Openair-Fläche

Messe-Bäume bekommen eine Stimme

So soll die Open-Air-Spielstätte für das Ed Sheeran-Konzert nach Vorstellung des Veranstalters aussehen. 

So soll die Open-Air-Spielstätte für das Ed Sheeran-Konzert nach Vorstellung des Veranstalters aussehen. 

Foto: FKP Scorpio

Düsseldorf.   Rund hundert Menschen demonstrierten am Mittwoch gegen das für 22. Juli geplante Konzert von Ed Sheeran an der Düsseldorfer Messe.

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„Ed Sheeran, bitte spiel dein Konzert in der Esprit-Arena”, steht auf einem Plakat in Form einer Sprechblase, das Aktivisten am Mittwoch Nachmittag um eine Eiche auf dem Messeparkplatz P1 banden. 100 Sprechblasen wurden für die hundert Bäume verteilt, die dort gefällt werden sollen, weil die Fläche des Parkplatzes ab 22. Juli als Open Air-Gelände für Konzerte dienen soll - mit Sänger Ed Sheeran als Eröffnungs-Act. Obwohl das Thema in den vergangenen Wochen von Politik und Bürgern hitzig diskutiert wurde, folgten nur rund hundert Menschen dem Aufruf, gegen die geplante Nutzung der Fläche zu demonstrieren. Ein Tropfen auf dem heißen Stein, verglichen mit den rund 80 000 Menschen, die für das Konzert des britischen Popmusikers aus ganz Deutschland zum Messeparkplatz anreisen werden.

Deswegen war es auch eine recht überschaubare Gruppe, die sich um Andrea Vogelsang, Vorsitzende der Baumschutzgruppe Düsseldorf versammelte: „Man kann doch nicht einfach hundert Bäume wegen eines vierstündigen Konzerts fällen”, so die Vorsitzende. Die Menschentraube applaudiert, Vogelgesang übergibt das Wort an Siegfried Küsel, Vorsitzender des Heimat- und Bürgervereins Stockum/Lohausen: „Wir befinden uns hier gerade in einem Landschafts- und Wasserschutzgebiet. Die Aktion mit dem Fällen und Umpflanzen von Bäumen hätte hier gar nicht geschehen dürfen, ohne Änderung des Bebauungsplans darf hier eigentlich gar nichts geschehen.”

Stadt lenkt das Gelände bereits in feste Bahnen

Ein Blick auf den Parkplatz zeigt aber: Die Stadt ist schon längst dabei, die Nutzung des Geländes als Open Air-Fläche in feste Bahnen zu lenken. Büsche, die als Nistplätze dienen könnten sind vor möglichen brütenden Vögeln mit Plastikplanen geschützt worden. Dem Vernehmen nach wurden alle Bäume schon auf Nester geprüft, damit der Fällung nichts im Wege stehen kann. Die Bürger vor Ort sehen sich bereits vor vollendete Tatsachen gestellt und fühlen sich von Oberbürgermeister Thomas Geisel übergangen: „Das Projekt ist demokratisch vollkommen intransparent, es wird einfach nur für den Kommerz durchgeboxt”, sagt Vogelgesang.

Thema war noch nicht im Stadtrat

Im Stadtrat ist das Thema nämlich bislang noch nicht abgestimmt worden, „es gibt noch keinen Ratsbeschluss und doch scheint Geisel das Thema einfach durchwinken zu wollen”, so Achim Betticher von der Partei Mensch, Umwelt, Tierschutz.Das Projekt könnte demnach durch den Rat noch gekippt werden, die Fraktion der Grünen diskutiert derzeit noch darüber, wie sie sich zu dem Thema positionieren will.

Grünen-Ratsherr Wolf will gegen das Projekt stimmen

Grünen-Ratsherr Dietmar Wolf weiß aber schon, wie er abstimmen will: „Ich werde gegen die neue Open Air-Fläche stimmen. Im Grunde ist die Idee gut, aber die Umsetzung gefällt mir gar nicht. Ich werde nicht in meinem Wahlkreis für den Baumschutz werben und dann die Fällung hier am Messe-Parkplatz unterstützen.” Baumschützer Michael Sodowski pflichtet bei: „Nach Ela haben wir 40 000 Bäume verloren. Ich sehe nicht ein, warum die Bürger danach für die Neupflanzung gespendet haben und jetzt die Bäume hier gefällt werden.” Auch Mitglieder der Ratsfraktion Tierschutz/Freie Wähler waren bei der demo dabei.

Bürger sorgen sich auch um den Schallschutz

Auch das Thema Schallschutz ist für viele Anwohner noch nicht ausreichend geklärt, ebenso die drohende Verschmutzung des Geländes: „Wenn rund 100 000 Menschen hierhin kommen wird haufenweise Müll anfallen, die Beseitigung zahlt am Ende dann wieder der Düsseldorfer Bürger”, so Siegfried Küsel.

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