Vermüllung

Nach Brandbrief: OB Geisel „kein Retter der Sauberkeit“

Müll stapelt sich vor einem Container, kein seltener Anblick.

Müll stapelt sich vor einem Container, kein seltener Anblick.

Foto: OH

Düsseldorf.   Nach Brandbrief an die Awista: Düsseldorfer CDU kritisiert, dass die Ampel das Thema Müllbeseitigung bisher ignoriert habe.

In einem Schreiben hat Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) der Awista schwere Vorwürfe gemacht. Der Grund: die städtische Tochter mache nicht genug gegen verwahrloste Müllcontainer und Dreck auf den Straßen. Bemerkt hatte das Stadtoberhaupt den Müll während einer Joggingrunde am vergangenen Wochenende unter anderem an den Containern am Standort Pfalz-/Ecke Collenbachstraße. Das Umfeld sei in „unerträglicher Weise vermüllt“.

Awista-Chef Peter Ehler, an den das Schreiben adressiert war, befindet sich momentan noch im Urlaub, so eine Sprecherin. In der nächsten Woche wolle er sich jedoch mit dem OB zusammensetzen und überlegen, welche Maßnahmen zur Verbesserung ergriffen werden können. Auch Videoüberwachung könnte eine Möglichkeit sein, das läge allerdings eher bei der Stadt beim Ordnungsamt, so die Sprecherin weiter. Die Leistung der Awista wird über einen Vertrag mit der Stadt geregelt – möglicherweise müsse man da auch über eine Neuregelung nachdenken.

Verträge mit Awista neu aufsetzen

Das Thema Sauberkeit hat sich auch die CDU auf die Fahne geschrieben. Denn dass etwa Container überfüllt und einen verwahrlosten Eindruck machen, sei nichts Neues, sagt Andreas Hartnigk (CDU), stellvertretender Vorsitzender im Ordnungs- und Verkehrsausschuss. Bisher sei die Thematik allerdings von der Ampel ignoriert worden. Aber wenn dann der OB „fünf Minuten Zeit hat und das beim Joggen bemerkt, sind auf einmal alle hellwach“, ist Hartnigk sauer. Geisel sei nicht der „Retter der Sauberkeit“. Der CDU.Mann fordert jedoch auch, dass das System der Reinigung überprüft werde. „Wenn es heißt, dass die Straße drei Mal die Woche von der Awista gereinigt werde, die Bürger aber sagen, das passiere nur einmal, muss man da mal nachhaken“, so Hartnigk weiter. Eventuell müssten auch die Verträge nachjustiert werden. „Wenn die Awista sagt, mit den bisherigen Verträgen kann man die Leistung nicht erbringen, muss da was geändert werden.“

FDP-Fraktionschef Manfred Neuenhaus kann zwar den Ärger über den Müll verstehen, hält den Brandbrief allerdings für den völlig falschen Weg. „Wir bestellen ja bei der Awista und die machen dann das, was wir wollen. Es wäre also einfacher gewesen, im Aufsichtsrat zu sagen: So nicht.“ Der OB sei dafür zuständig und habe quasi den „Brandbrief an sich selbst“ geschrieben. Die Grüne Iris Bellstedt findet, dass man „lieber miteinander reden sollte, statt einen Brandbrief“ zu schreiben.

Lob vom Verein Pro Düsseldorf

Positiv bewertet hingegen Ingo Lentz, Vorsitzender von Pro Düsseldorf und Koordinator des „Rhine Clean Up“-Tages, den Brandbrief des OBs. „Die Stadt muss sauber sein, und wenn der Oberbürgermeister die Sache ernst nimmt, bewegt sich auch was“, so Lentz. Denn ohne Druck passiere weiter nichts. Die Awista habe bereits einen Auftrag, den sie zu erfüllen hat.

Der Awista Beine machen – Ein Kommentar von Stephan Wappner 

Der Oberbürgermeister hat sich während seiner Joggingrunde schwer aufgeregt über die Vermüllung auf den Straßen seines Viertels, daraufhin der Awista einen Brandbrief geschrieben, und dieser wurde dann öffentlich gemacht. Geisels Gegner meinen nun, der Rathauschef setze sich in schweren Zeiten medienwirksam in Szene – nach dem Motto „Tue Gutes und sprich darüber“. Mag ja sein, aber dass er als erster Bürger der Stadt die Augen offen hält, das kann man ihm nun wirklich nicht zum Vorwurf machen. Geisel sollte nun auch nicht nachgeben und den Awista-Verantwortlichen Beine machen. Denn die Vermüllung in Düsseldorf ist schon lange ein Problem – nicht erst, seitdem der OB an Abfallbergen vorbei joggt.

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