Altweiberfastnacht

Möhnensturm - ‘volle Bude' in Düsseldorfs Rathaus

Jede Menge Möhnen auf dem Marktplatz. Um 11.11 Uhr wurde dann das Rathaus gestürmt.

Foto: Kai Kitschenberg

Jede Menge Möhnen auf dem Marktplatz. Um 11.11 Uhr wurde dann das Rathaus gestürmt. Foto: Kai Kitschenberg

Düsseldorf.   Düsseldorf erlebte am Donnerstag einen perfekten Altweiber-Tag. Möhnen stürmten das Rathaus und läuteten den Höhepunkt der Karnevals-Session ein.

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Vielleicht muss man jemanden von außerhalb fragen, um diese besondere Düsseldorfer Altweiber-Stimmung in Worte fassen zu können. Linda Bresonik, Europa- und Weltmeisterin im Frauenfußball, stammt aus Essen und erlebte am Donnerstag ihren ersten Rathaussturm in der Karnevalshochburg. „Das ist eine absolute Reizüberflutung und für mich wirklich total überragend“, sprudelte es aus der 34-jährigen früheren Weltklasse-Kickerin heraus, die seit einem halben Jahr im Gleichstellungsbüro der Stadt beschäftigt ist.

Altweiber in Düsseldorf

Die Möhnen stürmen das Rathaus in der Altstadt.
Altweiber in Düsseldorf

Kein Wunder, bei strahlendem Sonnenschein und knackig-kaltem, aber trockenem Wetter wollten ab 11.11 Uhr wieder unzählige Möhnen das Rathaus stürmen. Der als Bierbauch-Köbes kostümierte Oberbürgermeister Thomas Geisel ließ die Weibsbilder in den Jan-Wellem-Saal – und sich dann brav seine gefühlt 500 umgebundenen Krawatten abschneiden. Bütz, Bütz – Helau!

"Votes for Women" auf Schildern

Stadtdirektor Burkhard Hintzsche war schlichtweg begeistert, dass es auch in diesem Jahr wieder eine voll Bude gab im Rathaus: „Was soll ich sagen? Besser können Stimmung und Wetter ja nicht mehr sein, genau so habe ich mir den Auftakt des Straßenkarnevals vorgestellt. Und jetzt bin ich still und überlasse den Frauen das Regiment.“

Ja, ja, die Frauen. Seit 100 Jahren haben die Frauen in Deutschland Wahlrecht, und darauf wollten Planungsdezernentin Cornelia Zuschke und die Gleichstellungsbeauftragte Elisabeth Wilfart mal freundlichst aufmerksam machen. Sie trugen Schilder vor sich her mit der Aufschrift „Votes for Women“. Pavel Madzirov nahm dies zum Anlass, Wilfart einen Deal vorzuschlagen. „Wenn die Zeit gekommen ist, wirst Du Oberbürgermeisterin und ich Gleichstellungsbeauftragter“, so der als Pharao verkleidete CDU-Ratsherr.

Kostüme waren wieder top

Möhnen stürmen das Düsseldorfer Rathaus

Pünktlich um 11.11 Uhr haben die Möhnen das Rathaus in Düsseldorf gestürmt.
Möhnen stürmen das Düsseldorfer Rathaus

Apropos Kostüme: Die waren im Rathaus an diesem Altweiber-Donnerstag wieder top. Kaum zu erkennen die Düsseldorfer Grünen-Chefin Paula Elsholz, die unlängst noch laut Studie zur attraktivsten Politikerin der Landeshauptstadt gekürt wurde. Davon war am Donnerstag, mit Verlaub, nicht mehr viel zu sehen. Elsholz ganz in Schwarz mit strengem (und mit Tesafilm befestigtem) Studienrat-Bart und einem Protestschild in der Hand: „Imagine all the people living life in peace“ stand da drauf – Textzeilen vom seligen John Lennon, und für Elsholz auch die richtige Botschaft an Karneval. „Wenn wir etwas in dieser Zeit brauchen, dann ist das Frieden.“

Bunte Akzente setzten auch Gesundheitsdezernent Andreas Meyer-Falcke, der den Fahrradboten mimte oder Presseamtschefin Kerstin Jäckel-Engstfeld, ganz auf die Fortuna ausgerichtet: sie kam in Rot-Weiß und einer Flugbegleiterin sehr ähnlich. „Ich bin eben die Aufstiegsbegleiterin!“ Starke Auftritte auch von den Bürgermeistern Klaudia Zepuntke (im Badedress aus der Biedermeier-Zeit) und Wolfgang Scheffler (Napoléon). Kultbäcker Josef Hinkel kam als Papst, Ordungsdezernent Christian Zaum als Mönch, Tour de France-Organisatorin Theresa Winkels als flotte Biene und die komplette Presseabteilung der Stadt als Märchenfiguren. Jonges-Baas Wolfgang Rolshoven kam als Wolfgang Rolshoven, immerhin geschmeidig wie eh und je, er hatte laut eigener Aussage seinen lustigen Hut vergessen.

Stadtdirektor verkleidete sich als Kaiman

Und Stadtdirektor Hintzsche nahm eine Patenschaft mit dem Aquazoo zum Anlass, sich als Kaiman zu verkleiden. Das Tierchen heißt Carlos und ist dem Spitzenbeamten offenbar ans Herz gewachsen, denn der Mann mit grün-orange-gelben Gesicht, Sonnenbrille und Hooligan-Kapuzenpulli hatte auch noch diverse kleine Gummi-Kaimane in den Taschen versteckt. Großartig!

Karneval lässt aber auch Zeit für ein paar ernste Worte. Er habe ja den NRZ-Kommentar über ein mögliches Public Viewing zur WM gelesen. Wir hatten nämlich vor ein paar Tagen geschrieben, dass so eine Veranstaltung Unsinn ist. Hintzsche dazu. „Wir als Stadt sind ja auch nicht wirklich auf der Suche nach einem Veranstalter: Wenn jemand kommt, dann ist das okay!“

Na dann, Helau!

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