Verkehr

Der tägliche Krampf in der Rush-hour - Ein Erfahrungsbericht

Stillstand: In der Flurstraße sind alle gleich. Bahnen und Autos warten hier auf die kurze Grünphase. Das kann schon mal eine Viertelstunde dauern.

Foto: Kohkemper

Stillstand: In der Flurstraße sind alle gleich. Bahnen und Autos warten hier auf die kurze Grünphase. Das kann schon mal eine Viertelstunde dauern.

Zur Stoßzeit die Kinder mit dem Auto abholen zwischen Wersten und Flingern? Das geht nur mit starken Nerven, berichtet unser Autor Ralph Kohkemper.

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Flingern/Wersten/Oberbilk. Stau – schon wieder. Wie jeden Tag. Doch ein Mal am Tag muss ich da durch. Zu den Stoßzeiten, aber es gibt keine Alternative. In einer perfekten Welt ist die Kita fußläufig erreichbar. In einer fast perfekten Welt freut man sich über die Plätze in der Betriebskita. Die aber liegt in Flingern, wir wohnen in Wersten. Die Strecke ist theoretisch mit der Rheinbahn zu machen. Aber wenn man zwei kleine Kinder abholen muss, bleibt das Auto die erste Wahl. Ist einfach so.

Die Odyssee startet um kurz nach drei Uhr. Zu dieser Zeit ist das Werstener Kreuz schnell überwunden. Also stadteinwärts auf der Siegburger Straße. Wenn die Mitsubishi-Halle in Sicht kommt, steht der Verkehr meist schon. Wer, wie ich, die Oberbilker Allee geradeaus überqueren will, muss sich rechts einordnen. Diese rechte Spur ist natürlich voll, die linke, die Abbiegespur, manchmal verlockend leer. Zu verlockend für manche, die flugs den Blinker setzen und schön an der Schlange vorbeiziehen, um sich vorne wieder reinzudrängeln. Das geht mal gut, oft nicht. So, jetzt ist auch die linke Spur zu.

Eine Viertelstunde für nur 400 Meter Weg

Nach Flingern führt der beste Weg dann über die Ronsdorfer Straße – auch wenn das Navi anderer Meinung ist. Das ist ein Erfahrungswert. Leider quert die Ronsdorfer Straße irgendwann den Höherweg. An der Kreuzung wird gefühlt seit ewiger Zeit gebaut. Etwas weiter, vor und hinter der Eisenbahnbrücke, war über Wochen eine Bauampel.

Noch mehr Stau als üblich, denn an dieser Stelle wird es immer eng. Die Bahnunterführung ist niedrig. Die Einschläge und Flicken an den gemauerten Bögen sind Zeugnis dafür, dass nicht jeder Lkw-Fahrer dies auf Anhieb glauben wollte. Meistens erkennt der Lenker aber seinen Fehler rechtzeitig. Passt sein Gefährt noch unter der Brücke durch, braucht er mal kurz beide Spuren. Das kleinere Übel. Stress kommt bei allen auf, wenn ein 40-Tonner rückwärts rausrangiert werden muss.

Auf der Rosmarinstraße reiht sich Auto an Auto, derzeit zu jeder Zeit, fast bis zur Bruchstraße. Das wäre eigentlich mein Rückweg. Den nehme ich jetzt aber nicht. Mit den Kindern im Fond versuche ich es über die Flurstraße. Das Ergebnis ist das gleiche: Stillstand. Hier wollen alle nach links in die Kettwiger Straße. Für 400 Meter braucht es fast eine Viertelstunde.

Rückstau wegen eines Fahrspur-Parkers

Der Kleine (2) macht die Augen zu. Ein anderes Mal fahre ich einfach rechts, biege in die Dorotheenstraße ein, in der Hoffnung, nach einem U-Turn wieder in der Zeit zu sein. Leider steht auch hier alles, und die nächste Wendemöglichkeit ist weit weg. „Das war ja nicht so ein guter Plan, Papa“, kommentiert der Mittlere (5) etwas altklug. Das weiß ich nun selbst.

Also das nächste Mal sich doch in den Stau auf der Rosmarinstraße stellen? Aber dann muss ich auch über die Markenstraße. Dort geht ab vier Uhr nur wenig. Und seltsamerweise „parkt“ dort in schöner Regelmäßigkeit jemand einfach auf der rechten Fahrspur. Doch der eingeschaltete Warnblinker zeigt an: Der Jemand kommt wieder. Erst einmal blockiert der Rückstau aber die Kreuzung.

Irgendwann sieht man das Amts- und Landgericht, ist also auf der Werdener Straße. Der Kleine ist aufgewacht und sagt „Rot“, will mich aber nicht auf eine Ampel hinweisen, sondern meint die unzähligen Rücklichter vor uns. Bloß weg hier, weg von der B8. Wir quetschen uns durch bis zu Ellerstraße, biegen dort hinein. Kaum Verkehr, fast ein Schleichweg. Über die Kölner Straße bin ich bald wieder an der Mitsubishi-Halle. 1,2 Kilometer bis nach Hause.

Durchschnittstempo 11 Km/h

Doch jetzt kommt das finale Nadelöhr. Das Werstener Kreuz, nun in der Rush-Hour. Stop and Go. Oft schon weit vorher. In 15 Minuten ist die OGS aus, dann muss ich die Große abgeholt haben. Es sind nur ein paar hundert Meter. Nicht selten rufe ich an, teile mit, dass ich eigentlich ganz in der Nähe bin.

Die Große wartet schon am Schultor. Nun schnell eingeladen und angeschnallt, andere Eltern, die mit dem Rad oder zu Fuß ihre Kinder abholen, gucken leicht indigniert. Ja, ja, ich bin mit dem Auto da. Dann über Wohnstraßen nach Hause. Endlich ist es geschafft, mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 11 Km/h. Morgen wieder.

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