Hooligans

Messer-Attacke auf Gegendemonstranten bei Rechten-Demo?

Messer-Attacke bei Rechten-Demo? Das Bündnis Düsseldorf stellt sich quer hat Video-Bilder im Internet durchforstet.

Messer-Attacke bei Rechten-Demo? Das Bündnis Düsseldorf stellt sich quer hat Video-Bilder im Internet durchforstet.

Foto: NRZ/Facebook

Düsseldorf.   Bei der "Patrioten NRW"-Demo in Düsseldorf gab es offenbar eine Messerattacke auf Gegendemonstranten. Bündnis entdeckt Video-Bilder im Internet.

Bei der Demonstration der rechtsgerichteten "Patrioten NRW" Mitte November in Düsseldorf gab es offenbar eine bis dato nicht entdeckte Messerattacke aus rechten Reihen auf einen Gegendemonstranten. Das Bündnis "Düsseldorf stellt sich quer" hat Videobilder dazu bei Youtube entdeckt. Am Montag wurde Strafanzeige bei der Düsseldorfer Polizei gestellt.

"Ein Kölner Hooligan schleuderte höchstwahrscheinlich ein Wurfmesser auf Kopfhöhe in Richtung einiger Gegendemonstranten und der Polizei. Er verfehlte dabei nur äußerst knapp sein Ziel", teilte das Bündnis am Montag unter anderem auf seiner Facebook-Seite mit. Entdeckt worden seien die Bilder bei einer "aufwändigen Video-Analyse" am vergangenen Freitag in einem fast zweistündigen Video, dass offenbar aus Reihen der Rechten von der Demo am 17. November gemacht und dann auf Youtube veröffentlicht wurde.

Bündnis stellte Strafanzeige

Die Video-Sequenz, die das Bündnis am Montag auch auf seinem Online-Blog weiter verbreitete, zeigt den Demonstrationszug auf der Haroldstraße und dokumentiert, wie mehrere Teilnehmer der Rechten-Demo sich plötzlich in Höhe des früheren NRW-Innenministeriums auf Gegner am Wegesrand stürzen. Während zu sehen ist, dass Polizisten einen der Angreifer am Boden fixieren, taucht aus der Menge der Rechten-Demo eine Hand auf, die einen nicht näher zu erkennenden Gegenstand in Richtung Gegendemonstranten schleudert.

"Wir haben die Bilder über das Wochenende von mehreren Experten sichten lassen und sind uns ziemlich sicher, dass es sich um ein Wurfmesser handeln könnte, vielleicht auch um einen Dolch", sagt Bündnis-Sprecher Oliver Ongaro auf Nachfrage. Man habe daraufhin an der betreffenden Stelle an der Haroldstraße nach dem Gegenstand gesucht, "aber wir haben nichts gefunden", sagt Ongaro. Am Montag seien die Bilder der Polizei übergeben und Strafanzeige gestellt worden.

Der Staatsschutz ermittelt

Die Polizei bestätigte auf Nachfrage: "Die Bilder wurden dem polizeilichen Staatsschutz zugeleitet und werden ausgewertet". Bewerten wollte man die Bilder jedoch vorerst nicht, sagte eine Sprecherin am Montag. Derzeit lägen acht Strafanzeigen im Zusammenhang mit den Demos vom 17. November vor: Vier gegen Teilnehmer aus der Gruppe der "Patrioten"; darunter auch Fälle , in denen je eine Flasche und ein Feuerzeug auf Gegendemonstranten geschleudert wurde, sagte die Sprecherin. Auch gegen vier Teilnehmer der Gegendemos wurde Anzeige gestellt, wegen Verstößen gegen das Vermummungsverbots, hieß es.

"Wenn sich unsere Vorwürfe bewahrheiten, haben wir es in Düsseldorf mit einer neuen Dimension rechter Gewalt zu tun", glaubt unterdessen Oliver Ongaro. Man habe auch deshalb das Internet nach Video-Bildern durchforstet, um den öffentlichen Druck auf die Polizei zu erhöhen, in der Sache zu ermitteln.

"Bruderschaften" vernetzen sich auch in Düsseldorf

Mit Argwohn beobachtet man beim Bündnis, "dass sich Hooligans und andere rechte Gewalttäter seit geraumter Zeit NRW-weit zu sogenannten Bruderschaften verbinden und öffentlich massiv auftreten", sagt Ongaro "Wir haben die Befürchtung, dass solche Gewalt-Exzesse bei den rechten Gruppen Schule machen". Bei der Polizei bestätigt man die Einschätzung des Bündnisses, dass sich rechte Gruppe zusammen mit dem Hooligan-Milieu in Düsseldorf derzeit verstärkt vernetzten: "Wir sehen es äußerst kritisch, was sich da tut", sagte die Polizeisprecherin. Handelnde Personen seien der Polizei bekannt. Konkrete Ansätze für Ermittlungen gebe es jedoch derzeit nicht.

Mehrere Hundert Rechte aus der Hooligan-Szene aus Düsseldorf und Umgebung hatten sich am 17.November am Johannes-Rau-Platz an der NRW-Staatskanzlei zu einer Kundgebung versammelt. Bei den Gegendemos versammelten sich laut Gegen-Bündnis etwa 350 Menschen. Bisher bekannt war, dass zwei Gegendemonstranten bei der Demo durch rechte Teilnehmer verprügelt und verletzt worden waren. (dae)

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