Verkehr

Neue Radarfallen blitzen Raser ab sofort unbemerkt

Foto: NRZ

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Düsseldorf. Im Düsseldorfer Rheinufertunnel werden Raser ab diesem Donnerstag erstmals dauerhaft geblitzt. Acht Kameras überwachen rund um die Uhr jede Fahrspur. Premiere in NRW: Wer geblitzt wird, merkt es nicht: Die digitalen Radarkameras arbeiten mit Schwarz-Blitz.

Der Rheinufertunnel wird im Düsseldorfer Rathaus als „architektonisches Meisterwerk” gepriesen - als gigantisches Bauwerk, mit dem erst die inzwischen international bekannte Uferpromenade möglich wurde und sich die City endlich zum Rhein öffnen konnte. Kein anderes Verkehrsprojekt hat die Stadt so attraktiv gemacht wie dieses, das vor fast 16 Jahren realisiert wurde. Das ist die eine Seite, die andere: Die zwei Kilometer langen Tunnelröhren werden als unterirdische Raserstrecke missbraucht. Immer wieder kommt es zu Crashs. Ursache ist oft zu hohe Geschwindigkeit. Polizei und Verkehrsdezernat sprechen von einer „erhöhten Unfall-Lage.”

Mobile Radarfallen zu gefährlich für Polizisten

Jetzt handelt das Ordnungsamt. Ab diesem Donnerstag entkommt keiner der täglich 55.000 Autofahrer der Radarfalle - zumindest diejenigen, die zu schnell unterwegs sind. Dafür sorgen insgesamt acht digitalisierte, fest installierte Kameras. Kontrolle total - rund um die Uhr, auf jeder Fahrspur, am Anfang und am Ende der beiden Röhren.

Bisher kontrollierte nur die Polizei - das nur gelegentlich und im ausreichenden Sicherheitsabstand vor Ein- und Ausfahrten. Direkt im Tunnel zu messen, wäre für Polizisten zu gefährlich, ebenso für Autofahrer: Ein Blitz kann zu fatalen Fehlreaktionen führen. Der Fahrer könnte das Lenkrad umreißen und gegen die Wand prallen oder auf die Bremse treten und eine Massenkarambolage auslösen.

Das Ergebnis der Kontrollen: Allein seit 2008 bis Ende Juli 2009 wurden 1075 Autofahrer ertappt, die zu schnell fuhren. Gegen 428 musste Anzeige erstattet werden, so Polizeioberkommissar Thorsten Drewes. Im gleichen Zeitraum kam es im Rheinufertunnel zu 77 Unfällen. Bei acht schweren Kollisionen mussten Retter und Notärzte ausrücken.

Mit Tempo 182 im Tunnel

Fast kein Autofahrer hält sich an die noch vorgeschriebene Geschwindighkeit von 60 km/h. Das wäre noch kein Problem: Der Tunnel ist so ausgelegt, dass man auch mühelos mit Tempo 70 durchfahren kann, was in den nächsten Wochen auch legalisiert wird. Aber: Immer mehr Fahrer sind wesentlich schneller, riskieren ihr und das Leben anderer. Erst vor einem Jahr wurde ein Mann mit Tempo 182 geblitzt. Hätte er im Tunnel die Kontrolle über den Audi verloren, er hätte es nicht überlebt.

Schon seit 2001 berieten Unfallkommission und politische Gremien über die Aufstellung von Starenkästen im Tunnel. „Aber damals war die technische Entwicklung noch nicht soweit”, berichtet der kommissarische Chef des Ordnungsamtes, Michael Zimmermann. Der Autofahrer durfte durch den Blitz nicht abgelenkt werden. Der musste „kaum merkbar” sein, hieß es nun in den Voraussetzungen der jüngsten Ausschreibung für eine 400 000 Euro teure Tempoüberwachung im Rheinufertunnel.

Blitzen - und keiner merkt's

Es ist die Monheimer Firma „Robot”, die den Zuschlag bekam, die nach den Worten ihres Vertriebsleiters Hartmut Hoffmeister weltweit als einzige eine Digitaltechnik mit sogenanntem Blackflash anbietet, wo der Autofahrer den dunkelroten Blitz nicht sieht, Fahrer und Kennzeichen trotzdem deutlich auf dem Bild zu erkennen sind. „Das haben wir durch verschiedene Konfigurationen und Anpassungen geschafft”, sagt Hoffmeister, ohne ins Detail zu gehen. Betriebsgeheimnis! Entsprechende Anlagen gibt es bereits im Rennsteig-Tunnel in Thüringen und in München.

Die Einnahmen aus den Verstößen im Rheinufertunnel kassiert nun die Stadt. „Wir zocken aber nicht ab”, verwahrt sich Michael Zimmermann. „Wir wollen nur, dass jeder sich an das Tempolimit hält und wir die Unfallzahlen deutlich senken können.” Warnschilder an allen Ein- und Ausfahrten weisen die Autofahrer rechtzeitig auf die Radarkontrollen hin. Wer im Tunnel sowohl beim Rein- als auch beim Rausfahren geblitzt wird, muss nur für einen der beiden Verstöße zahlen. Die Juristen sprechen hier zugunsten der Verkehrssünder von „einer Tateinheit.”

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