Rechtspopulismus

Massive Proteste bei Lesung von Thilo Sarrazin in Düsseldorf

Thilo Sarrazins Lesung aus seinem Buch (Archivbild) in Düsseldorf wurde von Protesten begleitet. Unbekannte zerstörten sogar im Vorfeld die Scheiben der Weinbar, in der der umstrittene Autor liest.

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Thilo Sarrazins Lesung aus seinem Buch (Archivbild) in Düsseldorf wurde von Protesten begleitet. Unbekannte zerstörten sogar im Vorfeld die Scheiben der Weinbar, in der der umstrittene Autor liest. Foto: imago

Düsseldorf.  Die Lesung des umstrittenen Autors Thilo Sarrazin in Bilk wurde von großem Polizeiaufgebot gesichert. Unbekannte warfen Scheiben der Weinbar ein.

Die Lesung des umstrittenen Autors und Rechtspopulisten Thilo Sarrazin wurde von massivem Polizeiaufgebot und Protest begleitet. Sarrazin hatte in der Weinbar Feinstil am Fürstenplatz aus seinem Buch „Wunschdenken“ vorgelesen.

„Rund 100 Polizeibeamte waren im Einsatz, damit die Veranstaltung weitestgehend normal ablaufen konnte“, sagt Polizeisprecher Markus Niesczery. Dass der Auftritt auch auf gewaltsamen Widerstand trifft, wurde bereits in der Nacht zu Mittwoch deutlich, als Unbekannte gegen 2.15 Uhr die Scheiben der Weinbar einschlugen. „Eine heiße Spur, wer dafür verantwortlich ist, haben wir derzeit nicht“, sagt der Polizeisprecher.

Protestler warf Bierflasche gegen Polizisten

Problematisch war der Protest der etwa 90 Menschen am Mittwoch vor der Weinbar der Polizei zufolge, weil er nicht angemeldet wurde. „Wir haben eine Anzeige gegen Unbekannt gestellt und versuchen, die Verantwortlichen zu ermitteln“, so Niesczery.

Als Sarrazin nach der zweistündigen Lesung das Lokal verließ und wegfahren wollte, sprangen zwei Leute vor das anfahrende Auto, um die Weiterfahrt zu behindern. Zudem warf einer der Protestierenden eine Bierflasche gegen einen Beamten. „Wir haben gegen den Flaschenwerfer und die beiden, die sich vor das Auto warfen, Anzeige gestellt“, so Niesczery.

Bürger aus dem Viertel hatten sich spontan zu Protest verabredet

Oliver Ongaro vom Bündnis „Düsseldorf stellt sich quer“ beobachtete den Protest. „Sarrazin kommt weder aus dem Viertel, noch kennt er die Leute hier, redet aber wahrscheinlich davon, dass die Leute sich hier abschaffen“, sagt Ongaro. Deshalb hätten sich Bürger aus dem Viertel spontan zum Protest verabredet.

Zuvor soll es eine Facebook-Gruppe gegeben haben, die die Protestaktion ankündigte. Die Aktion dürfte auch spontan gewesen sein, weil Sarrazins Lesung nicht für Mittwoch vorgesehen war. „Sarrazin wollte ursprünglich nur am Donnerstag kommen“, so Ongaro.

Für die Lesung am Donnerstag im Feinstil ist eine Gegendemonstration angemeldet worden.

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