Kommunalwahl

Mit oder ohne Doktortitel in den Düsseldorfer Wahlkampf?

Stephan Keller (li.) führt seinen Doktortitel im Wahlkampf mit. Doch nicht alle Politiker machen das.

Stephan Keller (li.) führt seinen Doktortitel im Wahlkampf mit. Doch nicht alle Politiker machen das.

Foto: Wappner

Düsseldorf.  19 Kandidaten auf der Kommunalwahlliste sind mit ihrem akademischen Grad aufgeführt. Doch nicht jeder benutzt diesen auch auf den Plakaten.

Der Kommunalwahlkampf ist im vollen Gange, die Parteien und ihre Kandidaten werben auf den Straßen mit Plakatierungen. Und einige gerne auch mit ihrem Doktortitel. Es ist kein Muss, aber immerhin 19 Kandidaten aus Düsseldorf haben ihren Titel offiziell beim Wahlamt hinterlegt. Spitzenreiter ist dabei die pro-europäische Partei Volt mit fünf Doktoren, gefolgt von der FDP mit vier und den Grünen mit drei. Zwei Kandidaten mit Doktortiteln haben die CDU und die Linke, jeweils einen die SPD, „Tierschutz hier“ und Freie Wähler.

Die Selbstverständlichkeit des Titels

Eine „Selbstverständlichkeit“ den Titel mitzuführen ist es für Alexander Fils (CDU). Er sei Teil seines Namens und den verstecke er nicht. Kunstverleger Fils hat zudem viel mit anderen Künstlern zu tun, viele seien Professoren. Da sei es völlig normal, sich mit den Titel anzusprechen. Von seinem Parteikollegen Andreas Schröder weiß er jedoch, dass dieser seinen Titel nicht mitführt. „Vielleicht weil er jung ist und was anderes vermitteln möchte“, mutmaßt Fils, der Raumplanung in Dortmund und Kunstgeschichte in Bochum studiert hat. In Bochum hat er dann auch promoviert – mit einem Stadtplaner-Thema.

Für Stephan Keller, OB-Kandidat der CDU, gehört der Titel ebenfalls dazu, er sei ein „Teil der Ausbildung“, wie er sagt. Der promovierte Jurist habe zwar überlegt, ihn nicht überall mitzuführen, aber es sei nur „konsequent“, das dann doch zu machen.

Auch Christine Rachner (FDP) führt ihren Titel selbstbewusst mit – allerdings ist sie auch Ärztin und vor allem für die gesundheitspolitischen Themen ihrer Partei zuständig. „Das passt gut zusammen. Ich sehe das auch bei den Patienten, dass es schon eine gewisse Professionalität vermittelt, wenn man den Doktortitel dort hat.“

Doktortitel, um Kompetenz zu vermitteln

Gottfried Panhaus, Spitzenkandidat von Volt, führt ebenfalls seinen Doktortitel auf den Plakaten mit. „Es gab aber ein Für und Wider“, gesteht er. Im politischen Raum sei ein Verzicht auf den Titel üblich, schließlich sollen Inhalte im Vordergrund stehen. Zudem sei Volt eine „junge, frische Partei“. Dennoch, so Panhaus, kann es sein, dass Bürger die Partei hinterfragen, weil sie so jung sei und daher an der Kompetenz gezweifelt werde. Daher führe er den Titel mit, „als Zeichen für Lebenserfahrung und Kompetenz“. Panhaus selbst verzichtet darauf, mit diesem Titel angesprochen zu werden. Promoviert hat Panhaus in Chemie in Tübingen.

Uwe Wagner (SPD) hat eine Mischlösung gefunden. „Auf den Plakaten ist der Titel, auf meinen Flyern und Visitenkarten nicht. So wichtig ist er mir nicht.“ Bei Facebook hat er indes beide Varianten. „Für den Wahlkampf brauchte ich einen zweiten Account mit einem anderen Namen. Daher ist dort nun der Doktortitel aufgeführt“, so der promovierte Psychologe.

Sie verzichten darauf, den Titel mitzuführen

Eine, die ihren Titel bewusst nicht mitführt, ist die OB-Kandidatin der FDP, Marie-Agnes Strack-Zimmermann. „Ich habe ohnehin schon einen sehr langen Namen“, so Strack-Zimmermann. Der Doktortitel würde sie zudem „sehr streng“ wirken lassen. Zudem verweist sie auf Bundeskanzlerin Angela Merkel, die ebenfalls ihren Titel nicht mitführt. Promoviert hat die FDP-Frau in Publizistik und Politik in München, „über die US-Präsidentschaft von Ronald Reagan“.

Auch Maria Icking (Grüne) verzichtet auf den Plakaten und auch sonst auf ihren Doktortitel. Promoviert habe sie in Sozialwissenschaften, aber der akademische Grad darin sage nichts über ihre Politik und den Wahlkampf aus.

Beim OB-Kandidaten Hans-Joachim Grumbach (Freie Wähler) wird der akademische Titel mit angegeben. Begründung der Wählergemeinschaft: Bei der Wahl um dieses Amt sollte die Qualifikation des Kandidaten auf einen Blick erkennbar sein. Grumbach hat in Chemie promoviert, ist „Dr. rer. nat.“. Bei den Ratskandidaten lassen die Freien Wähler die akademischen Titel allerdings weg.

Übrigens: Nach Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs und des Bundesverwaltungsgerichtes handelt es sich beim Doktorgrad nicht um einen Namensbestandteil.

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