an. Und ich habe ein Riesenglück gehabt.“

„Nutze dein Leben, das Gute zu tun“, lautet sein Credo als Stifter. Das zitiert er auch an diesem Abend, als Hans Fleisch, Generalsekretär des Bundesverbands Deutscher Stiftungen, sein Engagement lobt. Er begründet die Jury-Entscheidung: Udo van Meeteren sei ein „Allround-Stifter im besten Sinne“, Düsseldorf und NRW wären ohne diesen Mäzen um viele soziale, karitative und wissenschaftliche Einrichtungen ärmer. „Es ist eine Tugend, dass er um seine Verdienste bisher wenig Aufhebens gemacht hat.“ Van Meeteren winkt ab. Mag sein, „aber ich hatte auch eine gute Ausgangsposition.“ Hans Fleisch lässt die Zeit Revue passieren. 1980 gründete der Kaufmann seine Stiftung van Meeteren. Heute beträgt ihr Vermögen rund 70 Millionen Euro, zehn davon in Rücklagen. 1,8 Millionen schüttete sie 2012 aus. Gefördert werden Projekte in Wissenschaft, Kultur und Naturschutz. Udo van Meeteren ist Mitgründer der Stiftung Schloss Benrath, der Bürgerstiftung Düsseldorf, der Stiftung Begabtenförderung Düsseldorf, um nur einige zu nennen.

1926 wurde er in Mülheim geboren. „Ein Zufall“, scherzt er heute. Im Alter von vier Wochen zog Udo van Meeteren nach Düsseldorf, „eigentlich sollte ich hier zur Welt kommen, aber die Handwerker sind nicht rechtzeitig fertig geworden“. Der Junge litt an einem Herzklappenfehler. Er wuchs zu schnell. Flakhelfer konnte er nicht werden, machte statt dessen Abitur. 17 war er da und Pennäler am Gymnasium an der Prinz-Georg-Straße. „Wir waren nur zwölf Schüler.“ Er studierte Maschinenbau und Bergbau, bevor er zur Luftwaffe eingezogen wurde. Der junge Mann geriet in französische Kriegsgefangenschaft, magerte ab bis unter 60 Kilo. Nach dem Krieg ging er nach Amerika und fand dort gute Jobs. Hier erlebte er zum ersten Mal, was bürgerschaftliches Engagement zu leisten vermag.. „Demokratie“, sagt er heute, „ist die beste Regierungsform, die es gibt. Sie gibt Menschen die Möglichkeit, ihr Leben zu gestalten. Wir sollten uns jederzeit für die Demokratie einsetzen. Jeder so gut wie er kann.“

Es ist spät geworden. Der Preisträger ist putzmunter. Er erzählt von Hobbys wie der Musik - Van Meeteren spielt Akkordeon- und Saxofon, „ich hatte sogar mal einen Vertrag bei Ariola“. Und er berichtet von Projekten, die ihm am Herzen liegen. Der Universität Witten-Herdecke stiftete er einen Lehrstuhl für Umwelttechnik. Kurz nach der Wende unterstütze er eine Augenklinik in Ostdeutschland, so dass 700 Patienten am Grauen Star operiert werden konnten. Für Van Meeteren sind Stiftungen die nachhaltigste Form bürgerschaftlichen Engagements, „das Wirkungsvollste, was man in seinem Leben machen kann“. Die Zeit ist ideal: Immer mehr Menschen sind älter als 55, viele haben keine Kinder. „Und bedenken Sie: Man kann nicht mehr als ein Steak essen.“

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