Kultur

Nacht der Museen in Düsseldorf lockt 23.000 Besucher an

Bei Kunst Im Tunnel verzichtete man dieses Jahr auf zerfetzte Pappmache-Köpfe – dafür gab es Perspektiven aus dem „Unterirdischen Museum“ zu sehen.

Foto: Rebekka Sennert

Bei Kunst Im Tunnel verzichtete man dieses Jahr auf zerfetzte Pappmache-Köpfe – dafür gab es Perspektiven aus dem „Unterirdischen Museum“ zu sehen. Foto: Rebekka Sennert

Düsseldorf.   In diesem Jahr konnte die Museumsnacht mit ihren 40 Ausstellungsorten wieder Tausende anlocken – auch wenn den Exponaten etwas der Biss fehlte.

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Wie lebt es sich eigentlich mit einem Huhn in der Wohnung? Dieser Frage ging die Düsseldorfer Künstlerin Kristina Buch drei Jahre lang nach und zeigte in Videozusammenschnitten in der Kunsthalle ihre Lebenserfahrung mit dem Gockel, der am Ende des Kunstprojekts eigentlich als Bouillon enden sollte. Wegen moralischer Bedenken ließ sie allerdings davon ab und veröffentlichte ihre Arbeit „One of the things that baffles me about you is that you remain unmurdered” unter einem anderen Konzept. Die Arbeit Buchs war Teil der Ausstellung „Welcome to the Jungle”. Obwohl schon seit anfang März geöffnet, lockte die Ausstellung mit ihren Videoinszenierungen, die verschiedene Lebensrealitäten einfangen, immer noch hunderte Besucher in die Kunsthalle am Grabbeplatz.

Besucherzahlen fast dieselben wie vergangenes Jahr

Mit rund 23 000 Besuchern –genau so viel wie im vergangenen Jahr – konnte die Nacht der Museen wieder viel Publikum in die Ausstellungen locken. Ein Grund dafür war wahrscheinlich auch das milde Frühlingswetter, welches fast schon sommerliches Flair in die Stadt zauberte. Im Gegensatz zu den Jahren davor mussten Kunstinteressierte meistens allerdings nicht an ellenlangen Schlangen auf den Eintritt warten.

Eine Ausnahme machte da das Dreischeibenhaus, welches zwar nicht mit einer Ausstellung, aber mit einem herzerfüllenden Blick von der Dachterrasse auf die nächtliche Düsseldorfer Skyline aufwarten konnte. Ob sich das Warten in der rund hundert Meter langen Schlange gelohnt hat? „Ja, auf jeden Fall”, sagt ein Düsseldorfer Damen-Trio mit Cocktails in der Hand.

Gedankenexperimente im Haus der Universität

Insgesamt schien die Nacht der Museen im Vergleich zum vergangenen Jahr etwas harmloser zu sein. Hatten die bunt-zerfetzten Plastiken des Künstlers Malte Bruns bei Besuchern im Kunst im Tunnel noch heftige Emotionen wie abstoßenden Ekel hervorgerufen, stand den meisten Besuchern der Ausstellung „Unterirdisches Universum” eher Verwirrung ins Gesicht geschrieben.

Unterirdisch war die Ausstellung aber keinesfalls: eine Videoinstallation zeigte dystopische Gesellschaftsszenarien in feminines pink gehüllt, an anderer Stelle konnte man beobachten, wie ein Auto aus Pappmaché ganz ohne Dieselabfallstoffe die Rheinuferpromenade entlang „fuhr” und sich am Ende in seine Einzelteile zerlegte. Allerdings fehlte den Kunstwerken vielerorts etwas der Biss -- Grenzerfahrungen suchte man vergeblich. Enttäuschend war auch, dass die im K21 zu sehende hervorragende ständige Ausstellung aus technischen Gründen zu großen Teilen geschlossen war.

Musikalisch ging es auch dieses Jahr zur Sache

Ein spannendes Gedankenexperiment verfolgte der Künstler Adi Hoesle mit seinem Kunstprojekt „Brain Painting”. Dabei werden Bilder per Gehirnströmen gezeichnet. „Meine Idee dazu war durch den Künstler Jörg Immendorff motiviert, der aufgrund seiner ALS-Krankheit stark gelähmt war”, erklärt Hoesle. Mittels eines EEG-Geräts und einer speziellen Software ließen sich jedoch abstrakte Bilder ganz ohne Bewegung des Körpers auf das digitale Papier bringen. „Das Einzige, was erforderlich ist, ist Konzentration”, so der Künstler.

Wie immer wurde nicht nur visuelle Kunst bei der nächtlichen Museumstour geboten, vielerorts ging es auch musikalisch zu. Am Carlsplatz spielten DJs entspannten House, über dem Reinraum war eine Bühne für Live-Musik aufgebaut. Abgerundet wurde das Angebot durch die Kölner Band Xul Zolar, die im FFT feinen Indie-Pop spielten sowie Uwaga!, die mit ihrem osteuropäisch angehauchten Jazz das Publikum im Hetjens-Museum in ihren Bann zogen.

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