Stadtteil-Serie

Marien Hospital im Pempelfort wurde einst aus Spenden gebaut

Blick aus der Blücherstraße: Das Marien Hospital in Pempelfort in einer Ansicht  aus den 1930er-Jahren.

Blick aus der Blücherstraße: Das Marien Hospital in Pempelfort in einer Ansicht aus den 1930er-Jahren.

Foto: Stadtarchiv Düsseldorf

Düsseldorf.   Das Marien Hospital ist seit Gründung 1864 ein Krankenhaus von den Bürgern für die Bürger. Schwerpunkt heute: interdisziplinäre Tumortherapie.

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In der Mitte des 19. Jahrhunderts gab es in Düsseldorf nur drei Krankenhäuser: Das Max-Joseph-Hospital in der Neustadt, die Krankenpflegeanstalt der Barmherzigen Schwestern in der Altestadt und das 1849 eröffnete Krankenhaus der evangelischen Gemeinde in der Berger Straße.

Als die Industrialisierung Düsseldorf erreichte, genügte diese medizinische Versorgung nicht mehr. Die Anzahl der städtischen Bevölkerung kletterte von 28 710 Bewohnern im Jahr 1831 auf 46 849 Bürger im Jahr 1858 nach oben. Dadurch nahmen auch die sozialen Probleme der Arbeiter nie da gewesene Ausmaße an.

‘Crowdfunding’ für ein neues Krankenhaus

Deswegen gründeten die Vorstände der sieben katholischen Pfarrgemeinden am 6. Juli 1864 den „Marien-Hospital-Verein“, der sich darum kümmern sollte, ein katholisches Krankenhaus in Düsseldorf zu bauen. Bis zum Ende des Monats hatte der Verein bereits 1401 Mitglieder und hatte 20 382 Taler Spenden gesammelt; Crowdfunding ist also keine neue Erfindung...

Bis zur Legung des Grundsteins für das neue Krankenhaus war in den nächsten Jahren eine Menge zu tun: Der Verein sammelte Spenden über die Kollekte, Basare oder Vorlesungen, um die Finanzierung zu ermöglichen. Dann suchte der Verein nach einem geeigneten Bauplatz und die entsprechenden Pläne mussten angefertigt werden. Als Eröffnungstermin rechnete man mit dem Frühjahr 1871.

Mehrfach unter Beschuss

Dazu kam es nicht. Als 1870 der deutsch-französische Krieg ausbrach, wurde ein Teil des Krankenhauses beschleunigt fertig gebaut, damit verwundete Soldaten behandelt werden konnten. Finanziert wurde das wieder durch die Spenden der Düsseldorfer. Am 15. August 1870 wurde das Marien Hospital in der provisorisch eingerichteten Kapelle eingeweiht – noch am Abend wurden die ersten Verwundeten aufgenommen. Bis zum Ende des Krieges, im Sommer 1871, wurden 1043 Soldaten im neuen Krankenhaus behandelt.

Verwundete Soldaten wurden auch in den folgenden Kriegen immer wieder in Pempelfort behandelt. Im Ersten Weltkrieg (1914-1918) wurden in dem eingerichteten Reserve-Lazarett 4816 Militärpersonen behandelt. Auch als 1939 der Zweite Weltkrieg ausbrach, stellte das Marien Hospital 300 Betten für die Soldaten bereit. Zwischen 1939 und 1945 geriet das Hospital selbst mehrfach unter Beschuss der Alliierten, so dass der Krankenhausbetrieb die meiste Zeit in den Kellern stattfand.

Erstaunlich ist, dass es während dem gesamten Beschuss nur ein Todesopfer gab. Es handelte sich um eine Dienstmagd, die tödlich verletzt wurde, als sie einen Eimer Wasser aus dem Garten holte. Nach Ende des Krieges war das Gebäude so stark zerbombt, dass es einsturzgefährdet war und neu gebaut werden musste.

Als sich Düsseldorf am 17. April 1945 ergeben hat und die Alliierten Truppen in der zertrümmerten Stadt eingezogen sind, wanderte der Krankenhausbetrieb aus den Schutzkellern wieder nach oben in die Behandlungs- und Krankenzimmer. Das Gebäude war zwar zu 70 Prozent zerstört, aber der Schutt wurde nur notdürftig beseitigt, damit Kranke und Verletzte so schnell wie möglich versorgt werden konnten.

Im Sommer 1945 begannen Handwerker dann mit der Renovierung des Krankenhausgebäudes. Schon ein Jahr später waren die Sicherungsarbeiten soweit fortgeschritten, dass dem Krankenhaus wieder 400 Betten zur Verfügung standen.

Trotz der Sanierungsarbeiten nach dem Zweiten Weltkrieg musste das Marien Hospital im August 1965 gesprengt werden, um einen kompletten Neubau zu ermöglichen. Zwei Jahre später konnte dann der Grundstein für das neue Krankenhaus in Pempelfort gelegt werden. In drei Bauphasen wurde das Gebäude errichtet, wie man es heute kennt. Im Jahr 1975 waren alle Phasen abgeschlossen und in den neuen Behandlungsräumen konnte der Betrieb aufgenommen werden.

Seit 2007 ist das Marien Hospital im Verbund Katholischer Kliniken Düsseldorf (VKKD). Jede dieser Kliniken hat einen anderen medizinischen Schwerpunkt. Das Marien Hospital in Pempelfort ist spezialisiert auf die interdisziplinäre Tumortherapie. Durch das 2013 errichte Strahlenzentrum haben die Ärzte nicht nur die Möglichkeit, Krebserkrankungen zu diagnostizieren, sondern sie auch zu behandeln.

Einmal in der Woche treffen sich Ärzte aus verschiedenen Fachbereichen zu dem sogenannten „Tumorboard“. Bei dieser Konferenz werden die Behandlungsmöglichkeiten der Tumore von den Patienten besprochen. Anwesend sind sowohl Chirurgen, als auch Experten der Inneren Medizin und der Strahlen- und Chemotherapie. Ziel ist, die bestmögliche Behandlung für jeden einzelnen Patienten zu finden.

>> Info: Lehr-Krankenhaus der Uni-Klinik

Das Marien Hospital mit seinen 850 Mitarbeitern ist heute ein akademisches Lehr-Krankenhaus der Heinrich-Heine-Universität. Geschätzt zehn bis 20 Studenten pro Semester absolvieren ihr erstes praktisches Jahr im Marien Hospital. Die Studenten schauen den geübten Ärzten über die Schulter, um ihr theoretisches Wissen aus den Vorlesungen an der Uni in die Praxis umsetzen zu können.

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