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Karneval: Wagenbauer setzten auf unterschiedliche Techniken

Der Düsseldorfer Wagenbauer Jacques Tilly setzt beim Bau seiner Mottowagen auf eine andere Technik als die Kollegen in Köln oder Mainz. Dadurch kann er schneller auf aktuelle Ereignisse reagieren.

Der Düsseldorfer Wagenbauer Jacques Tilly setzt beim Bau seiner Mottowagen auf eine andere Technik als die Kollegen in Köln oder Mainz. Dadurch kann er schneller auf aktuelle Ereignisse reagieren.

Foto: Federico Gambarini / dpa

Düsseldorf.  Warum der Düsseldorfer Wagenbauer Jacques Tilly mit seiner Technik viel spontaner ist. Ein Vergleich mit der Tradition in Mainz.

Björn Höcke von der AfD ist in Windeseile fertig. „Mit der Maschendraht-Schnellbauweise kann man auch einen oder zwei Tage vor Rosenmontag schnell einen Wagen bauen“, sagt der Künstler Jacques Tilly aus Düsseldorf. In Mainz werden die Figuren für die Motivwagen dagegen feinsäuberlich mit der Säge aus Styroporblöcken herausgeschnitten. Das dauert.

„Wir müssen immer aktuell sein - und bereits im Herbst vorausdenken, was in drei Monaten noch aktuell sein wird“, sagte der Mainzer Wagenbauer Dieter Wenger im vergangenen Jahr. Kurz vor Rosenmontag ist der 80-Jährige vor lauter Arbeit an seiner 58. Kampagne nur noch in Ausnahmen zu sprechen. Dafür stimmt dann jedes Detail wie bei seiner rollenden Karikatur von Donald Trump als Ochsen 2019.

Der letzte Schliff mit Messer und Schmirgelpapier

„Das sind ganz verschiedene Traditionslinien“, sagt Tilly, der in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt eine gefragte Wagenbauschule betreibt. „Die Mainzer Technik ist stabiler, als unsere Eierschalenoberfläche: Eine Schicht Papier in Leim getaucht, der Rest ist Luft“, sagt der Wagenbauer aus dem Rheinland. Allerdings habe der Dauerregen am Morgen des Rosenmontag 2019 gezeigt: „Unsere Arbeit ist auch wetterfest.“

Die Styropor-Figuren in Mainz entstehen ganz anders: „Die Feinarbeit erfolgt mit dem heißen Draht und elektrischen Schlingen“, erklärt Michael Sowada vom Mainzer Carneval-Verein 1838, dem Veranstalter der Straßenfastnacht in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt. „Polierwerkzeuge geben den letzten Schliff, bevor die Figuren farbig gestaltet werden.“ Zähne werden fein säuberlich mit feinen Messern geschnitzt. Zuletzt kommt feines Schmirgelpapier zum Einsatz. Vor der Bemalung werden Figuren mit kleinen Zettelchen aus Papier beklebt.

Tillys Wagen lassen sich besser Entsorgung als die Styropor-Modelle der Konkurrenz

Die Maschendrahtbauweise hingegen ist schnell, flexibel und preiswert. „Luft kostet ja nichts“, sagt Wagenbauer Tilly. Und das Entsorgungsproblem des deutlich teureren Styropors entfalle. Dafür seien die Styropor-Figuren wetter- und stoßfester, glatter und sauberer geschliffen. „Für die Mainzer sind unsere Wagen viel zu oberflächlich“, sagt Tilly, der mit besonders bissigen Satiren immer wieder große Beachtung findet.

Jedes Jahr wetteifern Mainz, Köln und Düsseldorf an Rosenmontag um witzige Ideen und Figuren - und spornen sich dabei auch gegenseitig an. Die Düsseldorfer seien traditionell immer besonders scharfsinnig, lobte Wenger.

Warum Tilly Merkels Nase eindrückt

Früher wurden die Figuren auch in Mainz aus Maschendraht geformt, und mit „Rupfen“ – porösem Gewebe – bezogen, eingegipst und bemalt, wie Sowada erläutert. „1967 kam erstmals Styropor zum Einsatz.“ Die Motivwagen in Mainz werden inzwischen in der Regel schon im November ausgewählt. Wenger fertigt am Computer die Pläne für die Umsetzung der zuvor gefertigten Skizzen an. Um den Figuren auch extreme Haltungen zu ermöglichen, baut der Künstler und Handwerker auch Stahlträger in die Styroporkörper ein.

„Es dauert aber auch viel länger, bis man Merkel aus dem Block geschnitzt hat“, sagt Tilly. Maschendraht lasse sich zudem leichter korrigieren: „Wenn ich sehe, Merkels Nase ist zu groß, drücke ich sie eben ein.“

Trump als Motto ist gesetzt

Ob Merkel auch 2020 an Rosenmontag wieder als Karikatur in Köln oder Düsseldorf durch die Straßen fährt, verrät Tilly natürlich noch nicht. Nur: „Um Trump kommt keiner drum herum.“ Und: „Was wir mit dem Coronavirus machen, ist noch die Frage.“ Ob Maschendraht oder Styropor ist für den Düsseldorfer letztlich aber „Jacke wie Hose“. „Das wichtigste ist die Idee.“ Und ob es gelinge, diese provokant und kraftvoll umzusetzen: „Auf die Inhalte kommt es an.“ (dpa)

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