Wahlkampf

"Nicht mal tot überm Zaun" - Elbers lästert über das Revier

Dirk Elbers möchte im Ruhrgebiet nicht mal "tot überm Zaun hängen." Viele Bürgermeister im Revier sind empört.

Foto: Stefan Arend/Archiv

Dirk Elbers möchte im Ruhrgebiet nicht mal "tot überm Zaun hängen." Viele Bürgermeister im Revier sind empört. Foto: Stefan Arend/Archiv

Düsseldorf.  Dirk Elbers legt nach. Nachdem der Düsseldorfer OB schon mit umstrittenen Wahlplakaten ("Sie verlassen den schuldenfreien Sektor") gegen das Ruhrgebiet keilte, geht der CDU-Politiker jetzt einen Schritt weiter. Im Ruhrgebiet wolle er nicht mal "tot überm Zaun hängen", sagte der 54-Jährige. Viele Bürgermeister im Revier sind empört.

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Düsseldorfs CDU-Oberbürgermeister Dirk Elbers teilt mal wieder aus. Erst vor kurzem hatte der 54-Jährige den Kommunalwahlkampf mit einem umstrittenen Wahlplakat angeheizt, das an die frühere Beschilderung der Alliierten an der Grenze zwischen Ost- und Westberlin erinnert. "Sie verlassen den schuldenfreien Sektor", war darauf zu lesen. Die Plakate standen entlang der Stadtgrenze - eine ziemlich eindeutige Provokation gegen die verschuldeten Kommunen im Ruhrgebiet.

"Unverschämte Äußerungen"

Nun legt Elbers nach. Auf dem Kreisparteitag der CDU in Düsseldorf hat er noch einmal gegen das Ruhrgebiet geschossen: "Da will ich nicht mal tot über dem Zaun hängen!" Die Provokation sitzt - viele Bürgermeister im Ruhrgebiet sind empört.

"Solche Äußerungen sind unverschämt. Deshalb kommentiere ich sie nicht weiter. Auf dieses Niveau begebe ich mich nicht", sagte Bochums SPD-Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz.

Kein Verständnis für den deftigen Wahlkampf seines Düsseldorfer Kollegen hat auch Duisburgs SPD-Oberbürgermeister Sören Link: "Solch eine Aussage hat eine Kommentierung nicht verdient." Noch deutlicher wurde Dortmunds Oberbürgermeister Ulrich Sierau (SPD) gegenüber der "WZ": "Herrn Elbers nehmen wir nicht ernst, selbst dann nicht, wenn er bei uns tot überm Zaun hängt."

"Das ist eine 'Eure Armut kotzt mich an Attitüde"

"Eine Geschmacklosigkeit", seien Elbers-Aussagen, findet Thomas Geisel, der bei der Kommunalwahl als SPD-Kandidat für das Amt des Düsseldorfer Bürgermeisters gegen CDU-Mann Elbers antritt. "Das ist so eine 'Eure Armut kotzt mich an Attitüde." Mit solchen Äußerungen würde Elbers nur "Düsseldorfs Image als Schickimicki-Stadt zementieren". Die große Mehrheit der Bürger wolle das sicher nicht.

Das bestätigen auch die Zahlen der Ruhr-Tourismus GmbH. Denn das Ruhrgebiet ist längst auch für Düsseldorfer ein Ausflugsziel. "In der Landeshauptstadt haben wir rund 1000 Besitzer der Ruhrtopcard. Und 'tot überm Zaun hängen' gehört nicht zu deren Leistungen", sagt Geschäftsführer Axel Biermann.

Kritik auch aus der CDU

Selbst in der CDU sind Elbers Aussagen offenbar nicht unumstritten. "Ich finde es schön im Ruhrgebiet. Wenn Herr Elbers das anders sieht, ist das sein Problem", sagt Christian Haardt, Kreisvorsitzender der Bochumer CDU. Er würde auch in so mancher Stadt nicht wohnen wollen: "Aber der Kreisparteitag ist vielleicht nicht der richtige Ort, so etwas kund zu tun."

Er würde es übrigens mit Herbert Grönemeyer halten, sagt Haardt: "Wer wohnt schon in Düsseldorf?" Eine Wahlkampfhilfe für die SPD will der 48-Jährige in den Äußerungen seines Parteikollegen aber nicht sehen. Schließlich komme Elbers nicht aus dem Ruhrgebiet, sondern sei Düsseldorfer Kommunalpolitiker: "Er wollte wahrscheinlich seinen Lokalpatriotismus unterstreichen", vermutet Haardt. Sein CDU-Kollege Thomas Hunsteger-Petermann, Oberbürgermeister von Hamm, distanziert sich ebenfalls von Elbers: "Für diese Aussage habe ich eigentlich keine Erklärung. Die positivste, die mir einfällt: Er war noch nie hier."

Hat Elbers Angst vor der Konkurrenz?

Eine ganz andere Theorie hat Essen Oberbürgermeister Reinhard Paß (SPD): "Scheinbar hat Herr Elbers Angst vor der Konkurrenz." Essen seien schließlich vom Magazin "Der Spiegel" unlängst "überraschende Erfolge" bescheinigt worden. "Essen wächst wieder und sie ist Finalistin als Grüne Hauptstadt Europas", sagt Paß.

Elbers Wahlkampf gegen das Ruhrgebiet hat mittlerweile sogar den Dortmunder Kabarettisten Fritz Eckenga auf den Plan gerufen. Der 59-Jährige kommentierte die Pläne in seiner Sendung bei WDR2 gewohnt lässig: "Solltet ihr von der Düsseldorfer CDU demnächst mal an die Stadtgrenzen von Gelsenkirchen oder Dortmund kommen, wundert euch nicht über die extra für euch aufgestellten Plakate: Sie betreten den internationalen Fußball-Sektor."

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