Kirchenstreit

Kirchenstreik: „Maria 2.0“ plant neue Aktionen in Düsseldorf

Die Aktivistinnen und Aktivisten von Maria 2.0 fordern Kardinal Woelki zum Dialog auf.

Die Aktivistinnen und Aktivisten von Maria 2.0 fordern Kardinal Woelki zum Dialog auf.

Foto: Arne Dedert / dpa

Düsseldorf.  Mit einem Mittel aus der Arbeitswelt wollen Frauen die katholische Kirche wachrütteln: Streik. Nun soll es neue Aktionen in Düsseldorf geben.

Länger war es still um Maria 2.0. Die bundesweite Protestbewegung hatte es sich zur Aufgabe gemacht hat, die archaischen Strukturen in der katholischen Kirche aufzubrechen und einen Reformkurs einzuleiten. Unter anderem fordert die Bewegung, die auch in Düsseldorf tätig ist, Frauen und Männern den gleichberechtigten Zugang zu kirchlichen Ämtern zu gewähren, den Pflichtzölibat aufzuheben und die sexuellen Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche endlich aufzuklären.

Im Mai hatten die Mitglieder mehrerer Düsseldorfer Gemeinden zum einwöchigen Kirchenstreik aufgerufen – Ehrenamtliche hatte daraufhin ihre soziale Tätigkeiten für mehrere Tage pausiert. Und jetzt plant Maria 2.0 weitere Aktionen für Düsseldorf.

Weitere Aktionen seien notwendig, „denn bislang hat es keine öffentlichen Reaktionen von den Amtsträgern aus Köln gegeben“, sagt Barbara Krug, Koordinatorin von Maria 2.0 in Düsseldorf. 1500 Unterschriften wollen die Garather „Marias“ Kardinal Rainer Maria Woelki persönlich überreichen – doch zu einem Treffen kam es bislang nicht, und der Kardinal schweigt weiterhin. Lange wird sich Woelki einer Antwort aber wahrscheinlich nicht mehr verschließen können, denn die Reform-Bewegung wächst stetig.

Kirche schweigt weiterhin

Seit der Aktionswoche im Mai dieses Jahres zeigen sich immer mehr Pfarrer wie etwa Oliver Boss, Leiter der Gerresheimer Gemeinde, gesprächsbereit. Auch der Düsseldorfer Rat der Katholiken, der den Stadtdechant berät, sympathisiert mit den Forderungen von Maria 2.0: „Ich finde die Forderungen richtig. Wir müssen uns die Frage stellen, wie die katholische Kirche eigentlich in zehn Jahren aussehen soll. Es treten immer mehr Menschen aus, wir müssen uns der Gegenwart anpassen“, sagt der Ratsvorsitzende Martin Philippen.

Und immer mehr Mitglieder kritisieren auch die strukturellen Probleme in der Kirche: „Die Machtstrukturen sind mit dem Absolutismus zu vergleichen. Dies ist nicht mehr zeitgemäß. Frauen, als über 50 Prozent der Mitglieder und maßgeblich ehrenamtlich tätig, werden immer noch durch das Kirchenrecht diskriminiert. Wenn Verantwortliche nicht zügig handeln, wird die Spaltung – die wir nicht wollen – kommen“, sagt Barbara Krug von Maria 2.0. Krug ist in der Bürgerstiftung Gerricus ehrenamtlich tätig.

Der Katholikenrat ist sich der Probleme bewusst und will das Thema bald auch mehr in die Öffentlichkeit holen. In der jüngsten Sitzung des Katholikenrats Anfang Juli seien die Forderungen von Maria 2.0 nochmal ausgiebig diskutiert worden. „Wir werden uns nach den Sommerferien klar zu dem Thema positionieren“, so Philippen.

Mühlen mahlen langsam

Könnte also bald Bewegung in die Debatte kommen? Barbara Krug weiß jedoch: „Namhafte Theologen bestätigen zwar die Richtigkeit unseres Ansatzes, doch die Kirche bewegt sich wieder langsam und bremst durch mangelnden Dialog und Kommunikation.“ Dieser Mangel machte sich zuletzt auch im Fall um den beurlaubten Stadtdechant Ulrich Hennes bemerkbar. So hatten Düsseldorfer Katholiken in einem Brandbrief an Kardinal Woelki die schlechte Kommunikation zwischen dem Amtsträger und der Gemeinde bemängelt.

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