Gesundheit

Muskelzucken oder Parkinson - oft viel zu spät entdeckt

Foto: NRZ

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Uni-Klinikum und Neurologen starten Projekt, um schneller eine Diagnose stellen zu können.

Der 22-Jährige sitzt im Rollstuhl, die Arme und Beine zucken, die Hände können nicht greifen. Was noch immer von vielen Ärzten als Behinderung angesehen wird, ist eine so genannte „Dystonie”: Unkontrolliertes Zusammenziehen der Muskeln, die schon bei Kindern zu Schmerzen und Verkrümmung der Wirbelsäule führen. Der 22-Jährige lief nach sechs Monaten Therapie an der Uni-Klinik fast unbehindert herum - hätte die Behandlung durch einen „Hirnschrittmacher” aber viel früher benötigt.

Die richtigen Diagnosen bei Bewegungsstörungen kommen zu spät, Parkinson-Patienten werden bundesweit im Schnitt 2,3 Jahre falsch behandelt. Damit Diagnose und Therapie schneller helfen, haben die Neurologen der Uni-Klinik in einem in Deutschland einmaligen Pilotprojekt für zunächst ein Jahr eine Kooperation mit niedergelassenen Fachärzten begonnen.

1200 Patienten mit Bewegungstörungen zählen allein sieben Düsseldorfer neurologische Praxen im Quartal. Die bekannteste dieser Krankheiten ist der Morbus Parkinson - „der trifft auch schon 35-Jährige”, macht Professor Alfons Schnitzler klar, der Leiter des „Zentrums für Bewegungsstörungen” an der Uni-Klinik. Zudem leiden fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung am „familiären Zittern”, können keine Tasse Kaffee halten, nicht arbeiten.

Der 22-jährige Patient mit Bewegunsgstörungen bekam an der Uni-Klinik einen „Hirnschrittmacher”, erläutert Oberarzt Martin Südmeyer: Dünne Elektroden werden an eine zuvor genau festgelegte Stelle im Gehirn versenkt. Über ein Gerät, das ähnlich wie ein Herzschrittmacher an der Schulter eingepflanzt ist, werden Gehirnpartien elektrisch stimuliert. „Bei Kindern haben wir damit große Erfolge, die können dann zur Schule gehen”, so Südmeyer, der die Kooperation organisierte.

Neurologe Michael Lorrain aus der Altstadt erläutert den Schulterschluss zwischen niedergelassenen Ärzten und Uni-Spezialisten: „Jeder Patient hat seinen eigenen Parkinson, auch beim Zittern bestehen ganz unterschiedliche Ursachen.”

Bei wöchentlichen Besuchen von Oberarzt Südmeyer werden etwa zehn Patienten untersucht. Die können aus dieser Spezial-Sprechstunde ohne Wartezeit wenn nötig in die Klinik überwiesen werden. Vor allem junge Patienten, meint Lorrain, können so länger als bisher berufstätig bleiben.

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